Flüchtlinge aus Syrien. Foto: Swen Pförtner/dpa

Neue Flüchtlingsunterkünfte im Vogelsbergkreis

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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VOGELSBERGKREIS - "Der Vogelsbergkreis sucht Unterkünfte für Asylbewerber", diese Meldung war in den heimischen Tageszeitungen in jüngster Zeit des Öfteren zu lesen. Der Flüchtlingsstrom nach Deutschland nimmt zu. Somit steigen auch die Zahlen im Vogelsberg.

Bei der Aufnahme und Unterbringung von Asylbewerbern sieht sich der Vogelsbergkreis aktuell größeren Herausforderungen gegenüber. Kümmerte sich das Vogelsberger Sozialamt 2012 um 210 Flüchtlinge, waren es bis zum Ende des vergangenen Jahres schon 350, wie Heidrun Baß, die stellvertretende Leiterin des Amtes für Soziale Sicherung beim Vogelsbergkreis, im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt. Seit Januar sind 30 neue Asylsuchende gekommen, auf 130 beläuft sich die "Zuweisungszahl" für das erste Halbjahr 2014 laut Plan. Baß weiß aber: "Wenn die Krisenherde weltweit steigen, steigen auch bei uns die Zahlen. So werden Hessen 7,2 Prozent der Menschen, die in Deutschland einen Asylantrag stellen, zugewiesen. Davon wiederum werden zwei Prozent im Vogelsbergkreis untergebracht."

Einen "Vorlauf" von fünf Tagen hat der Kreis, in denen er, wenn neue Asylsuchende zugewiesen werden, ein Quartier finden muss. Die erste Anlaufstation in Hessen ist die Einrichtung für Erstaufnahme in Gießen. "Wir wissen erst kurz vorher, dass jemand kommt, kennen nicht den sozialen Hintergrund.

Das ist eine große Herausforderung für das Amt für Soziale Sicherung", so Baß. Das nämlich muss die Flüchtlinge zunächst in einem der Gemeinschaftswohnheime unterbringen. Und die reichen bei Weitem nicht aus. "Wir mieten deshalb auch Pensionen an, weil die Unterkünfte voll sind, das kostet richtig Geld." Deshalb suche der Kreis zurzeit nach größeren Unterbringungsmöglichkeiten. Für diese staatliche Aufgabe, Asylbewerber aufzunehmen und unterzubringen, erhält der Kreis Unterstützung vom Land: Doch die deckt bei Weitem nicht die gesamten Ausgaben. Denn erstattet werden die Kosten nur zum Teil. Den Rest muss der Kreis aus seinem eigenen Haushalt bestreiten. 2013 betrugen die Kosten rund zwei Millionen Euro. Vier Gemeinschaftsunterkünfte gibt es bisher im Kreis, zudem einzelne Wohnungen. Sieben Wohnungen davon hat der Kreis selber angemietet, rund 100 Menschen seien zurzeit in selbstangemieteten Wohnungen untergebracht. Aktuell sind weitere Gemeinschaftsunterkünfte in Lauterbach, Ulrichstein und Schlitz geplant, auf die neue Asylbewerber gleichmäßig verteilt werden sollen. In der Lauterbacher Unterkunft, in der ehemaligen Kfz-Zulassungsstelle, sollen rund 60 Menschen leben können, 59 in Ulrichstein im ehemaligen Jugend- und Freizeitenheim, und rund 20 in Schlitz. Für die Lauterbacher Unterkunft liegt bereits ein Bauantrag seitens des Hausbesitzers vor. Der Lauterbacher Magistrat war zu einer Stellungnahme aufgefordert, wie der Bürgermeister jüngst den Stadtverordneten mitteilte.

Nicht gestiegen ist bisher die Zahl der Mitarbeiter, die für die Betreuung zuständig sind und für die die Belastung zunimmt. Doch das soll sich in Kürze ändern. "Wir bekommen zum 1. März einen dritten Mann für unser Team", sagt Sozialarbeiter Rüdiger Schwing. Die Personalplanung des Landes gibt vor, dass sich ein Mitarbeiter um 100 Asylbewerber kümmern soll. Im Vogelsbergkreis betreuten die zwei Sozialarbeiter bisher wesentlich mehr. Durch die personelle Verstärkung soll sich die Situation nun ein wenig entspannen, hofft Schwing. Noch größer allerdings sei die Zahl der Flüchtlinge in den 1990er Jahren gewesen. Damals habe der Kreis 37 Unterkünfte bereitgestellt und sechs bis sieben Sozialarbeiter beschäftigt.

Die Sozialarbeiter stehen den Asylbewerbern regelmäßig in ihrem vorläufigen Zuhause, bei Behördengängen oder auch nur zum Reden zur Seite. Dass diese Arbeit auch psychisch belastend sein kann, weiß Sozialarbeiter Rüdiger Schwing. Wenn ein Flüchtling die Nachricht erhält, nicht in Deutschland bleiben zu dürfen – die Entscheidung fällt auf Bundesebene – "ist das schon belastend". Aber man dürfe das nicht so nahe an sich heranlassen, weil man ja weiter mit den Menschen arbeiten müsse. Unterstützung erhalten die Flüchtlinge auch von kirchlichen Organisationen oder dem Verein Pro Asyl.

Der erste Gang im Kreis führt einen Asylbewerber zur Ausländerbehörde, weil der Ausweis geändert werden muss. Denn ein Flüchtling dürfe, während sein Asylverfahren läuft, Hessen nicht verlassen, erklärt Schwing, der die Asylsuchenden gleich auf ihren Wegen begleitet und sie auch in ihre Unterkünfte bringt. Zu seinen Aufgaben gehört es zudem, sich um die Einschulung der Kinder zu kümmern. Wenn nötig, fährt er Flüchtlinge auch ins Krankenhaus, erteilt Auskunft über Vereine und redet mit ihnen, "wenn es Probleme gibt". Zum Beispiel wenn Menschen in der Gemeinschaftsunterkunft nicht miteinander auskommen. "Dann versuche ich sie zu trennen und suche den Leuten Wohnungen."

Schwierigkeiten beim Zusammenleben können auch dadurch entstehen, dass immer mehr Flüchtlinge traumatisiert seien. Wie lange die Flüchtlinge im Kreis bleiben, ist ungewiss. "Das kann ein halbes Jahr aber auch bis zu zehn Jahren sein". Nach ihrer Ankunft im Vogelsberg werden den Flüchtlingen Sprachkurse angeboten oder auch Ein-Euro-Jobs, also gemeinnützige Arbeit, vermittelt. Denn einer richtigen Tätigkeit dürfen Asylbewerber erst nach neun Monaten nachgehen.

Eine Frist, die sich nach den neuesten Plänen der großen Koalition in Berlin auf drei Monate verkürzen soll. Ob jemand in einer Sammelunterkunft bleibt oder eine Wohnung bekommt, entscheiden die Mitarbeiter des Sozialamts je nach Fall.

Für Familien mit Kindern sei ein solches Wohnheim nicht ideal, wissen die Fachleute, ebenso, dass eine "Mischbelegung" in den Unterkünften das Optimale wäre.

"Mit Familien läuft es immer besser." Dort nutzen die Flüchtlinge gemeinsam eine Küche und auch die Bäder. Etwa acht bis zehn Menschen teilten sich eine Dusche. Pro Person stehen zehn Quadratmeter zum Leben zur Verfügung – das sei die Vorgabe des Landes Hessen. la

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