Dr. Ines-Christin Josek (von links), Dr. Norbert Sehn, die Leiterin des Labors Sonja Krähling, Dr. Rüdiger Hilfenhaus und die Qualitätsmanagementbeauftragte Sonja Seeger / Foto: privat

Neues Verfahren in Lauterbach getestet: Eigenblut kommt im OP zum Einsatz

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Lauterbach - Die Gabe von Blutkonserven während einer Operation gehört seit Jahrzehnten zum Standardprozedere in deutschen Krankenhäusern. Dass dieses Verfahren nicht ohne Risiko für Patienten ist, haben Ärzte des Universitätsklinikums Frankfurt zum Anlass genommen, das „Patient Blood Management“ zu entwickeln. Dieses Verfahren wird auch am Krankenhaus Eichhof in Lauterbach praktiziert.

Nachfolgend lesen Sie die Pressemitteilung des Krankenhauses im Wortlaut:

Das in diesem Jahr mit dem „Humanitarian Award“ zur Reduzierung vermeidbarer Patientensterbefälle ausgezeichnete, wegweisende Programm oder sinnhaft übersetzte Blutmanagementsystem der Frankfurter Mediziner hat bereits 2015 Einzug in die Abläufe am Krankenhaus Eichhof in Lauterbach gehalten. „Wir haben allein im vergangenen Jahr nahezu 260 Liter Blut einsparen können und konnten so auch Risikofaktoren für die Patienten durch die Gabe von Fremdblut erheblich reduzieren“, erklärt der Chefarzt der Anästhesiologie und Intensivmedizin, Dr. Norbert Sehn. Gemeinsam mit der Leitenden Oberärztin Dr. Ines-Christin Josek betreut er das Programm und steht dabei in engem, interdisziplinärem Austausch mit den chirurgischen Abteilungen im Haus.

„Das System basiert auf drei Säulen“, erläutert der Chefarzt. „Die frühzeitige Erkennung und Behandlung einer möglichen Anämie vor Eingriffen mit hohem Transfusionsrisiko, die Minimierung des Blutverlustes und vermehrte Nutzung fremdblutsparender Maßnahmen sowie der rationale Einsatz von Blutkonserven.“ Auf Basis dieser drei Faktoren sei das Krankenhaus in der Lage, im Vorfeld einer Operation Patienten mit Blutarmut herauszufiltern, präventive Maßnahmen zum Beispiel mittels intravenöser Eisengabe einzuleiten und so das Risiko für gesundheitliche Komplikationen deutlich zu verringern, legt Dr. Ines-Christin Josek dar. Die Erfahrungswerte und Statistiken aus dem bisherigen Anwendungszeitraum hätten gezeigt, dass der Einsatz von Fremdblut vermindert, die Patientensicherheit deutlich erhöht werde und die Genesung sich erheblich verbessert.

„Zu Gute kommt uns natürlich auch, dass wir heute deutlich weniger Blut bei der Aufnahme abnehmen müssen, da sich die Analysetechnik wesentlich verbessert hat und dank blutungsfreierer Methoden beim Operieren der Einsatz von Blutkonserven ganz oder teilweise überflüssig wird“, berichtet Dr. Sehn. Darüber hinaus würde Blut von Patienten bei der Operation aufgefangen, in einem sogenannten Cell-Saver aufbereitet und dem Patienten wieder zugeführt. „Das geht allerdings nicht bei jeder OP“, schränkt der Chefarzt ein. Heutzutage würden erheblich niedrigere Hämoglobinwerte zugelassen, sagen die Mediziner am Eichhof. „Lag früher der Regelwert für die Fremdbluttransfusion zum Beispiel kleiner gleich 10 Gramm pro Deziliter, so sehen wir heute 7 Gramm pro Deziliter als Grenzwert.“

„Wir nutzen die frühe Phase in der Medizinischen Aufnahme um Blutarmut herauszufinden. Liegt ein Eisenmangel vor, können wir umgehend reagieren und die Zeit bis zur Operation nutzen, um den Patienten mit Eiseninfusionen innerhalb weniger Tage auf einen vergleichsweise stabilen Wert zu bringen. Eine Tablettengabe würde Monate dauern, ist nicht zwangsläufig von Erfolg gekrönt und kann bei empfindlichen Menschen erhebliche Nebenwirkungen auslösen. Die Alternative wäre die Gabe von Fremdblutkonserven während oder nach der größeren Operation“, sagt Dr. Josek. Darüber hinaus sei eine Anämie auch ein Marker für mögliche andere Erkrankungen und so könnte über die Ursachenabklärung oftmals auch da rechtzeitig angemessen reagiert werden, so die Oberärztin.

„Das Patient Blood Management ist ein Mehraufwand für unser Krankenhaus, sowohl in medizinischer als auch wirtschaftlicher Hinsicht. Jedoch lassen sich bis zu 20 Prozent der Bluttransfusionen einsparen. Der wichtigste Aspekt ist aber letztendlich, dass die Sicherheit für unsere Patienten steigt, die Komplikationsrate sich verringert und somit auch mögliche Folgebehandlungen reduziert werden“, erläutert der Ärztliche Direktor am Krankenhaus Eichhof, Dr. Rüdiger Hilfenhaus, und versichert: „Natürlich haben wir trotz des neuen Blutmanagementsystem immer genügend Blutkonserven im Haus, sodass unsere Patienten keine Angst vor einer anstehenden Operation haben müssen.“

Die Transfusionsnotwendigkeit wird sich mittelfristig durch das Patient Blood Management verringern, davon sind (von links) Dr. überzeugt.

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