Fotos: Bernd Götte

Ohne Seil geht gar nichts beim Fällen geschädigter Buchen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Richthof - Im Herbst haben die Forstleute noch einmal alle Hände voll zu tun. Es gilt, dürregeschädigte Bäume zu beseitigen, die eventuell eine Gefahr für Erholungssuchende darstellen. Aber auch das Fällen an sich ist riskant.

Von unserem Redaktionsmitglied Bernd Götte

Ein großes Thema sind kranke Buchen, erklärt Stefan Ostertag, Bereichsleiter Produktion beim Forstamt Burghaun. Die Trockenheit der vergangenen beiden Jahre hat den Bäumen viel von ihrer Widerstandsfähigkeit geraubt und sie anfällig nicht nur für den berüchtigten Buchenborkenkäfer und den verwandten Buchenprachtkäfer, sondern auch für Bakterien und Pilze gemacht.

Man sieht es den gefällten Stämmen an. Oft haben sie schon schwarze Flecken oder eine aufgeplatzte Rinde. „Es ist wichtig zu wissen, wie gefährlich das Fällen von Schadbuchen ist“, bekräftigt der Forstmitarbeiter. Denn die Bäume sind morsch, es können schon beim Fällen Äste herabfallen und wenn sie dann zu Boden krachen, ist es wichtig, genügend Abstand zu halten, um nicht von herumfliegenden Holzstücken getroffen zu werden.

Sicherheit geht vor

Aber mit viel Abstand ist das Fällen sicherer. Wie hält man Abstand? Mit einem Seilzug. Am Richtberg wird dies schon praktiziert. Der Baum wird angesägt und dann mit einem ausreichend langen Seil umgerissen. „Ohne Seil geht gar nichts“, ermahnt Ostertag vor allem die vielen Besitzer von kleinen Privatwäldern, die jetzt auch mit ihren Aufräumarbeiten beginnen wollen.

Das Fällen mit Seil ist aufwändig und dementsprechend teuer. „Man braucht doppelt so lange wie bei einer herkömmlichen Fällung“, erläutert Ostertag. Das bedeutet auch doppelte Arbeitskosten – aber Sicherheit geht vor.

Eile ist geboten

Auch am Richtberg haben die Waldarbeiter dieser Tage buchstäblich alle Hände voll zu tun. Eile ist geboten. Ostertag weiß, dass viele Menschen den Wald als Erholungsraum nutzen, und da sind morsche Buchen mit trockenen Kronen am Wegesrand gefährlich. Diese werden vorrangig gefällt.

Der Baum wird mit einem Seil umspannt. Dazu nutzen die Arbeiter Seile ähnlich Tauen (sogenannte Dyneema-Seile) mit einer speziellen Kunststoffummantelung, die das Abrutschen des Seils am Stamm verhindern soll. Dann wird der Baum mit der Motorsäge angeschnitten.

Behutsame Vorgehensweise beim Ansägen

Wichtig ist, dass entgegen der geplanten Fallrichtung ein breiterer etwas schmalerer Fäll- Schnitt als bei der normalen Fällung geführt wird, um dort ein Halteband anzusetzen, „die Lebensversicherung für den Motorsägenführer“, so Ostertag. Der Fallkerb führt in Verbindung mit der Bruchleiste dazu, dass der Baum in die gewünschte Richtung fällt.

Bei dem Ansägen wird behutsam vorgegangen, wie Forstwirt Marcel Schmidt erläutert: „Man weiß ja nicht, wie der Stamm innen aussieht“. Jeder Baum kann eine Überraschung bergen. Ist der Stamm erst gesichert und angesägt , geht es recht schnell. Ein vorsichtiger Zug mit dem Seil, dass erst zum Schluss gespannt wird, und der 30-Meter-Kaweventsmann senkt sich mit effektvollem Krachen in die gewünschte Fallrichtung. Dass der Sicherheitsabstand wichtig ist, wird bei dem betreffenden Exemplar augenfällig.

Regenreicher Winter könnte helfen

Er spaltet sich der Länge nach auf, Splitter fliegen. Trotzdem scheint das Holz noch gut verwertbar zu sein. Denn das ist eine weitere Sorge der öffentlichen und privaten Waldbesitzer. Schadhaftes Holz ist nämlich für Sägewerke weniger interessant und kann dann nur noch als Industrie- oder Brennholz vermarktet werden. Ostertag schätzt den Wertverlust dann bei auf circa 40 bis 50 Prozent.

Helfen könnte den Waldbesitzern nun ein regenreicher Winter, damit Buchen und Fichten gut mit Wasser versorgt in die neue Vegetationsperiode starten können. Feuchtigkeit schadet auch den Borkenkäfern, denn sie führt häufig zur Verpilzung der Insekten.

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