Das Foto zeigt Prof. Helfenbein bei seinem Vortrag im Untergeschoss der Stadtmühle. / Foto: Hahner

Osterfest im Spiegel heimischer Bräuche

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Lauterbach - Mehr als zwei Dutzend Besucher hatten sich in der Stadtmühle eingefunden und lauschten am Sonntag im Rahmen des "Tags der offenen Tür" des Tourist-Center den Ausführungen von Prof. Helfenbein über österlichen Bräuche in alter Zeit.

Am Palmsonntag, der auch Palmarum heißt, stellten die Bürger junge Birken oder Fichten an ihre Haustüren, was auch etwas mit dem nun längeren Tageslicht zu tun hatte. Der Prof., der im Gewand des ehemaligen Bürgermeister Touleur auftrat, brachte viele Beispiele, die dieser in einer Chronik aufgeschrieben hatte. Aus dem christlichen Fest entwickelten sich städtische und dörfliche Feste. So gab es in früher Zeit in Lauterbach schon einen Ostermarkt, bei dem auch Musikanten auftraten. Die Stadt musste eine Bürgerwehr einrichten, die des Nachts die Stände bewachten.

Das Fest war in ökonomischer Hinsicht von Bedeutung, denn es brachte der Stadt die größten Einnahmen des Jahres. Oft waren die Ostermärkte auch mit Vieh- und Leutermärkte gekoppelt. Weil sich die Märkte bis in die Nacht hinzogen, musste die Stadt auch für Laternen zur Beleuchtung der Stände sorgen. Die Frauen gingen "Kassade" und deckten sich unter anderem mit Henkelkörben und anderen Artikeln des täglichen Lebens ein. Auch Handwerker boten ihre Waren an. Um 1820 gingen die Lauterbacher von Freitag bis Sonntag in ihre Gartenhäuser und wohnten dort. Der Markt bot Kohlpflanzen und Sämereien. An Ostern wurde man auch eingestellt oder entlassen, es gab an Ostern auch Prüfungen und das neue Schuljahr begann. Der Referent ging dann auch auf die Eier ein, die ein Zinsmittel waren und die zum Bezahlen der Pacht von Wiesen und Äckern dienten. Ein Schocke Eier waren immerhin 60 Stück. Auch das wandernde Volk hatte früher immer Hühner dabei. Eier waren also eine Art Zahlungsmittel.

Der Sonntag hatte bei der Bevölkerung noch einen anderen Wert als heute. Der Sonntag wurde gehalten mit Kirchgang und Spaziergängen. Um Ostern wurden in den Häusern Fenster und Türen geöffnet und mit Wacholder ausgeräuchert. Man nannte diesen Vorgang "Ausmärzen". Die Spaziergänge führten in die erwachende Natur. Man ging durch Alleen und in denWald und Touleur besuchte auch die Obstgärten, um zu sehen, ob sie schon ausgetrieben hatten. Viele gingen auch zum Bahnhof über den Schlitzer Steg zum Bauern Caspary und wanderte zum Alten Berg unter Mitnahme eines Fäßchen Bier und etwas Essbarem. Der Spaziergang war ein Stück Erholung vor der schweren körperlichen Arbeit. Man ging auf die Anhöhen rund um die Stadt, um die Aussicht zu genießen. Übrigens ging kein Mann ohne Hut. Auf dem Ostermarkt wurden übrigens auch die sogenannten Komfirmandenhüte verkauft, denn mit 14 Jahren gehörte man zu den Erwachsenen. Den Begriff "Jugend" kannte man nicht. Gewandert wurde über die Wiesen, über Äcker stolperte man. Die Bürger gingen aber auf Wegen. Ostern und der Osterhas waren, so der Prof. schon immer eine große Sache. Und das Fest hat auch etwas mit der heidnischen Göttin "Osteria", die Göttin der Fruchtbarkeit, zu tun und das verband man mit den Ostereiern. Als 1944 die Amerikaner in Lauterbach einzogen, ging, so der Referent, eine Epoche zu Ende. Es war eine Zeitenwende. In den Sitten und Gebräuchen des Volkes spielte dies jedoch keine große Rolle. So überlebte auch zu Ostern das Eierfärben. "Meine Großmutter färbte die Eier mit Zwiebelschalen und Kerbel und wir Kinder gingen in den Wald, um Moos und Äste für den Bau von Nestern zu suchen" und das ist bis heute so. Prof.Helfenbein erhielt für seine engagierten und witzigen Ausführungen viel Beifall. Anschließend machte er eine Stadtführungzum Thema "Brücken, Stege und Wasserläufe".

Das könnte Sie auch interessieren