Ulrich Niepoth (Mitte) mit seinen „Goldschätzen“ Johannes Floors (links) und Léon Schäfer. / Fotos: privat

Para-Leichtathletik-WM: Schlitzer Physiotherapeut aus Dubai zurück

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlitz/Dubai - Platt und erschöpft – aber zufrieden: Ulrich Niepoth ist wieder zurück. Der Physiotherapeut aus Schlitz unterstützte die deutschen Para-Leichtathletinnen und -Leichtathleten bei der WM in Dubai. Das Fazit des 52-Jährigen bezüglich Ausrichtung und Durchführung ist ernüchternd: „Das war einer WM nicht würdig und von der Qualität her eine Katastrophe.“

Von unserem Redaktionsmitglied Angelika Kleemann

Zwei Wochen lang stand Ulrich Niepoth unter Strom. 18-Stunden-Tage liegen hinter ihm. Für den Schlitzer nichts Ungewöhnliches, begleitet er die deutschen Para-Leichtathleten seit 2001 zu fast allen internationalen Veranstaltungen wie EM, WM sowie Paralympics und trägt seinen Teil dazu bei, dass sie fit an den Start gehen können.

Das Ergebnis des recht kleinen Teams mit elf Medaillen bei 52 Starts und 13 direkten Startplätzen für die Paralympics in Tokio kann sich zwar sehen lassen, doch nehme Deutschland in der Nationenwertung nur noch die achte Position ein. „Die Topathleten haben ihre Leistungen gebracht, allerdings fehlt uns dahinter der Unterbau, verfügen wir über keine Breite“, moniert Niepoth. Zudem seien die Russen wieder zurück auf der Weltbühne und hätten einige Medaillen weggeschnappt.

Abgesehen davon, dass der Zeitpunkt der Para-WM, die aufgrund der Hitze im Ausrichterland erst im November stattfand, als athletenunfreundlich und extrem schwierig in die Wettkampfperiodisierung einzubauen galt, mangelte es in Dubai auch am leichtathletischen Know-how. „Behindertensportveranstaltungen will keiner mehr ausrichten. Dubai wollte, und der internationale Verband war froh, überhaupt einen Ausrichter gefunden zu haben“, erläutert Niepoth und fügt an: „Die Emirate wollten der Welt zeigen, was sie können. Allerdings sind sie keine Sportnation und haben mit Leichtathletik nichts am Hut.“

Das Aufwärmstadion sei eine Fläche aus Schutt und Asche gewesen, umrahmt von einer blanken Betonmauer. Hier verrichteten auch die drei deutschen Physiotherapeuten ihre Arbeit. Um dies nicht unter freiem Himmel bei schlappen 34 Grad tun zu müssen, „haben wir uns ein Zelt besorgt und es mit deutschen Fahnen dekoriert“, berichtet Niepoth – von Privatsphäre trotzdem keine Spur (zweites Foto).

Im Stadion war „nix fertig“, die Kugelstoßanlage habe sich als Stolperfalle erwiesen. Zudem hätten die Kampfrichter eklatante Schwächen offenbart und viele Fehlentscheidungen getroffen. Doch Niepoth wusste auch Positives zu berichten. „Das Medieninteresse war sehr groß.“ Das der Zuschauer allerdings nicht. „Zu Behindertensportveranstaltungen kommt kaum einer, das sind wir gewohnt. Zudem fehlt in Dubai die Sportkultur“, erklärt Niepoth. Dafür übertrug der örtliche Fernsehkanal die WM live. Auch das Interesse der deutschen TV-Sender wie ARD und ZDF sei groß gewesen, der Deutsche Behindertensportverband habe speziell einen Pressebeauftragten abgestellt, um die Interviewünsche zu koordinieren.

Den Vogel schossen jedoch die Japaner ab, die im kommenden Jahr als Olympia- und Paralympics-Ausrichter brillieren wollen. „Die Japaner waren mit 100 Medienvertretern in Dubai und schickten die Bilder in die Welt. Das ist die beste Werbung für den Para-Sport und der beste Weg, um junge Leute dafür zu begeistern“, freut sich Niepoth über das große Interesse. Dass die in- und ausländischen Fernsehteams besonders den Fokus auf den deutschen Weitsprung-Weltrekordler Léon Schäfer gelegt hatten, erklärt Niepoth so: „Der ist auch ein hübsches Kerlchen und gilt als Sexiest Man Alive des Para-Sports.“

Inzwischen ist Niepoth wieder im kühlen Deutschland angekommen, muss nicht mehr wegen der Hitze vier Mal am Tag duschen und kann seinen Schlafentzug kompensieren. In neun Monaten finden die Paralympics in Tokio statt. Wieder mit Niepoth. Laut Chef-Mediziner sowie der Bundestrainerin sei der Schlitzer als Physiotherapeut erste Wahl. „Ich freue mich, das ist eine Auszeichnung“, sagt der 52-Jährige. Vergessen sind die Hitze und die Strapazen. Dubai war die Generalprobe für Tokio. In jeglicher Hinsicht. „Das Klima soll in Japan noch extremer sein, das ist kaum vorstellbar“, will sich Niepoth überraschen lassen.

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