Foto: Bernd Götte

Philipp Jungblut betreibt seit 20 Jahren Crêpes-Stand am Schlitzer Weihnachtsmarkt

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlitz - Es ist, als wäre Philipp Jungblut schon immer da gewesen. Sein Gesicht gehört zum Schlitzer Weihnachtsmarkt, fast wie die höchste Kerze der Welt. Seit 1999 betreibt er dort einen Crêpes-Stand.

Seinen Lebensmittelpunkt hat der gelernte Medienwirt Jungblut in Berlin, aber den alljährlichen Einsatz auf dem Weihnachtsmarkt lässt er sich nicht nehmen. Jetzt ist er schon 20 Jahre dabei.

Schon als Schüler schnupperte der heute 40-Jährige gerne am süßen Teig, wie er sagt. 1997 jobbte er nebenher im Café am Markt; dort half er auch morgens in der Backstube aus und machte Teig; in der Adventszeit stand er im Crêpes-Stand des Cafés auf dem Weihnachtsmarkt.

Mit zwei Brüdern gestartet

1998 war das Café pleite. „Mir fehlt etwas“, bemerkte Jungblut, denn Crêpes backen machte ihm Spaß. Konsequenz: 1999 machte er den ersten eigenen Crêpes-Stand auf. Als Zivildienstleistender lieh er sich zusammen mit zwei Brüdern das Equipment und betrieb den Stand als „Familienunternehmen“: Einer machte den Teig, einer kassierte, einer buk die Crêpes.

Zwischendurch lebte Jungblut in Darmstadt, Köln, Siegen, München, Lübeck und Berlin, aber dem Burgenstädtchen blieb er im Advent erhalten. „Es ist eine besondere Art der Heimatverbundenheit für mich. Viele Besucher kennt man seit Jahren und sieht sich unterm Jahr sonst nicht oder nur selten. Am Weihnachtsmarkt ist aber Verlass darauf, dass wir uns hier wiedersehen: am Crêpes-Stand.“

Geheimformel: Nicht zu dünnflüssig

Denn Jungblut weiß auch, wie es geht. Das Geheimnis für einen leckeren Crêpe ist schlicht und einfach: Der Teig darf nicht zu dickflüssig sein, damit er auf den gusseisernen Platten, die sehr heiß sind, gut verteilt werden kann. Das muss sehr schnell gehen, sonst wird es ein Pfannkuchen-Klumpen.

Und Jungblut weiß auch, was ankommt: Seit Anbeginn würden Statistiken über die gekauften Sorten und die Anzahl geführt. Ungeschlagen an der Spitze der Hitliste stünden die beiden Klassiker: Crêpe mit Nutella und Crêpe mit Zimt und Zucker. Damit kommen die richtigen Weihnachtsgefühle auf, glaubt Jungblut.

Womöglich hätte er den Crêpes-Stand nie selbst gemacht, wenn es nicht einen entscheidenden Vorteil für seinen Crêpes-Stand gäbe. Direkt vor der Haustür befindet sich die Bude am Marktplatz. Das bedeutet: Kurze Wege, kein Transport und Logistik werden benötigt. Der Aufbau (Einrichtung der Bude) dauert drei bis vier Stunden. Der Teig wird im Haus gemacht, alle Lebensmittel lagern dort und werden hier auch für den Einsatz vorbereitet.

Jungblut lobt das gute Miteinander der Budenbetreiber. Einmal ging ihm mal sonntags mittags, kurz vor der „Rush hour“, das Gas aus. Ersatz hatte er nicht. Zum Glück hatte ein anderer Standbetreiber eine Ersatzflasche, die er sich leihen durfte. „Ein guter Markt funktioniert erst dann, wenn alle an einem Strang ziehen“, glaubt Jungblut.

Kritik am Samstagsprogramm

Seit Anbeginn setzt er sich aktiv für Verbesserungen des Schlitzer Weihnachtsmarktes ein. Viele Vorschläge habe er dazu eingebracht, einige ließen sich sogar umsetzen wie die Aktion mit dem kostenlosen Shuttle-Bus zwischen Fulda und Schlitz vor drei Jahren.

„Leider“, so beteuert Jungblut, „wurde ein wesentlicher Teil des Konzeptes nicht von dem Veranstalter des Weihnachtsmarktes übernommen. Daher war es kein Wunder, dass das Konzept ein Jahr später nicht mehr funktionierte und dann eingestellt wurde.“ Eine Alternative wurde seitens des Veranstalters nicht geschaffen. Jungblut vermisst Akzente für die Belebung des „besucherlosen Samstagmittags und -nachmittags“.

Hier stünde er oft bis 16 oder 17 Uhr, ohne einen Crêpe verkauft zu haben. „Das sind bittere Leerkosten“. Dies sei auch dem Umstand geschuldet, dass in der Mittagszeit samstags kein Programm geboten werde. Sein Geschäft macht Jungblut dann am besucherstarken Sonntag.

Für die „nächsten 20 Jahre“ wünscht sich Jungblut Mut und Offenheit für sinnvolle und notwendige Innovationen. Er hat einen stetigen Besucherrückgang beobachtet, und damit einhergehend eine sinkende Attraktivität des Marktes. „Es fehlt schlicht an Kompetenz auf Veranstalterseite“, klagt er.

Aber Jungblut nimmt kleine Unannehmlichkeiten auch mit Humor. Kleine Schnittverletzung mit einem Küchenmesser oder kleine Verbrennungen steckt er locker weg, ebenso den Stress beim Auf- und Abbau und zu den Stoßzeiten am Markt.

Jungblut stillt Nutella-Lust

Dabei erfüllt Jungblut auch ungewöhnliche Wünsche. Manche Leute bekämen wohl von Nutella nie genug; eine halbe Seite auf dem Crêpe sei immer noch zu wenig; die wollten sogar noch mehr dafür bezahlen, dass auch die andere Seite bestrichen wird. „Für Flecken auf der Kleidung übernehmen wir zum Glück keine Haftung oder Reinigungskosten“, meint Jungblut lachend.

Wirklich verrückt waren Bestellungen wie Nutella und Käse auf einen Crêpe oder Käse, Schinken und Apfelmus. Inzwischen gibt es nichts mehr, was Jungblut noch schockiert. Jeder habe eben seinen eigenen Geschmack. / bg

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