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Podiumsgespräch zum Thema "Flüchtlinge und Asylsuchende im Vogelsbergkreis"

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Von: Redaktion Fuldaer Zeitung

vogelsbergkreis - Im Rahmen der Synodaltagung des Evangelischen Dekanats Vogelsberg nahm am Samstag eine Expertenrunde auf dem Podium des Gemeindesaals Platz, um über die aktuelle Situation im Kreis, neue Unterkünfte und die Möglichkeiten für ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingsarbeit zu diskutieren.

Werner Köhler und Kristina Hartmann-Günther vom Amt für Soziale Sicherung im Vogelsbergkreis berichteten zunächst von den Unwägbarkeiten adäquate Unterkunft zu organisieren: "Jeweils acht Tage im Voraus erfahren wir, wie viele Flüchtlinge in den Vogelsbergkreis kommen, aber wir wissen dann noch nichts über Alter, Geschlecht, Herkunft, Erkrankungen oder Behinderungen und auch nicht, ob und wie viele Familien mit Kindern darunter sind." Die Anregung, leerstehende Wohnhäuser in den Dörfern zu nutzen, sah der Amtsleiter kritisch. Man werde sich weiterhin auf die Städte im Vogelsbergkreis konzentrieren, um ein Mindestmaß an Infrastruktur zu Gewährleisten und die Isolation nicht noch weiter zu verschärfen. Ein von Ehrenamtlichen organisierter Fahrdienst könne wegbrechen, dann bestünden aber weiterhin Mietverträge etc. "Wir schätzen das Ehrenamt sehr und sind sehr dankbar für die Initiativen auch von Seiten der Kirchen", betonte Köhler. Pfarrer Hermann Wilhelmy von der evangelischen Flüchtlingsseelsorge in Gießen bezeichnete es als eine "gesamtgesellschaftliche Aufgabe, eine Willkommenskultur zu schaffen." Asylbewerber, Gesetzgeber und Sozialarbeiter sowie die Vertreter der verschiedenen ehrenamtlichen Initiativen müssten beständig im Gespräch sein. Es gelte gesellschaftliche Teilhabe zu organisieren und die Isolation zu durchbrechen. Pfarrer Walter Bernbeck von Pro Asyl Alsfeld ermutigte die Vertreter der Kirchengemeinden, unkompliziert Kontakt aufzunehmen: "Einladen ist immer gut! Flüchtlinge haben viel Zeit. Organisieren Sie einfach ein Kaffeetrinken in Ihrem Gemeindehaus." Wilhelmy ergänzte: "Wenn Sie zu Veranstaltungen einladen, bitten Sie dazu auch Menschen, die übersetzen können. Wenn Sie Gemeinschaftsunterkünfte besuchen möchten, achten Sie darauf, dass Sie eingeladen sind und dass die Sozialarbeiter vor Ort, Bescheid wissen." Die Begleitung bei Behördengängen, Deutschkursen und vor allem die Integration ins Vereinsleben seien weitere wichtige Bausteine, bei denen sich Ehrenamtliche sehr gut einbringen können, so der Gießener Flüchtlingsseelsorger.

Während die Gesprächsteilnehmer den Eindruck teilten, dass viel Hilfsbereitschaft und Offenheit in der Bevölkerung vorhanden sei, wurde auch deutlich, dass es eine enorm komplexe Aufgabe sei, diese Bereitschaft zu bündeln, aktuelle und akute Bedarfe zu erheben und eine gute Kommunikation zu gewährleisten. Nicht nur sprachliche und kulturelle Barrieren müssten überwunden werden. Häufig seien die Flüchtlinge traumatisiert von den Erlebnissen in ihren Heimatländern, aber auch von den Stationen der Flucht selbst, so die Erfahrung Walter Bernbecks aus Billertshausen, der erst im vergangenen Jahr mehrere Monate eine somalische Flüchtlingsfamilie im Kirchenasyl beherbergt hatte.

"Es werden weiterhin Flüchtlinge kommen. Darauf deuten alle Prognosen in den Krisenregionen hin.", so die Einschätzung Timo Riegs, der das Gespräch moderiert hatte und am Ende die Aktualität des Themas erneut unterstrich. Wenn in den kommenden Wochen die Gemeinschaftsunterkünfte in Lauterbach und Ulrichstein eröffnet werden, gelte es, sich gut zu verständigen, die Kräfte zu bündeln und für die Anliegen aller Beteiligten geeignete Ansprechpartner zu organisieren.

Zum runden Tisch am 31. März in Lauterbach trafen sich auf Einladung des Evangelischen Dekanats Vertreter von Kreis, Stadt, Kirchen und Diakonie. / mr

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