Ein Aktivist zieht im besetzten Waldstück sein Halstuch nach oben.
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Die Polizei geht bei der bevorstehenden Räumung des Dannenröder Forstes von massiver Gegenwehr aus.

Großeinsatz im Vogelsberg

Polizei macht mit mehreren Hundert Beamten ernst im Dannenröder Forst – Steinwürfe und Pyrotechnik

Die Polizei macht ernst im Dannenröder Forst: Ein Großaufgebot begann am Dienstag damit, Barrikaden zu beseitigen, mit denen Gegner der A49 die Rodungen für den Autobahnabschnitt verhindern wollen

Homberg/Ohm - Im Dannenröder Forst sind zahlreiche Polizisten mit der Räumung von Barrikaden beschäftigt. Diese sollen geplante Rodungsarbeiten für den Weiterbau der Autobahn 49 verhindern. Ein größeres Polizeiaufgebot ging am Dienstagvormittag auch in eines der Waldbesetzer-Camps. Zunächst blieb die Situation dort nach Polizeiangaben friedlich.

Am Morgen waren die Beamten in dem Wald hingegen vereinzelt mit Steinen und Pyrotechnik beworfen worden, wie die Polizei Mittelhessen via Twitter mitteilte. Dabei sei niemand verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher. Teile des Waldstücks werden seit über einem Jahr von Umwelt- und Klimaschützern besetzt gehalten.

Die Beamten räumten größere Hindernisse wie übereinandergestapelte Baumstämme und Äste mit Draht von den Wegen sowie Gegenstände aus dem Camp. Auf Baumhäusern in großer Höhe sowie auf Plattformen hielten sich Aktivisten in dem Camp auf, das sich bis zum Mittag zunehmend mit Menschen füllte.

Immer wieder waren Rufe wie „Danni bleibt!“ zu hören. Auch mehrere Tripods – dreibeinige Gestelle aus Stangen oder Stämmen – hatten die Aktivisten in der Nähe errichtet, um einen Weg zu blockieren. Zunächst einmal seien nur Arbeiten im Bodenbereich geplant, hieß es von einer Polizeisprecherin.

„Wie die Proteste sich jetzt gestalten, müssen wir uns wirklich überraschen lassen. Wir haben jetzt natürlich schon einzelne Waldbesetzer, die sich in den Bereich unserer Maßnahmen begeben und da Widerstand leisten werden.“ Insgesamt waren am Vormittag mehrere Hundert Beamte aus ganz Deutschland im Einsatz.

Im südlichen Bereich des Forsts wurde nach Polizeiangaben auch ein Zaun errichtet, um dort einen Logistikbereich anzulegen. Rodungen waren zunächst noch nicht geplant. Im nördlichen Bereich sollten Gefahrenquellen identifiziert und beseitigt werden.

Es wird erwartet, dass es zu einer Räumung des Waldes kommt, damit die Baumfällarbeiten demnächst starten können. Wann genau, war aber auch am Dienstagmittag noch unklar. Die Aktivisten hatten dagegen weiteren Widerstand angekündigt.

Am Dienstag twitterte die Initiative „Wald statt Asphalt“: „Der Polizeieinsatz im #dannibleibt hat begonnen. Der Wald braucht euch jetzt! Schnappt eure Rucksäcke und Freund:innen - los gehts!“ Wie das Aktionsbündnis „Keine A49“ rief auch „Wald statt Asphalt“ zu einer Menschenkette am Dannenröder Forst auf. Man wolle sich beschützend vor den Wald stellen, hieß es in dem via Twitter verbreiteten Aufruf.

Die Rodungen für den Weiterbau der Autobahn hatten am 1. Oktober begonnen und konzentrierten sich zunächst auf den Herrenwald bei Stadtallendorf (Kreis Marburg-Biedenkopf) sowie den Maulbacher Wald bei Homberg (Vogelsbergkreis). Jeder Arbeitstag wurde von Protesten von Ausbaugegnern und zahlreichen Polizeikräften begleitet. Beamte räumten Baumhäuser und Barrikaden und holten Aktivisten aus Bäumen.

Die Autobahn soll einmal Nord- und Mittelhessen direkter miteinander verbinden. Insgesamt sollen für den neuen Streckenabschnitt rund 85 Hektar Wald weichen. Im Herrenwald wurde laut der Projektgesellschaft Deges bereits fast die gesamte vorgesehene Fläche von 49 Hektar gerodet.

Im Maulbacher Wald waren es 3,5 Hektar. Im Dannenröder Wald – der als eine Art Symbol für die Proteste gegen die A49 gilt – sollen 27 Hektar gefällt werden. Auf etwa 750 Hektar sind Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen geplant, um die Eingriffe in die Natur zu kompensieren.

Für den Lückenschluss der Autobahn besteht Baurecht. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig lehnte im Sommer letzte Klagen gegen den Weiterbau ab. Die ersten Planungen für die A49 liegen bereits Jahrzehnte zurück. Gegner lehnen den Lückenschluss aus Klima- und Umweltschutzgründen ab, Befürworter erhoffen sich weniger Verkehrsbelastung in Dörfern der Region und eine bessere Anbindung für Pendler und Unternehmen. (dpa)

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