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Polizei meldet Rekordaufklärungsquote – Anstieg der Kriminalität im Vogelsbergkreis

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Region - So gut war die Aufklärungsquote in der Geschichte des Polizeipräsidiums Osthessen noch nie: 69,6 Prozent aller Straftaten konnten im Jahr 2019 aufgeklärt werden, wie Polizeipräsident Günther Voß bei der Vorstellung der Kriminalstatistik im Gebäude des Polizeipräsidiums in Fulda mitteilte.

Von unserem Redaktionsmitglied Bernd Götte

Die Aufklärungsquote, so Voß weiter, sei in den vergangenen vier Jahren um sieben Prozent angestiegen; damit könne sich das Polizeipräsidium Osthessen auch landesweit sehen lassen.

Die Zahl der Straftaten in den Landkreisen Fulda, Hersfeld-Rotenburg und Vogelsberg ist gegenüber dem Vorjahr lediglich um vier auf 18 055 gestiegen. Geschuldet ist dies allein der relativ stark angestiegenen Zahl der Delikte im Vogelsbergkreis, die um 315 gegenüber dem Vorjahr fast emporschnellte.

Sexualdelikte nehmen zu

Zugenommen hat besonders die Internetkriminalität, bei der es vom Betrug bis zum Hackerangriff eine Reihe von Deliktformen gibt, deren Zahl sich im Vogelsbergkreis nach Angaben von Kriminaldirektor Andreas Böhm nahezu verdoppelt habe. Böhm vertrat gemeinsam mit Kriminaldirektor Hans-Dieter Blum die Vogelsberger Dienststellen.

Drastisch zugenommen habe auch die Zahl der Sexualdelikte. Maßgeblich verantwortlich dafür sei, so Böhm, das verschicken pornografischer Schriften oder Bilder, zu denen auch einfach Nacktbilder von dritten Personen gehören würden. Dies sei ein Bereich, in dem auch Frauen relativ häufig straffällig würden, oft unabsichtlich, da sie sich über die Strafbarkeit des Verschickens solcher Inhalte gar nicht bewusst seien.

Vier Fälle des versuchten Totschlags und fahrlässiger Tötung

Mit 23 Prozent Anteil an den Straftätern ist der Anteil der weiblichen Kriminellen gegenüber 2018 um drei Prozent gestiegen. Böhm erklärt, dass auch bei Betrugsdelikten Frauen überdurchschnittlich oft verwickelt seien. Aber auch in den anderen Sparten der Sexualstraftaten wie sexueller Missbrauch, Kindesmissbrauch und Vergewaltigung, sind angestiegen.

Bei Straftaten gegen das Leben wurde in vier Fällen ermittelt, gegenüber nur einem im Jahr 2018. „Eine Leiche gab es aber eigentlich gar nicht“. Es habe sich mehrfach um versuchten Totschlag und versuchte fahrlässige Tötung gehandelt. Ermittlungen im Fall eines 73-jährigen Jägers, der tot unter seinem Hochsitz gefunden wurde, verliefen im Sande. Wie Böhm berichtete, hatten Angehörige des Toten einen Giftmord vermutet; dafür habe die medizinische Untersuchung aber keinen Hinweis gegeben.

Häusliche Gewalt Spitzenreiter bei den Körperverletzungen

Als den vielleicht aufsehenerregendsten Fahndungserfolg wertete Kriminaldirektor Hans-Dieter Blum die Aushebung eines Rauschgiftlagers in Schwabenrod. Drei Personen mit Verbindungen zum Rockermilieu seien als Zwischenhändler von Cannabis und Amphetaminen dingfest gemacht worden. Bei der Drogenkriminalitätsbekämpfung habe man sich im vergangenen Jahr auf die Händlerszene konzentriert. „Von der Freigabe von weichen Drogen halten wir überhaupt nichts, weil wir wissen, was für schlimme Verkehrsunfälle unter Drogeneinfluss geschehen können“, so Böhm.

Angestiegen von 492 in 2018 auf 504 in 2019 sei die Zahl der Körperverletzungen. Dabei spielten Prügeleien im öffentlichen Raum nur eine vergleichsweise geringe Rolle. Die meisten Körperverletzungen – rund 460 – gingen auf das Konto häuslicher Gewalt.

In der Region lebt man sicher

Bei den Eigentumsdelikten zeigten die Zahlen nach unten von den gemeldeten 1071 Fällen im Jahr 2018 auf 977 Fälle im Jahr 2019. Auch ist weniger eingebrochen worden. 40 Prozent der Einbruchversuche hatten die Täter vorzeitig abgebrochen, so Böhm. „Hier zeigt sich die gute Vorbeugung. Schon mit kleinen mechanischen Mitteln, die den Tätern ihr Handwerk erschweren, kann man sie zum aufgeben bringen“, berichtet Böhm.

Aktiver gewesen sind 2019 dagegen Fälscher und Betrüger; sie schlugen 827 Mal zu gegenüber 700 Mal im Jahr 2018. Raub wurde 20 Mal angezeigt. Im Schlitzerland war es 2019 vergleichsweise ruhig. Zwei Einbrüche und drei Autoaufbrüche meldete die Polizei. So konnte man einverstanden sein, wenn Voß wie auch Böhm und Blum sagten: „In der Region lebt man sicher“.

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