Einsatzkräfte der Polizei haben einen Aktivisten im Dannenröder Forst umstellt, der auf einem Raupenfahrzeug sitzt.
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Einsatzkräfte der Polizei haben einen Aktivisten umstellt, der auf einem Raupenfahrzeug sitzt.

Baustelle wird vorbereitet

Proteste gegen A49: Festnahmen im Dannenröder Forst - Beschädigte Autos in Gießen

Die Aktivisten im Dannenröder Forst halten die Polizei auf Trab. Zum Start von Vorbereitungen für den A49-Weiterbau blockieren sie erst eine Planierraupe - und später die Einsatzfahrzeuge der Beamten. Außerdem wurden in Gießen Autos mit Farbe beschmiert.

Update vom 22. September, 13.01 Uhr: Begleitet von Protesten von Aktivisten sind am Montag im Dannenröder Forst bei Homberg/Ohm Vorbereitungen für den Weiterbau der Autobahn 49 in Mittelhessen angelaufen. Dabei gab es auch Auseinandersetzungen mit der Polizei. Zum Ende des Einsatzes blockierten mehrere Aktivisten Polizeifahrzeuge und hinderten die Beamten so daran, wieder aus dem Wald abzuziehen, wie eine Polizeisprecherin sagte. Insgesamt habe es fünf vorläufige Festnahmen gegeben. In allen fünf Fällen würden Strafverfahren eingeleitet.

Aktivisten stehen mit einem Banner „Alle Wälder bleiben. Komm in den Danni!“ vor den Polizeikräften und einer besetzten Raupe.

Am Vormittag hatten drei Aktivisten eine Planierraupe besetzt. Die Beamten nahmen zunächst zwei von ihnen für die Identifizierung vorläufig fest, der dritte setzte sich auf das Dach des Fahrzeugs, so dass die Polizisten zunächst nicht an ihn herankamen, ohne ihn zu gefährden. Nach mehreren Stunden zogen Beamte ihn „unter Anwendung von einfacher körperlicher Gewalt“ vom Fahrzeugdach herunter, wie die Polizei mitteilte. Auch er wurde vorläufig festgenommen.

Fünf Aktivisten werden im Dannenröder Forst festgenommen - Appell von Lorenz Gösta Beutin (Linke)

Alle drei Aktivisten müssten mit einem Verfahren wegen Nötigung rechnen, erklärte die Polizei. Mehrere der Protestierenden blockierten zudem sitzend die Planierraupe. Eine weitere Person wurde nach Polizeiangaben festgenommen, weil sie ein Messer dabei hatte. Der fünften Person werde eine versuchte Gefangenenbefreiung und die Sachbeschädigung eines Einsatzfahrzeugs vorgeworfen.

Der klimapolitische Sprecher der Linken im Bundestag, Lorenz Gösta Beutin, appellierte am Montag an Polizei und die hessische Landesregierung, alles zu unternehmen, um eine Eskalation zu vermeiden. „Die Klimaaktivist*innen nehmen angesichts der voranschreitenden Klimakrise ihr Recht auf zivilen und friedlichen Ungehorsam wahr, der Autobahnbau ist klimapolitisch und verkehrspolitisch falsch“, so Beutin.

Unbekannte beschädigen Autos in Gießen - Fahrzeuge seien „zum Abfackeln freigegeben“

Unterdessen haben Unbekannte in der Nacht zum Dienstag in Gießen mehr als 70 Autos mit Farbe markiert. In einem im Internet veröffnetlichen Bekennerschreiben drohten die mutmaßlichen Täter damit, die Fahrzeuge anzuzünden, sollte mit der Rodung des Dannenröder Forstes begonnen werden. „Wir möchten die Räumung verhindern oder den Preis hochtreiben“, heißt es in dem Text auf der Plattform Indymedia.

In Gießen wurden Autos von Unbekannten beschädigt.

Wer hinter der Aktion steckt, war nach Angaben der Polizei zunächst unklar. Die Aktivisten nennen sich selbst „autonome Kleingruppe“ und rufen zur Solidarität mit den Waldbesetzern auf. Laut Polizei handelt es sich bei den mit einem rotem „X“ versehenen Autos um zumeist teure Fahrzeuge. Die Höhe des entstandenen Schadens konnten die Ermittler zunächst nicht beziffern.

Die beschmierten Autos seien „zum abfackeln freigegeben - genau wie die Bäume auf der Trasse der geplanten Autobahn A49 im Dannenröder Forst“, heißt es in dem Bekennerschreiben. „Es ergibt sich damit ein klarer Bezug der Sachbeschädigungen zu dem Weiterbau der A49“, sagte eine Sprecherin der Polizei.

Proteste gegen A49: Schlaflager gegen Waldrodung an Bundesstraße im Vogelsbergkreis

Update vom 14. September, 14 Uhr: Sowohl in der Nacht zum Sonntag als auch in der Nacht zum Montag haben sich Dutzende Aktivisten an der B62 Kirtorf versammelt. Die Teilnehmer der unangemeldeten Versammlungen protestierten gegen den Weiterbau der A49 und der damit verbundenen Waldrodung.

Erneut haben sich rund 40 Aktivisten an der Bundesstraße 62 bei Kirtorf im Vogelsbergkreis versammelt, um gegen den Weiterbau der A49 in Mittelhessen zu protestieren.

Wie die Polizei mitteilte, war zuvor eine Versammlung unter dem Motto „Schlafen gegen Schlafverbot“ von der Versammlungsbehörde des Vogelsbergkreises verboten worden. Den Protestierenden sei in der Nacht zum Montag nochmals die Rechtslage und das Verbot erläutert worden. Die Aktivisten hätten darauf zunächst nicht reagiert, die Polizei habe die Lage aber „kommunikativ“ lösen können, hieß es.

Auf einem Transparent im Dannenröder Forst ist das Zeichen für die A49 durchgestrichen.

Bis auf knapp ein Dutzend Menschen, die sich kurz darauf auf einer nahe gelegenen Wiese niedergelassen hätten, hätten sich alle weiteren Personen entfernt. Lediglich vereinzelt habe es Platzverweise gegeben, der Einsatz sei weitgehend störungsfrei verlaufen, hieß es.

Bereits in der Nacht zum Sonntag hatten Aktivisten mit einem Schlaflager ihren Protest gegen den Weiterbau der Autobahn untermauert. Dabei blockierten bis zu 60 Menschen mit Feldbetten und Zelten die Bundesstraße. Die Proteste richten sich gegen die Rodung eines Waldstücks bei Homberg (Ohm). Die Bäume im Dannenröder Forst sollen für den Bau der A49 fallen. Die Autobahn soll Kassel und Gießen miteinander verbinden. Der geplante Teilabschnitt führt von Stadtallendorf zum Ohmtal-Dreieck. 

Für Autobahn: Bäume im Dannenröder Forst sollen fallen - Aktivisten rufen zu Mahnwache auf

Erstmeldung vom 13. September, 13.42 Uhr:

Kirtorf/Dannenrod - Mit einem Schlaflager haben Aktivisten in der Nacht zum Sonntag ihren Protest gegen den Weiterbau der Autobahn 49 fortgesetzt. Bis zu 60 Menschen blockierten der Polizei zufolge nach Mitternacht mit Feldbetten und Zelten eine Bundesstraße bei Kirtorf im Vogelsbergkreis.

Später seien sie auf eine angrenzende Wiese ausgewichen. Dies sei mit den Behörden vereinbart gewesen. Für den Sonntag waren keine weiteren Aktionen angemeldet. Die Proteste richten sich gegen die Rodung eines Waldstücks bei Homberg (Ohm).

Die Bäume im Dannenröder Forst sollen für den Bau der A49 fallen. Die Autobahn soll Kassel und Gießen miteinander verbinden. Der geplante Teilabschnitt führt von Stadtallendorf zum Ohmtal-Dreieck.

Am Wochenende hatten Aktivisten zu mehreren Veranstaltungen und Mahnwachen gegen den Weiterbau der A49 aufgerufen. Sie waren mäßig besucht. Am Samstag kam einem Polizeisprecher zufolge schätzungsweise ein Dutzend Demonstranten zu einer Kundgebung in Homberg-Dannenrod im Vogelsbergkreis.

Eine Veranstaltung in Stadtallendorf-Schweinsberg (Kreis Marburg-Biedenkopf) sei kurzfristig abgesagt worden, da sich kaum Teilnehmer eingefunden hätten. Außerdem habe es am Samstag noch drei Mahnwachen gegeben, die ebenfalls nur von wenigen Menschen besucht worden seien. Schon am Freitag hatten Umwelt- und Klimaschützer in Wiesbaden protestiert. (dpa)

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