Mischak steht als neuer Erster Kreisbeigeordneter zur Wahl. / Foto: Walter Kreuzer

Der Region immer treu: CDU-Kreischef Mischak wird Vizelandrat und sagt Richterberuf und Stadtpolitik adé

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Lauterbach - „Es ist mein selbstgewähltes Schicksal“, sagt Dr. Jens Mischak mit Blick auf seine bevorstehende Wahl zum Vogelsberger Vizelandrat. Der CDU-Kreisvorsitzende verzichtet für den Wechsel in die Berufspolitik auf seine Unabhängigkeit als Richter am Landgericht und auf die Lauterbacher Stadtpolitik.

Von unserem Redaktionsmitglied Walter Kreuzer

Mit 37 Jahren steht Dr. Jens Mischak als Familienvater, Richter am Landgericht Fulda und Lauterbacher Kommunalpolitiker mitten im Leben – und hat genaue Vorstellungen davon, auf was er sich mit seiner Kandidatur für den Posten des Ersten Kreisbeigeordneten im Vogelsbergkreis einlässt. Zu Beginn seiner Karriere in der Union war das ganz anders: „Als ich zur Jungen Union kam, kannte ich einige Mitglieder aus der Schule. Erst später habe ich geschaut, für was die CDU eigentlich steht. Da habe ich gesehen, dass alles passt.“ Das Wertkonservative, das christliche Menschenbild, eine vom Einzelnen abgeleitete Politik oder ein klarer Wertekanon nennt er als Beispiele.

Sein Mandat als Stadtverordneter und insbesondere das Amt des Parlamentsvorstehers „lässt sich kaum mit meinem neuen Amt vereinbaren, da der Kreis die Aufsicht für die Stadt hat“, stellt der Jurist fest. „Das tut weh“, räumt er an. Schließlich wurde er schon als Abiturient 1997 erstmals gewählt und führte später zehn Jahre lang die Fraktion: „Ich durfte damals erstmals wählen und hatte Platz 17 auf der Liste. Als letzter Nachrücker für die Stadträte bin ich Stadtverordneter geworden.“

Selbst ein lukratives Angebot lockte ihn noch

Im Gegensatz zu vielen anderen gut ausgebildeten jungen Leuten seiner Generation hat Mischak seiner Heimatstadt stets die Treue gehalten – auch als ihm ein lukratives Angebot einer renommierten Wirtschaftskanzlei aus Frankfurt vorlag. Zuvor hatte er in Marburg Rechtswissenschaften studiert und war „am Tag meines ersten Staatsexamens von Professor Werner Frotscher gefragt worden, ob ich promovieren wolle“. Tage später hatte er ein Thema, das wohl nicht zufällig zumindest indirekt mit seinen künftigen Aufgaben zu tun hat: „Wahlprüfungen in Hessen – Anfechtung von Bürgermeister- und Kommunalwahlen“. Nebenbei arbeitete er in besagter Kanzlei in der Mainmetropole, deren Angebot lehnte er aber ab: „Ich hätte nach Frankfurt ziehen und hier die Zelte abbauen müssen. Dafür macht mir die Kommunalpolitik zu viel Spaß. Zudem ist die Tätigkeit in einer Großkanzlei zu theoretisch und mit zu wenig Kontakt mit dem Mandanten verbunden.“

Stattdessen bewarb er sich um eine Richterstelle, die er innerhalb von Wochen beim Amtsgericht Bad Hersfeld fand. „Es ist ein Traumberuf, weil man tatsächlich entscheiden kann. Das Interessante ist, dass man immer zwei Seiten hat. Meistens liegt die Wahrheit irgendwo mittendrin. Die eigentliche Leistung ist nicht unbedingt auf ein Urteil aus zu sein. Es geht vielmehr darum, zwei unvereinbar scheinende Seiten zusammenzubringen.“

Andere Fähigkeiten gefordert

Diese „befriedende Funktion eines Vergleichs haben wir in der Kommunalpolitik nicht immer. Aber auch hier muss man Kompromisse finden – zumal wenn man in einer Koalition ist.“

Statt als Richter – sowohl in der Straf- als auch in einer Zivilkammer – in „Ort und Zeit unabhängig“ zu sein, werden ihm künftig in der Leitung einer Behörde andere Fähigkeiten abverlangt. „Das ist kein Job, den man von 9 bis 17 Uhr macht. Das merke ich jetzt schon mit vielen Abendterminen. Es war nicht langweilig in den letzten Wochen“, berichtet Jens Mischak, der betont, dass nach der Kommunalwahl nicht alles automatisch auf seine neue Aufgabe hinausgelaufen sei: „Zunächst mussten wir sehen, wer in der CDU kommt dafür in Betracht; welche Dezernate lassen sich aushandeln und wie sieht es mit der Landratswahl aus. Aber irgendwann will man als Kreisvorsitzender auch aktiv mitwirken.“

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