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Repowering in Ulrichstein: Windräder mit mehr Effektivität

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Ulrichstein - Ulrichstein im Vogelsberg ist mit seinen 55 Windrädern quasi Hessens Windkrafthauptstadt. Nun werden einige Anlagen abgebaut – und wohl neue aufgebaut.

Von unserem Redaktionsmitglied Walter Kreuzer

Bürgermeister Edwin Schneider (58) nimmt es gelassen zur Kenntnis, dass die Förderung für 28 Anlagen zum Jahresende ausläuft. „Für die Altanlagen wäre es aus unserer Sicht am besten gewesen, wenn der Staat weiter 5 oder 6 Cent pro kw/h – also Kilowattstunde – zahlen würde. Dann würden wir sie weiter laufen lassen“, sagt der parteilose Bürgermeister.

In der Praxis bedeutet dies: Nach Auslaufen der staatlichen Förderung nach dem Erneuerbare Energiengesetz (EEG) werden im Stadtgebiet 28 Windräder abgebaut – 18 beim Stadtteil Helpershain und 10 beim Stadtteil Wohnfeld. Die Hälfte davon ist im Eigentum der Stadt Ulrichstein. Drei Windräder stehen bereits still, weil sich eine Reparatur angesichts der kurzen Restlaufzeit nicht lohnt. Überhaupt gibt es in dem 3000-Einwohner-Städtchen die unterschiedlichsten Eigentümermodelle. Die Energieversorger Hessenenergie und OVAG sind ebenso vertreten wie das Brachttaler Unternehmen Renertec und drei Bürgerwindparks. Letztere betreiben zwischen zwei und fünf Anlagen und haben mehrere Hundert Teilhaber aus Ulrichstein und Umgebung.

Eine Million Euro jährlich

Für den Stadtsäckel bedeutet dies jährliche Einnahmen in Höhe von gut einer Million Euro. „2018 haben wir mit unseren eigenen Anlagen im städtischen Eigenbetrieb einen Gewinn von 413.000 Euro erwirtschaftet. Die Summe schwankt, je nachdem wie stark der Wind weht. Wenn der Wetterdienst Starkwind prognostiziert, ist das gut“, sagt der im Freiensteinauer Ortsteil Ober-Moos lebende Schneider und fügt schmunzelnd an: „Auf dem Weg ins Büro habe ich schon einen Blick drauf, ob sich die Windräder drehen – jene bei Freiensteinau, dann die bei Hartmannshain und schließlich die bei Helpershain und Ulrichstein.“

Auf der Einnahmenseite schlagen zudem zwischen 300.000 und 400.000 Euro an Gewerbesteuern zu Buche. Hinzu kommen Pachteinnahmen – etwa 250.000 Euro. Ein Großteil davon entfällt auf zwei Anlagen der OVAG auf städtischem Boden. Schneider: „Der Vertrag mit einer Festpacht läuft 25 Jahre.“

Ulrichstein: Pionier der Windenergie

In den 1990er Jahren gehörte Ulrichstein mit dem damaligen Bürgermeister Erwin Horst zu den Pionieren der Windenergie. Entsprechend klein sind diese Windräder verglichen mit den modernen Anlagen. Letztere sind mit 240 Metern etwa vier Mal so hoch. Mit einer Nennleistung von 5,5 oder 5,6 Megawatt wird allerdings auch fast neun Mal so viel Strom produziert.

Das ist ein Grund, weshalb Schneider mit Blick auf die städtischen Finanzen angesichts der auslaufenden EEG-Förderung gelassen bleibt. Geplant sei, dass „bis zu acht neue Anlagen errichtet“ werden. Allerdings nicht durch die Stadt. Bei einem Investitionsvolumen von 7 bis 8 Millionen Euro pro Anlage wären die Kosten nicht zu stemmen. Das hängt auch damit zusammen, dass der erzeugte Strom am Markt verkauft werden muss und der Preis Schwankungen unterliegt. Derzeit ist er so niedrig, dass die alten reparaturanfälligen Windräder kaum noch wirtschaftlich hätten betrieben werden können.

Bürger können sich beteiligen

Stattdessen wird Hessenenergie investieren, einen städtebaulichen und einen Nutzungsvertrag gibt es bereits. Schneider: „Die Anlagen entstehen auf städtischem Eigentum. Stadt und Bürger können sich mit bis zu 25 Prozent an der Investition beteiligen. Wir werden das wohl machen, über die Größenordnung muss noch geredet werden.“ Unter dem Strich sollen die wegbrechenden Einnahmen in Höhe von 400.000 Euro „zum großen Teil durch die Beteiligung und Pachtentgelte kompensiert werden“. Dies sei auch deshalb möglich, weil die Nennleistung der neuen Windräder mit 44,8 Megawatt mehr als doppelt so hoch ist, wie die der wegfallenden Anlagen.

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