Lydia Pantzier (Fagott), Bettina Aust (Klarinette) und Robert Aust (Klavier) sind das Rheingold Trio. Foto: Günkel

Rheingold Trio gastierte in Hessens Landesmusikakademie – Gartensaal voll besetzt

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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SCHLITZ - Kammermusik mit Fagott, Klarinette und Klavier ist an sich schon nicht alltäglich – und erst recht nicht, wenn Musiker die klangfarblichen Möglichkeiten dieser Instrumente auszuschöpfen wissen.

Das Rheingold Trio gab auf diese Weise in Hessens Landesmusikakademie in Schlitz ein herausragendes Konzert. Lydia Pantzier (Fagott), Bettina Aust (Klarinette) und Robert Aust (Klavier) haben ihr Trio erst im vergangenen Jahr gegründet und sind hervorragend aufeinander eingespielt.

Mit dem Trio pathétique in d-moll für Klarinette, Fagott und Klavier eröffneten die drei Interpreten gemeinsam das Konzert. Gleich am Beginn des ersten Satzes zeigte sich die Art, wie die Musiker Steigerungen ebenso feinfühlig wie intensiv gestalten können. Als das Seitenthema (die zweite zentrale Melodie, die mit dem Hauptthema meist kontrastiert) an der Reihe war, war der musikalische Ausdruck der drei Musiker mit einem Schlag vollkommen entspannt – ohne dass die beiden Abschnitte auseinandergefallen wären.

Robert Aust, der am Klavier für das harmonische Fundament zuständig war, war unter anderem in seiner Dynamik ganz besonders flexibel. Beim Begleiten hielt er sich sehr zurück, so dass er eher dann aufgefallen wäre, wenn er plötzlich gefehlt hätte. Nur bei solistischen Passagen trat er deutlich hervor. Beide Pole seines Spiels ergaben ein Ganzes.

Indem sich Aust beim Begleiten mit der Lautstärke zurückhielt, gab er den Farbkontrasten zwischen Lydia Pantziers Fagott und Bettina Austs Klarinette jede Menge Raum. Pantzier ließ ihr Instrument meistens singen, gelegentlich aber auch knurren. Auch Bettina Aust ließ ihr Instrument singen. Ihr Ton war sehr voll und warm. Den Kontrast zwischen beiden Blasinstrumenten spielten die Musikerinnen geschickt aus. Zartes spielten sie richtig zart, Rauhes sehr rauh. Sie scheuten keine Extreme und verbanden zugleich alle Momente zu einem großen Ganzen.

Insbesondere im dritten Satz, einem Largo, hatten beide riesige Tonsprünge, lange Läufe und lange Noten. All das setzten sie höchst nachvollziehbar um und mit einer anregenden Lebendigkeit. Beide dosierten ihr Vibrato bestens, verwendeten manchmal gar keins und niemals zu viel.

Fagott und Klavier kamen bei der Sonate in G-Dur op. 168 von Camille Saint-Saëns im Duo zum Einsatz. Damit bestand die Möglichkeit, die Farbenpracht des Fagotts und von Pantziers Spiel darauf pur zu erleben. Umso mehr beeindruckte hier der singende und große Ton Pantziers. Der höchst melodische und recht ruhige erste Satz war berührend, der zweite frech und witzig. Nach einer Weile kam viel Spannung in den zweiten Satz, wobei den Musikern auch hier ein mitreißender Übergang gelang. Das zunächst ruhige Adagio schaukelt sich ebenfalls auf, wird sehr leidenschaftlich. Diese Leidenschaft löste sich später mit wenigen Klavierklängen auf, die Musik war wieder ganz entspannt. Sehr kurz und kräftig war der vierte Satz.

Diese Sonate stellt das Fagott in den Mittelpunkt, das Klavier hat zumeist eher eine begleitende Funktion. Robert Aust kam dem nach, indem er erneut lebendig, aber bei der Wahl der Lautstärken eher zurückhaltend spielte. Auch in dieser Duo-Besetzungen war das Zusammenspiel äußerst feinsinnig und mit viel Sinn für große Linien wie für kleine Details in der musikalischen Dramaturgie.

Das Solo für Bettina Aust bildeten die Phantasiestücke für Klarinette und Klavier op. 73 von Robert Schumann. Dieses Werk ist – im Gegensatz zur Fagott-Sonate von Saint-Saëns – eher auf einen Dialog zwischen Blasinstrument und Klavier angelegt, auch wenn die Klarinette letzten Endes doch dominiert.

Beim ersten Satz, "Zart und mit Ausdruck", spielten beide Musiker mit warmen und vollen Klängen, die meistens sehr luftig wirkten. "Lebhaft und leicht", den zweiten Satz, spielten sie über weite Teile sehr kräftig.

Hier hatten beide Instrumente einen eher hellen und knackigen Klang, was nicht heißt, das er kälter gewesen wäre als im Satz davor. Der dritte Satz, "Rasch und mit Feuer", war höchst knallig. An den richtigen Stellen fuhren die Musiker die Dynamik für kurze Zeit zurück – nicht sehr stark, aber so, dass das Knallige danach wieder wirkte. Extreme des Ausdrucks mieden Bettina Aust und Robert Aust ebenso wenig wie zuvor Robert Aust und Lydia Pantzier.

Auch Robert Aust hatte sein großes Solo. Er spielte Ludwig van Beethovens Klaviersonate G-Dur op. 79. Der Ausdruck des ersten Satzes war sehr verspielt, das Ganze hatte eine positive Stimmung und war sehr mitreißend. Der Pianist hatte einen sehr vollen Grundklang und erneut eine äußerst nuancenreiche Dynamik. Ab und zu kippt die Komposition nach Moll ab, wurde aber in Austs Interpretation niemals deprimierend.

Der zweite Satz wirkte melancholisch, verbreitete aber auch sehr viel Wärme. Im dritten Satz war diese ausgelassene Stimmung wieder da, allerdings mit trotzigen und leicht aggressiven Momenten durchsetzt. Die dadurch entstehenden Möglichkeiten zu Kontrasten nutzte Robert Aust voll und ganz aus.

Mit der Serenade in A-Dur op. 24 von Emil Hartmann spielten wieder alle drei Musiker. Im Original ist das Werk für Klarinette, Violoncello und Klavier – aber auch hier wirkten die Klangfarben von Klarinette und Fagott bestens zusammen. Im abschließenden Rondo kennt die Komposition keine Schranken mehr und spielt alles Mögliche an Leidenschaften durch – was das Trio wunderbar ungestüm und auf packende Weise abbildete.

Für den lang anhaltenden Beifall bedankten sich die Musiker mit einer grandiosen Zugabe: "Winter" von Astor Piazzolla. Auch diesem Stück kamen die Farbkombinationen dieses Trios zugute. Noch einmal war die ganze Ausdrucks- und Dynamik-Bandbreite der Musiker zu erleben. Neben der Musik war erfreulich, dass der Gartensaal der Landesmusikakademie beinahe überfüllt war.

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