Die Bauarbeiten für das neue Gelbbauchunken-Biotop haben begonnen.
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Die Bauarbeiten für das neue Gelbbauchunken-Biotop haben begonnen.

Biotop für naturgeschütztes Amphibium

Bauarbeiten haben begonnen: Gelbbauchunke soll in Rimbach wieder heimisch werden

  • Bernd Götte
    vonBernd Götte
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Die Gelbbauchunke ist wählerisch. Deswegen gibt sich Hessen Forst derzeit viel Mühe, ihr einen angenehmen Aufenthalt auf einer Wiese zwischen Queck und Rimbach zu schaffen. Dem naturgeschützten Amphibium wird ein Biotop bereitet.

Queck/Rimbach - Die Firma Bock hat im Auftrag von Hessen Forst damit begonnen, Tümpel auf einer Wiese zwischen Queck und Rimbach im Vogelsberg für Gelbbauchunken zu graben. Das Grundstück gehört Hessen Forst und soll auch demnächst wieder durch Beweidung bewirtschaftet werden. Denn Kühe stören Gelbbauchunken nicht, im Gegenteil, wie die beiden Projektplaner Gabriele und Harald Nicolay erklären.

Die natürliche Beweidung lässt auf der Wiese eine große Artenvielfalt zu, Insekten können sich dort gut entfalten, was wiederum für einen reich gedeckten Tisch bei den Gelbbauchunken sorgt. Und wehrhafte Highlandrinder, die die Wiese besiedeln, sollen wiederum allzu neugierige Besucher von den frisch angelegten Tümpeln abhalten.

Bauarbeiten in Rimbach haben begonnen - „Wir helfen der Natur auf die Sprünge“

„Wir helfen der Natur auf die Sprünge“, erläutert Baggerfahrer Ralf Bergmann das Projekt; er hat schon viele solche Renaturierungsmaßnahmen begleitet. Die Unken sollen es richtig nett haben. Neben einem größeren Tümpel, sozusagen das Wohnzimmer, wo sie sich die meiste Zeit aufhalten, soll es etwa acht kleinere Tümpel geben, die sozusagen als Schlaf- und Kinderzimmer der Fortpflanzung dienen sollen.

Jörg Althoff vom federführenden Forstamt Burghaun sagt: „Es geht darum, die Gelbbauchunke wieder zurückzuholen“. Der hübsche Lurch sei nämlich in weiten Teilen Deutschlands ausgestorben, auch weil es die von ihm bevorzugten Biotope, kleine stehende Gewässer, nur noch selten gebe. Auf der anderen Seite hat sich die findige Unke zu einem Kulturfolger entwickelt und Lebensräume gefunden, die man nicht vermutet. (Lesen Sie hier: 160.000 Fichtenstämme ziehen um - Holzlagerplatz von Hessen-Forst bei Hattenhof wird geräumt)

Rimbach: Gelbbauchunke soll wieder heimisch werden - Bauarbeiten haben begonnen

Wie Harald Nicolay, der aus Hann.- Münden kommt, erklärt, befinde sich das größte Vorkommen der Gelbbauchunken in Hessen derzeit vermutlich auf der Erddeponie in Kalbach/Rhön. Von dort sollen auch einige der Unken kommen, die bei Queck eine neue Heimat finden sollen. Weitere Unken sollen aus Fürstenhagen im Werra-Meißner-Kreis kommen. Das Geschlechterverhältnis soll 40 Männchen und 20 Weibchen betragen. Harald Nicolay erklärt, dass Männchen nämlich bei den Unken die wesentlich mobileren und sich exponierenden Tiere seien und somit auch eher mal einem Fressfeind zum Opfer fallen oder anderweitig zu Tode kämen.

Nur fünf Zentimeter groß werden die hübsch anzusehenden Gelbbauchunken.

Fressfeinde sind so eine Sache bei Unken. Durch ein Rückensekret können sie sich vor den einheimischen „Amphibienfreunden“ wie Störchen zumeist gut schützen, aber wie Förster Althoff weiß, sind gerade Waschbären eine besondere Gefahr für Unken, den diese hätten gelernt, die Beutetiere sozusagen zu schälen und nur ihr Inneres zu fressen. Deswegen sähe Althoff Waschbären ungern in der Gegend des Biotops, anders als eine andere Feindin der Gelbbauchunke, die Ringelnatter, die Unken ebenfalls auf ihren Speiseplan hat. „Die gehören einfach dazu“, erläutert Gabriele Nicolay.

Wichtig ist den Fachleuten, dass die Gelbbauchunke nur als Leitart für das neu geschaffene Biotop gesehen wird. Durch einige Steinhaufen, die rund um die Kleingewässer aufgeschichtet werden, soll auch seltenen Wiesenvögeln ein Aufenthalt geschaffen werden.

Jörg Althoff: Es geht darum, die Gelbbauchunke wieder zurückzuholen

„Integrierter Artenschutz“ nennt dies Althoff. So hoffe man darauf, dass auch die seltene Zwergschnepfe und die Bekassine sich auf der Wiese ansiedeln könnten. Wichtig sei auch, dass die Wiese nicht nur als Naturreservat, sondern auch als Nutzfläche für die Aufzucht von Schlachtvieh, besagten Highland-Rindern, genutzt werde. Gefördert wird das Projekt vom Regierungspräsidium Gießen durch Landesmittel mit rund 2000 Euro.

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