Knieende Demonstranten in Schlitz
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Um dem Anliegen „Gerechtigkeit und Gleichberechtigung zwischen Menschen aller Hautfarbe“ auch sichtbar Ausdruck zu geben, knieten die Demonstrantinnen und Demonstranten für 8 Minuten und 46 Sekunden, die Zeit des Todeskampfes von George Floyd, auf dem Marktplatz nieder.

Gerechtigkeit und Gleichberechtigung

Schlitz: Anti-Rassismus-Demonstration der Bunten Liste Schlitzerland

Ausgelöst durch den Tod des Afroamerikaners George Floyd geht seit einigen Wochen eine Protestwelle gegen Rassismus durch die Welt, die sich am Samstagnachmittag auch in Schlitz bemerkbar machte. 

Von Jürgen Marxsen

Schlitz - Nach einem Aufruf der Bunten Liste Schlitzerland (BLS) zogen etwa 35 Schlitzer Demonstrantinnen und Demonstranten durch die Innenstadt zum Marktplatz.

Treffpunkt für die Demonstration war die Friedenseiche in der Bahnhofstraße. Dort startete der Organisator Dr. Klaus Dieter Koch die Veranstaltung mit einer kurzen Ansprache, in der er betonte, dass man gerade in Schlitz gegenüber diesem Thema besonders sensibel sein sollte.

Unter Beachtung der Corona-bedingten Abstandsregeln bewegte sich der Demonstrationszug durch Bahnhofstraße und Ringmauer hinauf zum Marktplatz. Schlitz ist auch zwischen den Trachtenfesten international und setzt sich für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung zwischen Menschen aller Hautfarbe ein, so die Botschaft.

Alle zwei Jahre feiere man hier das Heimat- und Trachtenfest, bei dem Menschen aller Hautfarben ohne rassistische Vorbehalte zusammen tanzten und fröhlich seien. Nach einem Lied des Liedermachers Broder Braumüller aus Lauterbach, das an die Rassenunruhen in den USA in den 60er Jahren erinnerte, machte sich der Demonstrationszug auf den Weg.

Schlitzer Demonstranten setzen Hygiene- und Abstandsregeln vorbildlich um

Es ging die Bahnhofstraße entlang, dann die Ringmauer hinauf in den Burgenring zum Marktplatz, eskortiert wie bei solchen Veranstaltungen üblich jeweils vorn und am Ende des Zuges von Fahrzeugen der Polizei. „Black lives matter“, diesen Symbolsatz der zunächst amerikanischen und dann internationalen Protestbewegung als Signal der Solidarität mit den Opfern von Rassismus konnte man in vielfältiger Weise auch in den Reihen des Schlitzer Demonstrationszuges sehen.

Die Veranstalter hatten in ihrem Aufruf gebeten, auf jeden Fall die durch die Corona-Pandemie bedingten Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten und auch möglichst Nasen-Mund-Schutz zu tragen. Und sie konnten sich freuen, dass – anders als bei vielen anderen Demonstrationen der letzten Wochen - dieses Verhalten durchgehend vorbildlich umgesetzt wurde, bis einschließlich zur kurzen Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz.

Schlitz: Knieende Demonstranten erinnern an George Floyds Todeskampf

Dort versammelten sich die Demonstrantinnen und Demonstranten in einem großen Kreis und Klaus Dieter Koch, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der BLS, erinnerte in einer weiteren kurzen Rede daran, dass die Demonstration zeigen sollte, dass Schlitz auch zwischen den Trachtenfesten international sei und sich für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung zwischen Menschen aller Hautfarbe einsetze.

Broder Braumüller stimmte zum Schluss der Demonstration auf dem Schlitzer Marktplatz das Lied „We shall overcome“ an, den berühmten und eingängigen Song der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, der weltweite Verbreitung fand.

Um diesem Anliegen auch sichtbar Ausdruck zu geben, knieten die Demonstrantinnen und Demonstranten für 8 Minuten und 46 Sekunden, die Zeit des Todeskampfes von George Floyd, nieder. Eine symbolische Geste, die sich schnell weltweit verbreitet hat, und die jetzt auch auf dem Schlitzer Marktplatz, der alle zwei Jahre Mittelpunkt eines fröhlichen internationalen Festes ohne rassistische Vorbehalte ist, angekommen ist.

Bevor die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demonstration, eines für Schlitz ungewöhnlichen Ereignisses, nach Hause gingen, stimmte Broder Braumüller noch das Lied „We shall overcome“ an, das über 100 Jahre alte Protestlied amerikanischer Arbeiterinnen und Arbeiter, bevor es zum Schlüsselsong der US-Bürgerrechtsbewegung wurde und weltweite Verbreitung fand.

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