Auerochsen in ihrem Winterquartier in Schlitz.
+
Was guckst Du, scheint dieser Kaventsmann zu fragen.

In der Rhön gezüchtet

Ein tierischer Anblick: Auerochsen haben in Hartershausen ihr Winterquartier

  • Bernd Götte
    vonBernd Götte
    schließen

Für Freunde urtümlicher Rinder bietet sich im Winter oberhalb von Hartershausen eine Attraktion. Dort grasen auf den Wiesen der Landwirtsfamilie Obenhack zwölf Auerochsen. 

Schlitz - „Sie sind etwas kleiner als Elefanten, sehr stark und behende und schonen weder Menschen noch Tiere, die ihnen zu Gesicht kommen“, fabulierte einst der römische Feldherr Julius Caesar über die Auerochsen. Und tatsächlich hatten die Wildrinder ausweislich von Skelettfunden eine Risthöhe von bis zu zwei Metern. Dagegen nehmen sich die Hartershäuser Auerochsen geradezu niedlich aus, und besonders wild und aggressiv wirken sie auch nicht. In das Fuldadorf gekommen sind die Tiere durch den Verein „Lebenskühe“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, verwahrloste oder auch herrenlose Rinder zu retten.

Letzteres trifft auf die zwölf Hartershausener Exemplare zu. Die Vorsitzende des Vereins, Julya Dünzl, berichtet, dass die Tiere eigentlich aus der Rhön stammten. Der legendäre „Yakwilli“, Willi Schmidt, hatte die Rinder in Seiferts, einem Ortsteil von Ehrenberg, gezüchtet, und damit das Werk der Gebrüder Heinz und Lutz Heck weitergeführt, die, beide in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Zoodirektoren in Berlin sowie München waren. Die Brüder versuchten durch Rückzüchtungen, den vermutlich seit 1627 ausgestorbenen Auerochsen wieder zum Leben zu erwecken.

Winterquartier in Schlitz: Auerochsen werden auch Heckrinder genannt

Deswegen werden moderne Auerochsen auch Heckrinder genannt, wie Dünzl findet, eine angemessenere Bezeichnung. Denn genetisch haben die modernen Auerochsen mit ihren Namensvettern aus altgermanischen Wäldern nichts zu tun. Deswegen nennt man diese Züchtung auch eine Abbildzüchtung, die zwar die äußeren Merkmale der ausgestorbenen Tiere aufzeigt, aber eben wenig Verwandtschaft.

Vielleicht sind auch deshalb die Auerochsen so friedlich. In Hartershausen haben sie ihr Winterquartier. Der Verein „Lebenskühe“ hat die Tiere dann von Willi Schmidt geerbt, der dies kurz vor seinem Tod verfügt hatte. Yakwilli hat seinen Auerochsen übrigens allen hebräische Namen gegeben. So heißt der „Chef“ der Herde Salomon. Dünzl vermutet, dass der Züchter sich damit von den Nationalsozialisten abgrenzen wollte, denn die Nachzucht der Auerochsen war eines der Hobbys des Nazibonzen Hermann Göring.

Lesen Sie hier: Exoten in Schlitz-Willofs: Als tierische Allzweckwaffen arbeiten Alpakas hier gegen den Stress

Im Sommer kommt die Herde wieder in die Rhön

Auf der Wiese der Obenhacks geht es den Tieren jedenfalls gut. Ein kleiner Bachlauf sorgt für Frischwasser, auf der vier Hektar großen Weide und außerdem werden sie dort auch gut versorgt, wie Matthias Obenhack berichtet. Die Pensionstierhaltung bekommt er vergütet. Im Sommer soll die Herde allerdings wieder in die Rhön, denn Auerochsen seien ideal für die Landschaftspflege, erklärt Dünzl. Und diese Eigenschaft ist im Biosphärenreservat sehr gefragt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema