Alexander Altstadt, Bürgermeister der Stadt Schlitz, spricht über seinen Gesundheitszustand nach einem Schlaganfall im September 2019.
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Alexander Altstadt, Bürgermeister der Stadt Schlitz, spricht über seinen Gesundheitszustand nach einem Schlaganfall im September 2019.

Nach Schlaganfall 2019

„Deutliche Verbesserungen“: Schlitzer Bürgermeister Alexander Altstadt spricht über seinen Gesundheitszustand

  • Bernd Götte
    vonBernd Götte
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Sprechen ist für den Schlitzer Bürgermeister Alexander Altstadt immer noch eine große Hürde. Er hat Wortfindungsstörungen, und auch die Grammatik sitzt nach seinem Schlaganfall im September 2019 nicht immer richtig. Vermutlich auch deswegen hat er es bevorzugt, dieses Interview per Mail zu führen. 

Herr Altstadt, während der jüngsten Stadtverordnetenversammlung wurden mangelnde Informationen über Ihren derzeitigen Gesundheitszustand diskutiert. Hätten Sie entsprechende Fragen auch persönlich beantwortet, wenn Sie aus den Reihen der Stadtverordnetenversammlung an sie gerichtet worden wären?
Ich habe die Diskussion sehr aufmerksam verfolgt und deutlich registriert, von wem sie vom Zaun gebrochen wurde. Vor Kurzem hatte der Magistrat eine Pressemeldung veröffentlicht, die sich mit meinem Gesundheitszustand befasste. Das hätte den politisch Tätigen eigentlich genügen können. Deshalb fällt es mir schwer, die jüngsten Anfragen in der Stadtverordnetenversammlung mit Informationsbedarf oder gar Sorge über meinen Gesundheitszustand zu verstehen.
Für mich ist Fairness ein besonders hohes Gut in der politischen Gremienarbeit. Ich habe dies immer so gelebt und werde dies auch weiter so handhaben. Der Versuch, meine Erkrankung für politische Zwecke zu instrumentalisieren, ist für mich definitiv kein Zeichen politischer Fairness. Ich habe allerdings großes Verständnis dafür, dass viele Bürgerinnen und Bürger in Schlitz und Schlitzerland sowie viele meiner Wählerinnen und Wähler wissen wollen, wie es weitergeht. Deshalb habe ich mich letztendlich entschlossen, Herr Götte, Ihre Interviewanfrage zu beantworten.
Wie genau würden Sie Ihr derzeitiges Krankheitsbild beschreiben?
Zunächst leide ich nicht an einer Krankheit, sondern an den Folgen eines Schlaganfalls, durch den mein Sprachzentrum beeinträchtigt wurde. Konkret zeigt sich dies in einer Sprachstörung. Erfreulicherweise sind derartige Sprachstörungen reversibel, was dazu führt, dass sich dank intensiver logopädischer Unterstützung deutliche Verbesserungen eingestellt haben.

Bürgermeister Alexander Altstadt: Arbeit für die Stadt Schlitz ist eine Herzensangelegenheit

Sie zeigen sich relativ häufig in der Öffentlichkeit, was Raum für Spekulationen lässt. Warum tun Sie dies?
Ich bin nach wie vor da und ich bin Bürgermeister. Meine Arbeit für die Stadt Schlitz ist eine Herzensangelegenheit und ich habe – sobald es meine Genesung zugelassen hat – die Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern und dem Rathaus gesucht. So bin ich zwei- bis dreimal in der Woche in der Stadtverwaltung, um über anstehende Vorgänge informiert zu sein und mich über alle wichtigen Themen mit dem ersten Stadtrat Willy Kreuzer, für dessen außerordentliches Engagement ich mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanken möchte, abzustimmen. Ich nehme zudem an den Fraktionssitzungen und an Ortsbesichtigungen teil, damit ich so schnell wie möglich meine Arbeit als Bürgermeister wieder in vollem Umfang aufnehmen kann und zu diesem Zeitpunkt über alle Entwicklungen informiert bin.
Wie sieht Ihre Rückkehrperspektive in das Bürgermeisteramt aus?
Ich werde am 12. April eine zweimonatige Rehabilitationsmaßnahme in der Uniklinik in Aachen antreten. Dank der hervorragenden Leistungen der behandelnden Ärzte in der Vergangenheit und der bisher bereits eingetretenen Fortschritte ist davon auszugehen, dass ich nach dieser Rehabilitationsmaßnahme meine Arbeit als Bürgermeister weiterführen kann.

Alexander Altstadt will im Sommer Arbeit als Bürgermeister wieder voll aufnehmen

Gibt es einen Plan B, falls Ihre Genesung doch nicht in angemessener Zeit gelingen sollte?
Ich habe volles Vertrauen in die Aussagen meiner behandelnden Ärzte und die eingetretenen Fortschritte. Ich bedanke mich insofern bei allen, die zu meiner bisherigen Genesung beigetragen haben. Wenn wir uns in den politischen Gremien mit Respekt und Verständnis begegnen, werden wir die Geschicke der Stadt Schlitz auch für die Zukunft meistern.
Natürlich aber hat mich dieser Vorfall auch ein Stück weit geprägt und nachdenklich gemacht. Insofern ist es mir auch ein Anliegen, die Erfahrungen, die ich als Mensch machen musste, der völlig überraschend von einem Gesundheitsschlag betroffen wird, in die politische Arbeit einzubringen und für gemeinsames Verständnis in der Zusammenarbeit und dem gemeinsamen Leben von Menschen mit und ohne Handicap zu werben.
Unser Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sitzt im Rollstuhl und macht einen tollen Job. Ein Handicap ist ebenso eine Herausforderung wie die Überwindung von Vorbehalten gegenüber Menschen mit einem Handicap. Herausforderungen habe ich mich in meinem Leben stets gestellt und werde dies auch weiter tun. Persönlich freue ich mich auf meine Rückkehr ins Rathaus und verbinde dies bereits jetzt mit meinem Dank für die vielen Menschen, die mich und unsere Stadt Schlitz in dieser Zeit mit so herausragendem Einsatz unterstützt haben.

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