Gruppenfoto nach der Ernennung Lars Ruppels (mit Urkunde) zum Botschafter. / Foto: Günkel

In Schlitz ernannt: Poetry-Slammer Lars Ruppel ist neuer Botschafter Mittelhessens

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlitz - Der Dichter und Poetry-Slammer Lars Ruppel ist neuer Botschafter der Region Mittelhessen. Seine Ernennung erfolgte bei der zweiten Veranstaltung mit dem Titel „Kultur trifft Kulturbotschafter“, die der Verein Mittelhessen im großen Saal der hessischen Landesmusikakademie in Schlitz veranstaltete.

Von unserem Mitarbeiter Martin G. Günkel Ruppel ist der dritte Botschafter. 2014 wurde der Autor, Kabarettist und Musiker Dietrich Faber ernannt, 2015 der Schauspieler Edgar M. Böhlke. Alle drei gestalteten das überaus unterhaltsames und gelungene Programm der Veranstaltung. Marco Kesslers Imagefilm für Mittelhessen ist mit einem Gedicht Lars Ruppels unterlegt, das der Dichter auch selbst eingelesen hat. Auf Youtube und Facebook wurde der Film ungefähr 170000 Mal angesehen und rund 1300 geteilt.

Wie der Geschäftsführer des Regionalmanagements Mittelhessen, Jens Ihle, in einer kurzen Laudatio unterstrich, geht der Imagefilm im Mai in Wien um die goldene Victoria ins Rennen. Das ist ein internationaler Wirtschaftsfilmpreis. Mit im Wettbewerb ist der Eröffnungsfilm des Eurovision Song Contest (ESC). Die silberne Victoria ist dem Mittelhessen-Film jetzt schon sicher. „Lars Ruppel ist ein echter Mittelhesse“, so Jens Ihle. „In Gambach geboren, in Butzbach zur Schule gegangen und einige Jahre in Marburg gelebt – dann hat es ihn in die Provinz nach Berlin verschlagen.“

Lang war die Liste von Ruppels Tätigkeiten, die Ihle nannte: Er ist Vollzeit-Poetry-Slammer, hält Vorträge und organisiert Workshops für Poetry Slam, produziert Podcasts fürs Radio, veröffentlicht Bücher, moderiert und organisiert Poetry Slams sowie Meisterschaften und Festivals. „Und mit seinem Projekt ‘Weckruf’ schafft er durch Poesie einen emotionalen Zugang zu Demenzkranken“, so Ihle. „Am Ende viele gute Gründe, warum Lars Ruppel ein Botschafter der Region Mittelhessen sein sollte.“

Bewusster mit Worten umgehen

Ihle berichtete, er habe vor einem Jahr gemeinsam mit seiner zehnjährigen Tochter seinen ersten Poetry Slam besucht und „live erlebt, wie einfühlsam, humorvoll und leidenschaftlich Lars Ruppel für sein Genre steht“. Nicht nur er selbst sei beeindruckt gewesen, so Ihle weiter. „Am nächsten Tag hat meine Tochter erste lyrische Versuche unternommen und erzählt noch heute gerne von diesem Erlebnis. Wenn wir in Mittelhessen Menschen treffen, die ebenfalls bei einem Ruppel-Slam dabei waren, fangen die Augen an zu leuchten.“

Auch der Vorsitzende des Vereins Mittelhessen, der frühere Gießener Regierungspräsident Lars Witteck, gratulierte – und meinte scherzhaft: „Wir brauchen jemanden, der den Berlinern erklärt, dass Niveau nichts mit Handcreme zu tun hat.“ Lars Ruppel bedankte sich sehr herzlich für die Ernennung.

Unter den Gästen befanden sich unter anderem Regierungspräsident Christoph Ullrich, Landrat Manfred Görig sowie die Bürgermeister Olaf Dahlmann (Wartenberg) und Matthias Weitzel (Mücke). Witteck wies am Beginn der Veranstaltung auf die bekannten Gäste hin und betonte, dass „trotzdem meins das einzige Grußwort bleiben wird“. Witteck erläuterte: „Wir sind ein Verein, der zum mittelhessischen Dialog beitragen möchte.“

In seinem Teil des Bühnenprogramms befasste sich Lars Ruppel unter anderem mit Redensarten. Es gelte, bewusster mit Worten umzugehen – nicht nur bei Beschreibungen Mittelhessens. Mit der Frage, woher bestimmte Redensarten kommen, setzt sich Ruppel gerne scherzhaft auseinander. „Keiner kennt die Familie Hempel. Aber jeder behauptet, bei ihr unterm Sofa sei es nicht aufgeräumt.“

Redensarten ein Gesicht geben

Ruppel hat Gedichte gemacht, um diesen Redensarten wenigstens ein fiktives Gesicht zu geben. Eine Kostprobe bot er in Schlitz mit seinem Gedicht über den „alten Schweden“. Der ist in Ruppels Geschichte ein alter Mann, der von einer Fee dazu verdammt wurde, billige, qualitativ schlechte Möbel zu bauen. Ein Fluch, der sich in Kinderzimmern in aller Welt auswirke, so Ruppels Gedicht. Ruppel moderierte außerdem kurzweilig den Abend.

Edgar M. Böhlke las Schauriges, hauptsächlich aus der Feder mittelhessischer Autoren. Eines der Bücher, die er ausgewählt hatte, war Karl Brodhäckers „Wilderer in Oberhessen“. Wilddiebe galten demnach nicht überall als Verbrecher, sondern als Menschen, die sich nahmen, was nicht nur Landesherren gehören sollte.

Gleichzeitig wurde ihnen unter anderem nachgesagt, geheimnisvolle Kräfte zu haben. Wie Böhlke diese und andere Geschichten mit Leben erfüllte, wie er die Faszination des Gruseligen spürbar machte – das war schlichtweg großartig. Auch Dietrich Faber begeisterte. Er spielte seine Romanfiguren Henning Bröhmann und Manni Kreutzer. In der zweiten Rolle sang er auch Country-Songs, unterstützt von Slide-Gitarrist Django Bonanza. Ob mit Wortwitz, mit Schauspiel und Stimmenimitationen oder mit Melodien – der Multimedialist Faber überzeugte auf allen Ebenen.

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