Skeptisch, aber mutig blickt Horst Muhl vom Braustübchen in die Zukunft.
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Skeptisch, aber mutig blickt Horst Muhl vom Braustübchen in die Zukunft.

Schließung der Gaststätten

Schlitzer Gastronomen kommentieren Corona-Lockdown - „Eine Branche badet es aus“

  • Bernd Götte
    vonBernd Götte
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Die Schließung der Gaststätten zum 2. November im Rahmen des zweiten Corona-Lockdowns traf die Schlitzerländer Wirte plötzlich, aber nicht unerwartet. Nun blicken sie eher kämpferisch auf einen ungewissen Monat.

Schlitz - Heinz Riepl vom Landgasthof Porta in Pfordt ist verärgert. Er hat ein Hygienekonzept erstellt und einen Raumlüfter angeschafft und hat nun das Gefühl, dass sich diese Investitionen nicht gelohnt haben. „Ich habe im Moment noch keinen Plan. Ich denke aber, es geht weiter“, sagt er.

Trotzdem sieht er nicht nur den Bestand des über hundertjährigen Gasthofes bedroht, sondern eine ganze Branche in Gefahr: „Da geht es um gewachsene Strukturen“. Er erinnert daran, dass zu allen Krisenzeiten die Porta eine feste Anlaufstelle für die Menschen im Schlitzerland war. Der gewachsenen Gaststättenkultur in den Orten mit den Wirtschaften als sozialen Anlaufpunkten drohe das Aus.

Die Schlitzer Gastronomen kommentieren den Corona-Lockdown: „Eine Branche badet es aus“

Momentan werden noch Gänsebraten und Wildgerichte auf der Tafel vor dem Gasthaus angepriesen. Das Jahresende sei für Speisegastronomie die wichtigste Zeit im Jahr. 150 Gänseessen seien schon abgesagt worden, der Vorratskeller sei voll. Jetzt muss Riepl überlegen, was er noch einfrieren kann und welche Lebensmittel er im schlimmsten Fall vernichten muss. Er glaubt auch nicht, dass dieser Verlust bei einer Öffnung im Dezember in diesem Jahr noch aufzuholen sei, weil die Leute schon recht eingeschüchtert seien.

„Das sind Schäden, die selbst meine Kinder nicht mehr bezahlen können“, sagt Riepl auch mit Blick auf die hohen Hilfen, die derzeit von Regierungsseite kommen. Allerdings seien die zuständigen Stellen mit der Auszahlung säumig. Schon im März habe Riepl Corona-Hilfen beantragt, die dann aber erst im Juli ausgezahlt worden seien. Er zweifelt, dass dies bei den jetzt angekündigten Unterstützungszahlungen von 75 Prozent des Umsatzes vom vergangenen November anders sein werde. Sorgen macht sich Riepl auch um sein Personal; gute Leute würden sich woanders bewerben und kämen dann auch oft nicht wieder. „Es fällt mir schwer, meinen Lehrling zu motivieren“, erklärt Riepl. Schlimm sei es, dass die Corona-Krise von einer einzigen Branche ausgebadet werde.

„Aus der normalen Gastronomie oder der Hotellerie sind doch kaum Fälle von Ansteckungen bekannt“

Auf die Hilfen vom Staat spekuliert derweil der Wirt des Braustübchens, Horst Muhl. Auch er rechnet mit starken Verlusten, kann sich aber vorstellen, diese durch den angekündigten Geldfluss ausgleichen zu können. Solange dies noch nicht klar ist, will er außer Haus liefern. Dies habe auch schon beim ersten Lockdown recht gut funktioniert. Er kann sich aber auch vorstellen, wenigstens zwei Wochen ganz zuzumachen. Wenn man einen ganzen Monat von der Bildfläche verschwinde, werfe dies bei Gästen Fragen auf.

Auch er hat sich ein Hygienekonzept überlegt, die Zahl der Plätze von 58 auf 40 reduziert und war angesichts des nicht so schlechten Geschäfts im Sommer guter Dinge, das Jahr ohne allzu große Blessuren zu überstehen. Zudem habe er bemerkt, dass die Busgruppen und die Gäste aus der Landesmusikakademie ausgeblieben sind, aber insgesamt sei es bisher kein ganz schlechtes Jahr gewesen. Jetzt sei eine zaghafte Verbesserung zu spüren gewesen. Die ersten Stammtische hätten sich wieder im Braustübchen eingefunden. Aber besonders ältere Gäste, für das Braustübchen eine wichtige Zielgruppe, würden zögern. Auch Muhl wundert sich, dass jetzt die Wirte die Hauptlast des Lockdowns zu tragen hätten. „Aus der normalen Gastronomie oder der Hotellerie sind doch kaum Fälle von Ansteckungen bekannt.“

„Wir machen Außer-Haus-Verkauf“, berichtet Alfredo Rossano von der Pizzeria „La Gondola”. Dies habe sich schon beim ersten Lockdown bewährt. Die Kunden standen treu zu dem Italiener. „Wir haben keine Unterstützung gebraucht, wir haben gearbeitet“, erklärt Rossano nicht ohne Stolz. Auch andere Gaststätten kamen über Auslieferung und Abholung von Speisen gut über die Runden.

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