Die Erziehungswissenschaftlerin Beate Lüders gab eine Prognose für die Entwicklung des Bedarfs an Kindergartenplätzen in Schlitz an.
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Die Erziehungswissenschaftlerin Beate Lüders gab eine Prognose für die Entwicklung des Bedarfs an Kindergartenplätzen in Schlitz an.

Bedarfsanalyse vorgestellt

Verwaltung sieht „akuten Handlungsbedarf“: Im Schlitzerland fehlen Kinderbetreuungsplätze

  • Bernd Götte
    vonBernd Götte
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Die Kindergartensituation in Schlitz betrachtenen die Mitglieder des Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschusses, des Kulturausschusses und interessierte Gäste am Dienstagabend aus auswärtiger Perspektive. Die Erziehungswissenschaftlerin Beate Lüder gab, nachdem sie die Zahlen eingehend studiert hatte, Prognosen für die künftige Entwicklung ab. 

Schlitz - Grundsätzlich fehlten im Schlitzerland Kinderbetreuungsplätze, und zwar im Bereich der unter Dreijährigen. Lüders, ehemalige Fachdienstleiterin bei der Stadt Butzbach, hatte sich die Geburtenentwicklung im Schlitzerland angesehen und daraus eine Prognose für den künftigen Bedarf an Kindergartenplätzen entwickelt. „Der Platzbedarf im U3-Bereich steigt, während der im Ü3-Bereich sinkt“, sagte Lüders.

Sie unterlegte dies mit Zahlen: In diesem Jahr fehlten vier Plätze im U3-, aber 32 Plätze im Ü3-Bereich. Im kommenden Jahr würden schon zehn Plätze für U3 und 30 Plätze für Ü3 fehlen. Ab dem Jahr 2022/23 könnte laut der Vorausschau eine Trendwende einsetzen. Dann fehlten im U3-Bereich schon 22 Plätze, während im Ü3-Bereich nur 15 Kinder statistisch nicht betreut werden könnten. 2023/24 würden dann sogar fünf Plätze in den Ü3-Einrichtungen überzählig sein, während in den U3-Einrichtungen 25 Plätze fehlten.

Kindergartenplätze im Schlitzerland fehlen vor allem im Bereich der unter Dreijährigen

Dabei sei Lüders auch aufgefallen, dass es in Schlitz in jedem Jahrgang relativ viele Eltern gebe, die ihren Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz nicht geltend machten. Derzeit seien 98 Prozent der Kinder über drei Jahre mit einem Kindergartenplatz versorgt, aber nur 38 Prozent der unter Dreijährigen. Lüders schloss aber aus ihren Erfahrungen aus Butzbach, dass sich der Bedarf nach Betreuung für die kleineren Kinder in den nächsten Jahren bis auf 80 Prozent erhöhen könne.

Eine schlecht kalkulierbare Größe sei der zu erwartende Zuzug von Neubürgern nach Schlitz, erklärte Lüders, aber darunter seien „die, die es mit der Bedarfsplanung einzufangen gilt“.

Auf jeden Fall sollte über zusätzliche Möglichkeiten für die U3-Betreuung nachgedacht werden. Diese könnte in einer Bestandsimmobilie, aber auch in einem Neubau gedeckt werden. (Lesen Sie hier: So haben die Kindergartenkinder in Schlitz trotz Corona den Martinsumzug gefeiert).

Stadtrat Willy Kreuzer: Wir haben akuten Handlungsbedarf

Wichtig seien neben einer multifunktionalen Raumplanung hierbei auch eine ausreichende Zahl an Parkplätzen, denn gerade die kleineren Kinder würden hauptsächlich mit dem Pkw in ihre Einrichtung gebracht. Ein Bauernhofkindergarten, wie er in Schlitz schon angedacht ist, böte aber keinen direkten Ausweg aus der Platznot. Lüders betonte, dass Bauernhof- und Waldkindergärten nur für Kinder ab drei Jahren genehmigt seien. Zudem schlug Lüders die Anschaffung einer gemeinsamen Software für die Kindergärten vor, sodass sich die Eltern online anmelden könnten und es zu keinen Mehrfachanmeldungen kommen müsse.

Erster Stadtrat Willy Kreuzer (CDU) krempelte am Ende der Sitzung verbal die Ärmel hoch: „Wir haben akuten Handlungsbedarf“. Die richtige Arbeit werde nun erst beginnen.

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