Im herbstlichen Laub sind Waldschäden, wie hier an der Grillhütte in der Kahl, für den Laien nur schwer zu erkennen.
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Im herbstlichen Laub sind Waldschäden, wie hier an der Grillhütte in der Kahl, für den Laien nur schwer zu erkennen.

„Das ist eine Mammutaufgabe“

Klimawandel setzt Wald zu: Förster nennen Gründe - und machen Lösungsvorschläge

  • Bernd Götte
    VonBernd Götte
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Dem Wald in Schlitz geht es nicht gut. In den Forstämtern macht man sich schon Gedanken, wie man den Folgen des Klimawandels Paroli bieten kann. Auch Schlitzerländer Förster haben Ideen.

Schlitz - Der Patient Wald hat einige Malaisen. Wie Sebastian Keidel, Leiter des für den größeren Teil des Schlitzerlandes zuständigen Forstamtes Burghaun (Hessen) berichtet, sind in Schlitz und Umgebung 13 Prozent der Buchen geschädigt, 20 Prozent der Fichten und sogar 84 Prozent der Eschen.

Dies liege vor allem an dem durch einen Pilz hervorgerufenen Eschentriebsterben, aber auch an dem eingeschleppten Asiatischen Eschenprachtkäfer, der sich mangels natürlicher Feinde in den heimischen Wäldern genüsslich ausbreiten kann. Für die Esche sieht Keidel kaum noch eine Zukunft im Schlitzerland, „wir werden sie nicht mehr zur Wiederaufforstung nutzen“.

Schlitz: Klimawandel setzt Wald zu - Förster nennen Gründe

Der Schottener Forstamtleiter Axel Norgall erläuterte jüngst gegenüber dem Umweltausschuss des Kreistages die Ursachen der Veränderungen in den Wäldern. Der Ausstoß von Treibhausgasen habe seit 1990 um 45 Prozent zugenommen; es wird wärmer. 20 der 21 wärmsten Jahre seit 1880 seien in der Zeit seit 2000 gemessen worden. (Lesen Sie hier: Feuerwehr im Vogelsberg führt Waldbrandübung durch - auch Polizei-Hubschrauber im Einsatz)

Analog dazu habe sich die Niederschlagsmenge im Schnitt um 20 Prozent vermindert. Ein weiteres Problem sei, dass im Sommer, wenn es besonders stark regne, bei großer Wärme nur wenig Regen wirklich im Boden ankomme. Die Bäume brauchten aber einen gesättigten Boden, damit sie sich gut entfalten könnten. „Die Forstwirtschaft wird riskanter“, sagt Norgall voraus.

Deswegen setzen Forstleute wie Sebastian Keidel auf Risikostreuung. „Die Frage, was denn nun der richtige Baum für die Zukunft ist, höre ich nicht gerne. Es kommt auf die richtige Mischung an“, sagt er. Im Revier Hartershausen werde es auch für die Buche problematisch werden, ebenso für die Fichte. Der wirtschaftliche Ertrag sei bei letztere Baumart um 35 Prozent eingebrochen. „Wir wollen einen klimastabilen, resistenten Wald“, formuliert Keidel das Ziel der Forstwirtschaft.

Video: Waldsterben 2.0: Warum fast jeder Baum gefährdet ist

Der Wald solle allen seinen Funktionen gerecht werden, nicht nur als Nutzwald, sondern auch als Schutz- und Erholungsraum. Nachhaltigkeit ist bei den Entscheidungen der Forstleute Trumpf: denn nicht in Jahresrhythmen wie in der Landwirtschaft, sondern erst nach Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten würden die Ergebnisse der Bemühungen sichtbar. Dabei setze man auf die Naturverjüngung; derzeit sei aber auch die Verfügbarkeit von Pflanzgut ein einschränkender Faktor.

Keidel setzt darauf, sich auf die Wettererwärmung einzustellen. Schon lange sei die Douglasie als Alternative zu anderen, eher kälteliebenden Baumarten im Gespräch. Bei den Laubbäumen sei unter anderem die Orient-Buche im Gespräch. Dabei möchten die Förster aber ein waches Auge auf die Auswirkungen von neuen Pflanzenarten auf das bestehende Ökosystem haben; vieles sei noch nicht gut genug erforscht. „Nur ein gesunder Wald kann alle seine Aufgaben erfüllen“, sagt Keidel, „das ist eine Mammutaufgabe“.

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