Mäharbeiten in Schlitz
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Tiefe Einschnitte am Straßenrand findet der NABU nicht umweltfreundlich.

NABU meldet sich zu Wort

„Bis zu fünf Meter ins Gelände“: Naturschützer im Vogelsberg kritisieren Mähpraxis

  • Bernd Götte
    vonBernd Götte
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Herbstzeit ist Schnittzeit auch an den Straßenrändern. Der NABU kritisiert allerdings, wie tief die Arbeiter die Straßenränder beschneiden. 

Schlitz - Generell solle bei den durchzuführenden Mäharbeiten zwischen dem Intensivbereich und dem Extensivbereich unterschieden werden, schreibt Hessen Mobil, zuständig für die Beschneidung der Straßenränder, in einer Stellungnahme. Der Intensivbereich besteht nach der Definition der Straßenbehörde aus Bankett, Gräben und Mulden, Trenn- und Mittelstreifen, Sichtflächen, Grasflächen der Böschung in einer Breite von bis zu zwei Metern sowie Erholungsflächen von Rastanlagen. Der Extensivbereich umfasst die restlichen Grasflächen.

Die Pflegezeiträume orientieren sich an der Vegetation und Witterung. Von April bis Juni werden dann normalerweise die Bankette und die Sichtdreiecke in Einmündungs-und Kurvenbereichen erstmals gemäht. Ab Juli erfolgt in der Regel der zweite Schnitt im Intensivbereich sowie der angrenzenden Mulden.

Mäharbeiten: Hessen Mobil weist auf klare Regeln hin

Für die Mäharbeiten im Extensivbereich sind die Fortpflanzungszeiten von bodenbrütenden Vögeln, Insekten und Reptilien zu berücksichtigen. Mit einem Mähbeginn ab 1. Oktober berücksichtigt der Betriebsdienst von Hessen Mobil die erforderlichen artspezifischen Maßnahmen. Beim Einsatz einer speziellen Mähtechnik können diese Arbeiten auch bereits ab 1. September durchgeführt werden.

Jürgen Staab vom NABU Schlitz hat bei dem Mähen der Straßenränder aber auch andere Beobachtungen gemacht. „Ein Meter rund um die Leitpfosten ist ja ok, aber gemäht wird ja teilweise bis fünf Meter ins Gelände“, ärgert sich der Naturschützer. Und dort befänden sich vor allem die Blühstreifen, in denen sich unter anderem auch Reptilien und Insekten aufhielten.

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NABU Schlitz sieht Gefahr für Blühstreifen

Die Blühstreifen seien ohnehin schon durch die Hitze der vergangenen Sommer angegriffen und würden durch das Abmähen weiter geschädigt werden. Teilweise würde bis in die Gehölze hinein gemäht, berichtet Staab.

Allerdings, so sieht es Hessen Mobil vor, können Gehölzgruppen auch bis zu einer Baumlänge vom Straßenrand entfernt beschnitten werden. Ein Kompromiss könnte sein, was der NABU in einem Leitfaden für die Mahd von Straßenrändern vorschlägt, nämlich nur zweimal im Jahr und nicht zu kurz zu mähen, um der Vegetation Entfaltungsmöglichkeiten zu geben.

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