Pfarrer Johannes Wildner am Altar in der Schlitzer Stadtkirche.
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Den Altar in der Schlitzer Stadtkirche wird Johannes Wildner auch ein wenig vermissen.

Abschied Ende August

Vor dem Aufbruch nach Schottland: Pfarrer Johannes Wildner verlässt Schlitz

  • Bernd Götte
    vonBernd Götte
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Die Kirchengemeinden in Schlitz und Hutzdorf stellen sich schon auf den Abschied ein: Pfarrer Johannes Wildner wird die Burgenstadt zum August verlassen.

Schlitz - „Es war eine sehr schöne Zeit. Ich habe hier viel gelernt“, resümiert Johannes Wildner seine Zeit im Schlitzerland. Doch den 44-Jährigen und seine fünfköpfige Familie zieht es buchstäblich zu neuen Ufern. Er wechselt zur Church of Scotland, zunächst in das Örtchen Tullybody in der Nähe von Sterling. Dort wird er zunächst ein Jahr lang eine Art Vikariat absolvieren. Dabei muss er sich mit Kirchenrecht und Kirchengeschichte Schottlands auseinandersetzen. Auch die Liturgie wird für ihn neu sein.

Die Church of Scotland, die sich laut Wildner auch als eine Kirche für Schottland versteht, ist eine reformierte Kirche. Deswegen muss der Lutheraner Wildner in einiger Hinsicht umdenken, aber gerade das macht für ihn auch den Reiz aus. „Einige meinten, ich gehe jetzt nach Schottland und mache dort verlängerten Urlaub, aber mich reizt dort mehr das christliche Leben“.

Abschied aus Schlitz: Pfarrer Johannes Wildner zieht es nach Schottlnd

Denn auch wenn man dem gerne Tweed tragenden Pfarrer seine Vorliebe für Großbritannien ein wenig ansieht und sein Sohn August ein begeisterter Dudelsackspieler ist, die Folklore des nördlichen britischen Landesteils spielt für ihn eine untergeordnete Rolle. „Die schottische Kirche ist im Aufbruch, da möchte ich Teil von sein“, beschreibt er seine Vorfreude auf die neue Aufgabe. Die reformierte Kirche stützt sich stärker als die lutherische auf die Gesamtgemeinde, Bischöfe gibt es nicht, entschieden wird eher in Gremien.

Wert wird laut Johannes Wildner auch stärker auf eine christliche Ethik gelegt, die sich dann auch im Leben der Gemeindeglieder widerspiegeln soll. „Dinge wie Fairtrade sind dort schon lange gang und gäbe“, erläutert Wildner. Im reformierten Denken gehe es stärker um die Verantwortung des Einzelnen. Entsprechend habe der Heilige Geist dort auch eine größere Bedeutung als bei den Lutheranern.

Der Dialog mit den Angehörigen anderer Konfessionen und Religionen hat Johannes Wildner immer fasziniert. Auch deswegen hat er gerne Reisen in ferne Länder organisiert, die von vielen dankbar angenommen wurden. Er ließ sich von den Kulturen zum Beispiel Indiens, Irans und Äthiopiens faszinieren und inspirieren. Reisen ist für ihn ohnehin der christliche Grundzustand. Man befinde sich immer auf einer Reise zu Gott, ist Wildner überzeugt.

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Aus Schlitz nach Schottland: Johannes Wildner will keinen großen Abschiedsgottesdienst

Diese Reiselust mag ihn auch nach Schottland führen, weil die Kirche vollkommen neue Wege gehe, zum Beispiel mit Besuchen in Pubs, eine Idee, die Wildner auch bei seinen Weinproben aufgegriffen hat. Und auch das Engagement seiner Frau Käthe und ihm für die Schlitzer Theaternächte will er religiös verstanden wissen. Auch in den Aufführungen will er religiöse Botschaften transportieren. „Mit den Gottesdiensten erreichen wir viele Menschen nicht mehr, aber unsere Kultur ist voll mit christlichen Themen und Inhalten“, erklärt der scheidende Pfarrer.

Dass er mit seiner christlichen Bestimmtheit auch oft angeeckt ist, ist Johannes Wildner bewusst. Er findet dies aber nicht schlimm. Er erinnert an die frühen Christen, die die Weltordnung hinterfragt haben, weil sie gewusst hätten, dass ihre Heimat nicht von dieser Welt sei. Aber ich bin nicht für einfache Aussagen“, relativiert Wildner. Die Bodenständigkeit und Heimatverbundenheit der Schlitzerländer gefällt ihm. Und er schätzt auch den Wert von Traditionen. „Man muss nicht alles besser machen wollen als früher“, glaubt er. Manches hätten schon die Altvorderen sehr gut einzuschätzen gewusst.

Einen großen Abschiedsgottesdienst am 26. Juli möchte Wildner nicht haben. Das wäre alleine schon wegen der Corona-Regeln nur schwer durchführbar. Seine Stelle wird ab August ausgeschrieben.

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