Pension für Rinder und Pferde

Ein Zuhause für geschundene Tiere: Bei Sebastian Diebel in Schlitz wohnt auch Kuh-Oma Anke

  • Bernd Götte
    vonBernd Götte
    schließen

Die „Diebel Ranch“ in Schlitz im Vogelsbergkreis beherbergt seit Kurzem einen besonderen Gast: Mit der 23-jährigen Anke hat die älteste Kuh Hessens dort ihren Platz für den Lebensabend gefunden.

Schlitz - Sebastian Diebel und seine Frau betreiben keinen gewöhnlichen Bauernhof. Die Tiere, die dort leben, sind keine echten Nutztiere sondern eher Gäste. Das Wort Gnadenhof hört Diebel aber nicht gerne, sein Hof sei ein Lebenshof, in dem Tiere ein Zuhause finden, die schlecht behandelt und beispielsweise deswegen vom Veterinäramt beschlagnahmt wurden.

Mit der Aufnahme von Tieren fing es vor etwa drei Jahren an, als Diebels damalige Freundin und jetzige Frau Janine drei Pferde mitbrachte, die in dem Hof als so genannte Einsteller untergebracht wurden, also Pferde, deren Besitzer keine eigenen Unterbringungsmöglichkeit haben. Da Diebel überzeugter Ökolandwirt ist und vor allem auch weil er gerade erst dabei war, einen Hof wieder aufzubauen, wurde der Verein „Lebenskühe“ auf den heute 31-Jährigen aufmerksam.

Sebastian Diebel nimmt alte oder geschundene Tiere bei sich auf - Älteste Kuh Hessens Anke ist bei ihm zuhause

Die Vorsitzende Julia Dünzl aus Haunetal fragte ihn, ob er nicht Interesse habe, aus teilweise schrecklicher Lage gerettete Rinder aufzunehmen. Finanziert wird dies durch Patenschaften von Tierfreunden aus dem gesamten Bundesgebiet, die für den Unterhalt der geschundenen Kreaturen sorgten.

Sebastian Diebel und der Medienstar auf seinem Hof, die Mutterkuh Anke

Diebel sagte zu, und heute sorgt er im Auftrag des Vereins für mittlerweile 20 Rinder und auch für vier Schafe, von denen eines auch schon auf dem Schlitzer Bauernhof geboren ist. So wurde aus dem landwirtschaftlichen Anwesen eine Tierpension, in der neben den Rindern, die ganz unterschiedliche Schicksale haben, nun schon zehn Einstellerpferde untergebracht sind.

Landesweites Aufsehen zog Diebel mit der Aufnahme der laut Zuchtregister ältesten Kuh Hessens auf sich. Anke hatte als Mutterkuh ein etwas erträglicheres Leben als eine Milchkuh, und der Aufenthalt auf dem 23 Hektar großen Hof scheint ihr bestens zu bekommen. Die Nachbarn des Inhabers waren seinerzeit auf sie aufmerksam geworden und hatten an den Verein „Lebenskühe“ vermittelt.

Patenschaften finanzieren die Unterbringung der Tiere

Wie alt Rinder eigentlich werden können, weiß Diebel auch nicht so genau: „Das System sieht ja nicht vor, dass Kühe solange leben.“ Die 23-jährige „SeniorinAnke macht einen rüstigen, geradezu kraftstrotzenden Eindruck. Selbstbewusst und gelassen wie eine Diva schreitet sie in Richtung Zaun, wenn sie eine Kamera sieht. „Das kennt sie schon“, glaubt Diebel.

Dieses Schaf ist auf der „Diebel Ranch“ geboren.

150 Euro kostet die Unterbringung von Anke und ihrer Genossinnen monatlich auf dem Hof. Das ist nur zu stemmen, weil manche Kühe mehrere Paten haben.

Diebel und seine Frau sind noch im Nebenerwerb Landwirte, aber er träumt davon, einmal von seiner Arbeit auf der „Ranch“ leben zu können. Derzeit gibt es noch viel auf dem Anwesen zu richten. Da wäre auch Platz für eine Ferienwohnung. Denn viele Paten kommen ihre Schützlinge besuchen, um sie einmal live zu sehen und streicheln zu können. Und von denen fragten wieder viele nach einer Übernachtungsmöglichkeit.

Rubriklistenbild: © Bernd Götte

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema