Libelleart Quelljungfer
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Prof. Dr. Rüdiger Wagner aus Schlitz hat die Artenvielfalt am Breitenbach im Blick – die Quelljungfer ist eine besonders auffällige Libellenart.

Senckenberg-Institut

Warum nimmt die Zahl der Wasserinsekten so stark ab? Professor aus Schlitz analysiert

  • Bernd Götte
    vonBernd Götte
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Die Anzahl der Wasserinsekten ist in den vergangenen Jahren stark gesunken, teilen Wissenschaftler des Frankfurter Senckenberg-Instituts und der Universität München mit. Der Befund stützt sich unter anderem auf die Untersuchung des Breitenbachs in der Gemarkung von Schlitz-Fraurombacher. Der Bach stand schon zu Zeiten des Limnologischen Instituts im Zentrum der Forschung.

  • Wasserinsekten nehmen in ihrer Gesamtzahl dramatisch ab - laut Studien ist der Bestand um etwa drei Viertel geschrumpft.
  • Der Schlitzer Forscher Dr. Rüdiger Wagner sieht die Gründe dafür in der zunehmenden Trockenheit und erschwerte Bedingungen für das Altenwachstum aus.
  • Der Entwicklung der Artenvielfalt haben haben diese Aspekte allerdings nicht geschadet.

Schlitz - Der Schlitzer Rüdiger Wagner, pensionierten Professor der Universität Kassel, ist derzeit ein gefragter Mann. Der WDR und der BR standen dieser Tage schon bei ihm auf der Matte, um Informationen über die Entwicklung des Bestandes der Wasserinsekten einzuholen.

Der Befund ist erstaunlich: die Anzahl der Tierchen ist um etwa drei Viertel geschrumpft, aber es gibt jetzt mehr Arten in den Bächen und Flüssen. Bezug nehmen die entsprechenden Studien zum seit 42 Jahren gut erforschten Breitenbach.

Für Wagner ist die Abnahme der Insektenzahl eine schlechte Nachricht. Schließlich dienten Wasserinsekten als Nahrung für kleinere Fische, die wiederum auf dem Speisezettel von Raubfischen und Wasservögeln stünden. Für den Breitenbach ist dieser Befund aber weniger dramatisch, da sich dort ohnehin nur selten Fische wie Döbel oder Forellen verirrten.

Professor Wagner analysiert: Trockenheit und fehlende Schleppkraft für den Rückgang verantwortlich

Der Rückgang der Insektenzahl hat für Wagner etwas mit der zunehmenden Trockenheit und dem damit verbundenen Rückgang der Wassermenge im Breitenbach zu tun. Die Wassertierchen lebten zumindest in ihrem Larvenstadium nämlich vorwiegend am Grund der Bäche und ernährten sich dort vorwiegend von Algen, die auf den Steinen wachsen. Wenn aufgrund der geringeren Wasserführung die Fläche am Bachboden kleiner werde, hätten die Insekten auch weniger Lebensraum.

Professor Dr. Rüdiger Wagner

Hinzu komme, dass weniger Wasser auch weniger Schleppkraft heiße. Das bedeutet, dass Sedimente wie Sand nicht einfach fortgespült würden, sondern sich auf dem Bachboden absetzten. Dadurch wiederum werden die Steine überdeckt, auf denen die begehrten Algen wachsen. Auf Sand wachsen sie nicht. So ist das Nahrungsangebot für Wasserinsekten stark eingeschränkt.

Schlitzer Professor: Klimaerwärmung sorgt für Artenvielfalt

Dem gegenüber steht eine Zunahme der Artenvielfalt. Wagner vermutet allerdings, dass es diese schon immer gab. „Manche Arten sind vermutlich nicht aufgefallen, weil sie so selten vorkamen“. Durch die Klimaerwärmung hätte manche wärmeliebende Spezies aber einen Schub bekommen und seien den Wissenschaftlern erst jetzt in den Blick geraten.

So sei 2008 eine neue Steinfliegenart am Breitenbach aufgetaucht, die zu dem Zeitpunkt aber in ganz Deutschland in Mengen aufgetaucht sei. Offensichtlich fühlt sich diese Art bei warmen Wetter wohler.

Insgesamt könne man im Breitenbach 1200 verschiedene Wasserinsektenarten nachweisen. Da der Bach noch weitgehend naturbelassen ist, zeigt er eine große Vielfalt. Denn da, wo der Mensch den natürlichen Fluss eines Gewässers ändert, besteht für die Tierarten ein besonders hohes Risiko zu verschwinden.

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