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Schlitzer Dorfmuseum „Buisch ahl Huss“ feiert seinen 250. Geburtstag

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fraurombach - Der 250. Geburtstag von „Buisch ahl Huss“ wird wahrscheinlich allen, die am vergangenen Sonntag der Jubiläumsfeier beiwohnten, für immer in Erinnerung bleiben. Es war ein gelungener, ein wunderschöner Tag.

Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite! Die Anzahl der Besucher war kaum zu überschauen. Das Programm klein und fein, passend zur Geschichte. Essen und Trinken mundete allen, sodass der Veranstalter am Abend vermelden konnte – es gib nur noch „nackte“ Pommes!

„Das ihr gekommen, hat uns sehr gefreut, wir glauben, das Ihr´s nicht bereut. Es ist nicht übertrieben, Ihr wärd´ schee dumm, wenn ihr daheim geblieben. In Romich, das weis hier jedes Kind, da gibt´s nicht nur Kirch`, den Born, die Lind, da gibt es auch und das ist kein Stuss, seit 250 Jahr´ dene Buisch ihr ahl Huss. Und wenn ich mir das so betracht`, das muss Euch doch freuen, das wär doch gelacht. Dass dies auch gelingt, will ich versuchen, und gleich gibt es leckeres Essen, Kaffee und Kuchen.“

„Erinnerungen werden wach von all den Dingen bis unters Dach. Man spricht von der guten alten Zeit, das Unangenehme liegt so weit. Ja, so ist das eben, nur das Gute zählt im Leben. Vergessen sind Müh´ und Plage, wir erinnern uns nur an die schönen Tage. Heut´ geht es uns besser, viele merken´s nur nicht. Ich bin am Ende mit meinem Gedicht. Bleibt nur noch einmal Danke zu sagen, allen die geholfen haben, dass dieses Kleinod hier entstand, im wunderschönen Mulchenland. Drum stimmt alle mit mir ein, was wär ich froh, ein Mulch zu sein!“

Begonnen wurde der Festtag mit einem Gottesdienst direkt unter der Linde. Gehalten wurde dieser von Pfarrer Heinz – Gert Funke (Landenhausen). Auf Grund des sehr großen Interesses fanden viele Gottesdienstbesucher kein Plätzchen mehr, sie machten es sich auf dem Vorplatz der Linde bequem. Pfarrer Heinz - Gert Funke. „Alles Land bete dich an und lobsinge dir, lobsinge deinen Namen! In all den Zeiten, die das Leben den Menschen so bringt. In guten wie in schlechten Zeiten! „Buisch ahl Huss“ stehe für alles da. Es ist ein Symbol der Freiheit, 250 Jahre bis heute. Das Leben in den Häusern Freud und Leid, Schönes und Trauriges, Lachen und Weinen, Hoffnung und Zuversicht.“

Musikalisch wurde der Gottesdienst von Joachim Weitzdörfer mit seinem Akkordeon begleitet.

Im Anschluss an den Gottesdienst schloss sich ein kurzer Festakt an. Alexander Altstadt, erster Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Fraurombach, konnte dazu auch Bürgermeister Hans – Jürgen Schäfer mit Lebensgefährtin Gudrun Schulz, Ortvorsteher Gerhard Marx, Hausherr von Buisch ahl Huss Hans Feick, den ehemaligen Landesdenkmalspfleger Guido Baumann, sowie von den ansässigen Banken ... Schäfer - Volksbank Lauterbach Schlitz eG.

Ausführungen 250 Jahre zurück

Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer, tauchte in seinen Ausführungen 250 Jahre zurück in die Geschichte ein. Hier ging es um Friedrich dem Großen, dem 7jährigen Krieg im Schlitzerland, der große Not und Hunger verbreitete. Die Anschaffung von 35 Damastwebstühlen für das Schlitzerland in 1735, das strebsame aber kärgliche Leben in den Häusern, abends bei Kerzenlicht, es spiegelte Freud und Leid wider. Hausherr Hans Feick habe in all den Jahren mit viel Mühe, Arbeit und Herzblut in seine Arbeit gesteckt um dieses Kleinod zu erhalten.

Das Museum lebt von seiner Geschichte, die das Haus lebendig bleiben lässt. Ortvorsteher Gerhard Marx gratulierte im Namen des Romicher Ortbeirates zum Jubiläum. „Ein Dorf wird lebendiger durch ein Museum: das ist eine Bereicherung für das ganz Dorf!“ Guido Baumann (ehemals Landesdenkmalspfleger) Dieses Museum sei ein Glücksfall für Fraurombach. Man habe richtig daran getan, das Haus nicht in den Hessenpark zu versetzten. Dieses sei der “Tod“, zum einen des Dorfes und auch des Gebäudes. Viel Lob und Ehr sei bis dato dem Hausherren und allen weiteren fleißigen Händen zu Teil geworden. Und dass sei auch richtig so!“

Schon während des Gottesdienstes konnte Mann/Frau sie hören, die Oldtimer – Traktoren bei ihrer Anfahrt. Dirk Otterbein, Initiator dieser Ausstellung, hatte es tatsächlich geschafft, dass 51 Oldtimer – Traktoren und drei Motorräder aus dem Schlitzerland, dem Kiebitzgrund und Maar, den Weg nach Romich auf sich genommen hatten. Darunter alle namhaften Fabrikate und auch Alters. Die Besuchers schlenderten entlang der aufgestellten Fahrzeuge, das ein oder andere Gespräch und Fachsimpelei kam dabei zustande.

Die Firwesmusikanten unterhielten fast den gesamten Nachmittag über bestens das Publikum. Die gute Stimmung verbreiterte sich allerorts. Größtenteils blieb an diesem Sonntag die Küche kalt. Das Essensteam servierte neben Pommes, Würstchen und Steaks, leckere Serbische Krautwickel mit Meerrettichsoße und gebackenes Fladenbrot aus dem Backhaus. Einfach lecker!

Wie es früher war, durch Hände Arbeit Besen binden, zeigte Heinrich Obenhack. Bei Nina Modebach wurde fleißig das Spinnrad betätigt. Sie zeigte wie die Frauen und Mädchen in früheren Zeiten ihre Wolle sponnen. Für die Kinder war es nicht nur ein toller Zeitvertreib, ihr eigenes „Stockbrot“ zu backen. In der gudd Stubb in „Buisch ahl Huss“ saßen Linda Schlosser und Erika Schmier und führten die Zwickelstrumpfstickerei vor. Weben am Handwebstuhl führte Thorsten Feick vor.

Währenddessen lies der Besucherstrom, der sich durch das alt ehrwürdige Haus schlängelte, nicht nach. So etwas hatte das Haus in seiner 250jährigen Geschichte noch nie erlebt! Max, Julian, Jan, Jakob, Hannes und Kevin, durch den Sprechgesang von Hans Feick angetrieben: droschen im 3er Takt - Max schläfft noch, 4erTakt - Jetzt ess Max doah, oder 5erTakt - Bass hon mir en Dorcht, das Korn. Dem Publikum gefiel´s! Den Schlusspunkt unter die Vorführungen setzte der Schlitzerländer Trachten –und Volkstanzkreis mit seinen aufgeführten Tänzen. Auch sie bekamen von der stattlichen Besucherzahl den gebührenden Applaus.

„Buisch ahl Huss“, das Haus mit seinem besondern Flair, mit seinen Sagen und Geschichten, möge es noch viele Jahre bestehen, den Menschen mit seinem „Inhalt“ weiterhin viele Freude bringen und auch Wissen vermitteln! Wenn es redet ... wir lauschen einfach! / sigi

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