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Ärger mit Mietnomaden: Schlitzer Paar findet Müllberge, Hundekot und leere Flaschen in Wohnungen

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Von: Bernd Götte

In Sieglinde Kocabs Wohnung stapelten sich nach Auszug der Mietnomaden Müllberge.
In Sieglinde Kocabs Wohnung stapelten sich nach Auszug der Mietnomaden Müllberge. © Berhard Kocab

Mietnomaden sind ein Problem, das die meisten nur aus dem Fernsehen kennen. Aber auch ein Vermieterehepaar aus Schlitz musste mit Menschen, die ihre Miete nicht zahlen und ihre Wohnungen verwüsten, schlechte Erfahrungen machen. 

Schlitz - Wenn Sieglinde Kocab über ihre Erfahrungen mit Mietern spricht, kommen ihr buchstäblich die Tränen. Zwei Wohnungen hat sie in gutem Glauben vermietet und wurde beide Mal bitter enttäuscht. Ein Haus besitzt sie in Tauberbischofsheim. Dort vermietet sie an eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern.

Die Frau habe einen guten Eindruck gemacht, so Kocab. „Machen sie sich keinen Sorgen, die Miete wird vom Amt bezahlt“, erklärte die Frau, sodass Kocab, die vor einigen Jahren mit ihrem Mann in ihre alte Heimat Schlitz (Vogelsberg) zurückgekehrt ist, beruhigt war. Allerdings beschwerte sich die Mieterin oft über Schäden in dem Haus aus dem 15. Jahrhundert, was Kocab misstrauisch machte.

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Sie beauftragte deshalb ihren Makler in Tauberbischofsheim, einmal nach dem Rechten zu sehen. Dieser konnte die Mieterin dann aber telefonisch nicht erreichen, und auch vor Ort öffnete ihm niemand die Tür. „Dann kam Corona“, berichtet Kocab, und die alleinerziehende Mutter, die wieder schwanger war, wollte deswegen keine Fremden in ihre Wohnung lassen. (Lesen Sie auch: Alte Autoreifen und Sperrmüll - So viel Müll landet in der Natur)

Offenbar hatte sie auch einen neuen Lebensgefährten, der einen Hund mit in die Wohngemeinschaft brachte. Das sorgte für weitere Probleme. Nachbarn beschwerten sich über „bestialischen Gestank“ von Hundekot. Kocab musste bei einem Rechtsanwalt das Zugangsrecht zu der Wohnung beantragen; auch schaltete sie das Veterinäramt und das Jugendamt in Tauberbischofsheim ein, weil sie jetzt wusste, dass die Kinder und der Hund in der Wohnung verwahrlosten.

Aber die Mieterin traf sie nicht mehr an. Ihre Nachbarin, die eine Eisdiele nebenan in Tauberbischofsheim betreibt, berichtete ihr, dass vor der Tür ein Möbelwagen stand und die Habseligkeiten der Mieterin eingeladen wurden.

Dreifache Mutter verwüstet Wohnung und verschwindet

Die mittlerweile dreifache Mutter hatte, ohne Bescheid zu geben, das baden-württembergische Tauberbischofsheim verlassen und war ins bayerische Würzburg umgezogen. „Damit hat sie sich jedem behördlichen Zugriff entzogen“, bemerkte Kocab bitter, die den neuen Wohnort nur auf Nachfrage bei dem Umzugsunternehmen herausbekam.

Bei der Besichtigung der Wohnung bot sich ihr ein chaotisches Bild. Das Schloss war ausgetauscht worden, ein Fenster war ausgehängt, im Keller tummelten sich zwischen Müllsäcken die Ratten und die Wohnräume waren voller Hundekot. Kurzum, es musste generalgereinigt und saniert werden; zudem musste der Müll entsorgt werden – alles auf Kocabs Kosten.

Zusammen mit der nicht gezahlten Miete belaufen sich diese auf 20  .000 Euro, sagt Kocab. Von den Ämtern, die nach ihrer Darstellung über die Zustände rechtzeitig Bescheid wussten, und von den Gerichten sei keine Hilfe zu erwarten. Kocab fühlt sich im Stich gelassen. „Diesen Menschen passiert überhaupt nichts“, ärgert sie sich. Denn auch mit ihrem zweiten Mieter hat sie nur Ärger.

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Sie hatte am Siebertshof in Schlitz ein Fachwerkhaus erworben und liebevoll sanieren lassen. Dann stellte sich auch für dieses Objekt ein Mieter vor, diesmal ein alleinerziehender Vater. Der zahlte seine Miete aber nur sehr sporadisch, ganz zu schweigen von der Kaution. Seit März 2021 habe er lediglich eine Monatsmiete geleistet. Im September hat Kocab dem Mann dann fristlos gekündigt und schließlich beim Amtsgericht Alsfeld eine Räumungsklage eingereicht.

Im Januar war er dann weg. In der Wohnung fanden die Kocabs dann haufenweise Leergut, hauptsächlich von hochwertigem Alkohol. „Da waren Ökoweine und Spirituosen dabei“, berichtet Kocab. Vom Verbleib des Mannes wusste die Vermieterin aber nichts, als sie dann Nachforschungen anstellte, meldete sich ihr Ex-Mieter wieder und bedrohte sie.

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Er behauptete sogar, dass Kocab Geld und Wertgegenstände von ihm einbehalten hätten. Der Mann ist jetzt in unmittelbarer Nachbarschaft der Kocabs in Schlitz offenbar zur Untermiete untergekommen.

Sieglinde Kocab möchte jetzt nicht noch einmal vermieten. Im Gegenteil, sie versucht ihre beiden Immobilien in Schlitz und Tauberbischofsheim zu verkaufen. „Man sieht ja, wie viele Wohnungen in Schlitz leer stehen. Das liegt aber nicht daran, dass es keine Mieter gibt, sondern daran, dass die Hausbesitzer nicht mehr vermieten wollen“, erklärt Kocab. Man müsse sich potentielle Mieter immer ganz genau anschauen, „aber Menschenkenntnis hilft da auch nicht weiter“, stellt die Schlitzerin bitter fest.

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