Im idyllisch gelegenen Sassen herrscht vielleicht bald wieder Normalität.
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Im idyllisch gelegenen Sassen herrscht vielleicht bald wieder Normalität.

Betretungsverbot besteht noch

So wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Lebensgemeinschaft Sassen und Richthof aus

  • Bernd Götte
    vonBernd Götte
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Corona hat in den vergangene Wochen jeden betroffen. Auch die Betreuten und Betreuer der Lebensgemeinschaft Sassen und Richthof bei Schlitz im Vogelsbergkreis müssen sich einschränken. 

Schlitz - In Sassen und Richthof besteht noch immer ein Betretungsverbot. „Wir sind eine Einrichtung für eine besonderen Lebensform“, erläutert Jörg Kraus, Geschäftsleiter in Sassen. Damit gälten nach den Vorgaben des Gesetzgebers die gleichen Voraussetzungen wie zum Beispiel für Altenpflegeeinrichtungen. 

Besuch muss sich vorher anmelden, nur mit einer Person, nur eine Stunde und nur einmal pro Woche darf man betreute Angehörige besuchen. Dafür ist wie in anderen Einrichtungen auch ein gesonderter Raum vorgesehen, in dem Angehörige und Bewohner in angemessenem Abstand miteinander kommunizieren können. 

Betretungsverbot in den Werkstätten

Aber das war nicht die einschneidendste Auswirkung auf den Alltag der Betreuten. In den Werkstätten, wo die 140 Betreuten von Sassen und die 110 vom Richthof in der Regel gearbeitet haben, herrschte für drei Wochen Betretungsverbot. So haben die Fachkräfte, die normalerweise mit den Betreuten arbeiten, sich alternative Angebote überlegen müssen.

Kraus berichtet, dass viele Außenarbeiten erledigt worden seien, Hecken schneiden und Bänke streichen gehörten dazu. Außerdem wurden auch mehr als üblich spazieren gegangen, das allerdings nur familien- beziehungsweise hausgemeinschaftsweise. 

Veränderungen werden als bedrohlich empfunden

Besonders wichtig sei es gewesen, den Betreuten einen geregelten Tagesablauf anzubieten. „Da ist der Rhythmus gestört, der den Menschen hier Halt bietet“, erläutert Kraus. Zu der Verbindlichkeit im Tagesablauf gehöre auch die Arbeit in der Werkstatt, zu der die Betreuten gerne gingen.

Was individuell verschieden sein kann, wie die Betreuerin Gabriele Stephan berichtet. „Es gibt Leute, für die ist das ideal. Da ist dann jeder Tag gleich“. Allerdings würden von anderen auch Veränderungen als bedrohlich empfunden, wie Kraus erklärt. Einige seien recht unzufrieden gewesen, was bei manchen zur Zunahme von Zwanghaftigkeiten führen könne und bei anderen Verhaltensauffälligkeiten verstärke. Auch medizinische Hilfe musste im Einzelfall angefordert werden.

Angebote, die körperlich fordern

„Man muss den Betreuten auch Angebote machen, die sie körperlich fordern“, sagt Kraus. Und auch die Arbeit wurde nicht komplett eingestellt. Die Handwerker aus den Werkstätten kommen in die Häuser und bringen zum Beispiel Material mit, damit die Bewohner schon einmal ein paar Vorarbeiten zu der Kerzenherstellung verrichten konnten.

Wo Betreute spinnen konnten, wurden auch Spinnräder aufgestellt. Denn die Lebensgemeinschaft erwirtschaftet einen Teil ihres Budgets selbst. Aber durch den ersatzlosen Wegfall des Frühlingsmarktes auf dem Richthof sind ihr laut Kraus rund 100.000 Euro Einnahmen weggebrochen.

Strukturen im Lebensalltag auf Sassen und am Richthof mussten neu geschaffen werden. Denn, dass weiß Jörg Kraus aus seiner langjährigen Erfahrung, Verlässlichkeit und Zuwendung sind das Wichtigste für die derzeit 250 Betreuten. 

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