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Spannender Wildkatzen-Nachweis im Schlitzerland

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Von: Redaktion Fuldaer Zeitung

fulda/SCHLITZ - Die "echte" europäische Wildkatze, die genetisch nicht mit unseren Hauskatzen oder verwilderten Hauskatzen verwandt ist, gehört mit geschätzten 5000-7000 Individuen in ganz Deutschland zu den gefährdeten Arten und steht daher auf der Roten Liste.

Nicht bewiesene Sichtungen und vereinzelte Totfunde deuteten darauf hin, dass es auch im Vogelsberg und in seiner näheren Umgebung Wildkatzen gibt. Daher war zum Jahresbeginn 2013 im Landratsamt des Vogelsbergkreises in Lauterbach der Auftakt zum Forschungsprojekt "Wildkatze im Vogelsberg", das vom Bundesamt für Naturschutz und vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) unter der Schirmherrschaft von Umweltministerin Lucia Puttrich durchgeführt wurde.

Das Ziel des Forschungsprojekts war es Nachweise zu erbringen, wo es im Vogelsbergkreis Wildkatzen gibt, in dem Vorkommen vermutet werden.

Die Nachweise für die Wildkatze sollten mit der sogenannten Lockstock-Methode erbracht werden. Dabei werden an ausgewählten Plätzen sägerauhe Holzstöcke in das Erdreich gesteckt und mit Baldrian besprüht.

Die dadurch angelockten Wildkatzen reiben sich oft an diesen präparierten Lockstöcken und hinterlassen in der Regel an diesen ein paar Haare ihres Felles. Diese werden dann regelmäßig, etwa alle sieben Tage, von meist ehrenamtlichen Helfern kontrolliert. Anfang diesen Jahres nun wurden im Vogelsbergkreis 21 Lockstöcke aufgestellt. Einer davon, weit abseits von Wegen mit einer sogenannten Wildkamera-Fotofalle zusätzlich überwacht, war in der Gemarkung des Schlitzerlandes platziert.

Bei wechselhaften, teilweise widrigen Witterungsverhältnissen mit neuen Temperaturtiefstwerten im Februar, wurden bis Frühlingsanfang die Lockstöcke von ihren Betreuern periodisch untersucht. Haarproben, die von den Lockstöcken abgenommen werden konnten, wurden anschließend zur Überprüfung durch den BUND-Hessen an das Senckenberg-Institut für Wildtiergenetik weitergeleitet, um dort untersucht zu werden.

Diese an den Lockstöcken abgenommen Haarproben konnten anschließend dank der FENA (Sachbereich Naturschutz), die als zentrale hessische Datensammelstelle und Kooperationspartnerin eine Teilfinanzierung übernahm, schnell genetisch analysiert werden.

Dabei konnte bei der Haarprobe aus dem Schlitzerland sogar ein mehr als interessantes Ergebnis ermittelt werden. Zum einen stellte sich heraus, dass es sich hierbei tatsächlich um eine weibliche Wildkatze handelt. Was jedoch noch mehr das Interesse der Wissenschaftler weckte und als von ihnen als spannend bezeichnet wird, war, dass sich die abgenommene Haarprobe weder eindeutig der westdeutschen noch der mitteldeutschen Population zuordnen lässt, sondern Anteile von beiden Populationen aufweist.

Es deutet also alles darauf hin, dass es im Bereich zwischen dem Vogelsberg und der Rhön teilweise zu Vermischungen kommt. Ein weiterer Hinweis darauf, dass durch die genutzten Grünbrücken, der genetischen Verarmung einzelner Tierarten entgegengewirkt werden kann.

Für die Wissenschaftler vielleicht wieder ein kleiner Baustein in ihrer Forschung und für die Naturschützer zusätzlicher Antrieb für ihr Engagement.

Zu Beginn des kommenden Jahres wird es daher eine Fortsetzung des Forschungsprojekts "Wildkatze im Vogelsberg" geben.

Es wird also ein, für den Naturschutz und den Hessen-Forst, in dem diese Forschungsprojekte durchgeführt werden, ein ebenso spannender Jahresauftakt. kj

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