Offiziell ist der STI-Standort Grebenhain geschlossen. Das geöffnete Tor lässt jedoch darauf schließen, dass dort noch gearbeitet wird.
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Offiziell ist der STI-Standort Grebenhain geschlossen. Das geöffnete Tor lässt jedoch darauf schließen, dass dort noch gearbeitet wird.

Nur noch Lagerflächen im Vogelsberg

STI-Standort Grebenhain zwar geschlossen, aber dort wird noch gearbeitet - Kritik vom ehemaligen Betriebsrat

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Mitte des vergangenen Jahrzehnts der Standort Freiensteinau, 2020 nun das Grebenhainer Werk: Die Lauterbacher STI Group hat sich aus dem oberen Vogelsberg zurückgezogen – verbunden mit einem erheblichen Stellenabbau. Immerhin knapp 100 Mitarbeiter haben in den Werken Lauterbach und Alsfeld einen neuen Arbeitsplatz erhalten.

Grebenhain - „Ich bin 31 Jahre in den Oberwald gefahren. Die meiste Zeit war eine schöne Zeit“, erinnert sich Michael Blößer. Der 48-Jährige war stellvertretender Betriebsratsvorsitzender der STI Grebenhain Display + Verpackung GmbH. Seit Jahresbeginn ist er im Lauterbacher Werk tätig. „Das letzte halbe Jahr hat aber ganz schön gezerrt. Als bekannt wurde, wer übernommen wird und wer nicht, sind Tränen geflossen. Der 30. September ging mir auch unter die Haut.“ Damals seien nur noch etwa zwei Dutzend Leute vor Ort gewesen, die „Maschinen verschwanden und die Hallen leerten sich“. (Lesen Sie hier: Einigung bei STI in Grebenhain: 106 Arbeitsplätze bleiben erhalten)

In den Monaten zuvor war er federführend an den Verhandlungen der Arbeitnehmervertretung mit der STI-Geschäftsleitung beteiligt. Diese „dauerten bis zu 14 oder 15 Stunden am Tag. Immer wieder hieß es, der Betriebsrat macht sich Gedanken über Sachen, die ihn nichts angehen“. Dabei hat Blößer bis zu einem gewissen Grad sogar Verständnis für die Werksschließung: „Man kann einen Standort zu machen. Okay. Aber das sollte nicht innerhalb eines Vierteljahres geschehen.“ Schließlich habe der Konzern Aufträge mit einem Umsatz in der Größenordnung von 34 Millionen Euro auf andere Standorte umverteilen müssen.

STI Group: Werk in Grebenhain ist geschlossen - aber einige Mitarbeiter arbeiten dort noch

Allerdings: Manche Arbeiten konnten im Spätherbst nicht wie vorgesehen in Lauterbach ausgeführt werden. „Die Stanzmaschinen liefen nur bis zum 1. November. Sie wurden aber später wieder eingeschaltet, um für Lauterbach gedachte Aufträge zu produzieren. Ich habe noch am 23. Dezember im Oberwald gearbeitet. Noch immer sind dort einige Kollegen tätig.“

Interessenten für Gelände im Oberwald

Grebenhains Bürgermeister Sebastian Stang (parteilos) will sich auf Anfrage nicht mehr konkret zur Schließung der STI Grebenhain Display + Verpackung GmbH der Lauterbacher STI Group äußern. Zu dem Gelände im Oberwald, das einst zur Luftmunitionsanstalt (Muna) Hartmannshain gehörte und von dem Unternehmen seit Mitte der 1960er Jahre genutzt worden war, äußert er sich jedoch. „Es gibt konkrete Hinweise darauf, dass jemand das Gelände erwerben will. Geplant ist wohl, dort eine Produktionsstätte zu eröffnen, aber in einem anderen Bereich“, führt der Bürgermeister aus. Es sei aber noch zu früh, um Namen zu nennen. Aus anderen Quellen verlautet derweil, dass es wohl mehrere Interessenten gibt oder zumindest gab. Teile der Hallen werden bislang noch von STI-Beschäftigten genutzt.

Dieser Tage war das Haupttor geöffnet, Fahrzeugverkehr war zu beobachten, und einige Autos parkten am Rande der Zufahrt. Blößer: „Das Gelände soll wohl verkauft werden. STI wird dann einen Teil der Hallen als Lager zurück mieten. Ähnlich war es bis 2020 in Freiensteinau. Nach der Schließung des dortigen Werks wurde das Gelände verkauft und ein Teil der Hallen zurück gemietet.“ Knapp 100 von zuvor 260 Beschäftigten arbeiten weiter für STI. Einige frühere Mitarbeiter lehnten Angebote ab und wechselten lieber zur Konkurrenz – etwa in die Werke Fulda oder Erlensee von DS Smith Packaging. Sie sahen bei Stabernack offenbar keine Zukunft für sich.

Werksschließung in Grebenhain „nicht zielführend“: Ehemaliger Betriebsrat kritisiert STI

Immerhin haben etliche Vogelsberger in den vergangenen Jahren zwei Werksschließungen und zwischendurch den Verzicht auf Weihnachtsgeld miterlebt. Auch der ehemalige Betriebsrat ist vorsichtig, was eine Prognose angeht: „Diese Werksschließung ist für mich nicht zielführend. STI hat einen riesigen Wasserkopf. Den muss man in den Griff bekommen. In den letzten Jahren wechselten ständig die Manager, richteten einen Scherbenhaufen an und weg waren sie.“ Daher sei die Ankündigung der Werksschließung im Mai „für mich nicht überraschend. Das Desaster begann schon 2015, als die Geschäftsleitung die Idee hatte, 100 Mitarbeitern zu kündigen“.

Das ehemalige STI-Gelände in Freiensteinau wurde seit der Schließung noch als Lagerfläche genutzt.

Ähnlich sieht es ein langjähriger Arbeits- und Betriebsratskollege von ihm. Gunter Karl aus Gunzenau war bis zum Ende im STI-Werk Freiensteinau tätig und musste zu seinem 40. Betriebsjubiläum im Herbst nach Lauterbach wechseln, wo er „von den Kollegen gut aufgenommen“ worden sei: „Ich bin hochgradig enttäuscht. Ich fürchte, die Sache ist noch nicht überstanden. In der Firma sind zu viele externe Berater drin.“

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