Das STI-Werk im Industriegebiet Oberwald in Grebenhain.
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Das STI-Werk im Industriegebiet Oberwald in Grebenhain.

283 Mitarbeiter des Standorts betroffen

STI-Werk Grebenhain vor dem Aus - Bürgermeister spricht von „schwarzem Tag“

Die STI Group hat am Dienstag die Mitarbeiter sowie die Arbeitnehmervertreter darüber informiert, die Aktivitäten des Werks in Grebenhain auf andere Standorte zu verlagern. Das Werk soll folglich geschlossen werden. Das Unternehmen wollte sich diesbezüglich nicht näher äußern.

Lauterbach – Wie das Unternehmen in einer Pressemeldung bekannt gab, ist das Werk Grebenhain Teil des Segments Display der STI Group und schreibt operativ Verluste. Ziel dieser Maßnahme ist, das Display-Geschäft der Unternehmensgruppe für die Zukunft „wettbewerbsfähig aufzustellen“.

Die beabsichtigte Verlagerung der Aktivitäten Grebenhain wird die 283 Mitarbeiter des Standorts betreffen. Das Unternehmen beabsichtigt, so vielen Mitarbeitern wie möglich einen Wechsel an andere Standorte anzubieten, nach Möglichkeit auch in der Region. Die STI Group wird die Details mit den Arbeitnehmervertretern erörtern, um Lösungen für die Mitarbeiter zu finden, heißt es in der Pressemeldung weiter.

Wann das Werk geschlossen werden soll, dazu machte eine Unternehmenssprecherin auf Nachfrage unserer Zeitung keine Angabe, da nun erst einmal die ersten Schritt in die Wege geleitet wurden.

Negative Entwicklung durch Corona verstärkt

Enormer Preisdruck und starker Wettbewerb prägten den Wandel im Markt für Verkaufsdisplays. Der Standort in Grebenhain sei von dieser Marktdynamik besonders betroffen, heißt es von Seiten des Unternehmens. Die Gesamtleistung und der Rohertrag des Standortes hätten sich hier deutlich rückläufig entwickelt. Eine Rentabilität konnte seit 2014/2015 nicht erreicht werden. Der Standort schreibt „operative Verluste und die COVID-Effekte haben die negative Entwicklung im ersten Quartal 2020 noch weiter verstärkt“, heißt es in der Meldung.

„Wir haben alle möglichen Optionen für den Standort Grebenhain sorgfältig geprüft. Die Verlagerung ist jedoch unausweichlich, um als Unternehmensgruppe künftig im Display Segment erfolgreich zu sein“, sagt Jakob Rinninger, CEO der STI Group. „Wir bedauern die geplante Verlagerung in dieser für uns alle herausfordernden Zeit“, betont Rinninger.

„Firmenentscheidung mehr als bitter“

Update, 5. Mai, 14.36 Uhr: Nachdem das Unternehmen bekannt gab, dass die Aktivitäten verlagert werden sollen, äußerte sich Grebenhains Bürgermeister Sebastian Stang in einer Stellungnahme wiefolgt: „Die Information durch die Geschäftsführung erfolgte unerwartet und zeitnah heute nach dem zuvor der Betriebsrat über die geplanten Veränderungen informiert wurde.“

Für die betroffenen Mitarbeiter sei diese Firmenentscheidung mehr als bitter, haben diese doch sich bereits 2015 auch bereiterklärt gehabt, Einschnitte hinzunehmen, um die Restrukturierung des Standortes gemeinsam mit der Firmenleitung hinzubekommen. Gerade jetzt in der Corona Krise treffe es die Familien nun besonders hart.

Die Ankündigung des Unternehmens einem Teil der Mitarbeiter/innen im Rahmen der Werksverlagerung neue Arbeitsplätze an anderen Vogelsberger Standorten anzubieten, solle hier helfen, allerdings bleibe abzuwarten, wie viele Mitarbeiter hier ein Angebot erhalten werden.

„Schwarzer Tag für alle Mitarbeiter“

„In jedem Falle ist es ein sehr, sehr schwarzer Tag für alle Mitarbeiter und die gesamte Großgemeinde Grebenhain, den an dem Standort in Grebenhain hängen auch noch viele weitere Dinge dran“, betonte Stang und fügte an: „Insofern kann ich heute auf dieser Basis nur die Feststellung treffen, dass die Firmenentscheidung, so sie denn wie heute angekündigt umgesetzt wird, auch wenn von einer Werksverlagerung die Rede ist, einer Werksschließung gleichkommen würde.“

Zu hoffen bleibe, und dies sei auch die Forderung des Bürgermeistersan die Geschäftsführung sowie die Firmeninhaberin, dass diese ihre soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern gerecht werde und so vielen Beschäftigten wie möglich eine Perspektive der Weiterbeschäftigung bieten, als sich auch offen für Lösungsangebote zur Standortssicherung zeigen. Für diese wolle Stab den Kontakt zu Landes- sowie Bundepolitik suchen, da es Grebenhain nun in mehrfacher Sicht hart und einschneidend treffen würde.

Betriebsrat will „alle Anstrengungen unternehmen, um den Worstcase abzuwenden“

Update, 7. Mai, 8.22 Uhr: Michael Blößer, Doris Möller-Schlegel und Beate Alex vom Betriebsrat des von der Schließung bedrohten Werks Grebenhain der STI Group berichten gegenüber unserer Zeitung eindrücklich, wie sehr die Ankündigung der Geschäftsleitung ihre Kollegen am Dienstag schockiert hat. „Wir hatten irgendwie schon mit massiven Einschnitten gerechnet, aber von einer Verlagerung, was quasi einer Schließung gleichkommt, ist keiner ausgegangen“, sagen die drei.

Auch wenn die Mitarbeiter jetzt „vor vollendete Tatsachen gestellt“ wurden, so will der Betriebsrat doch „alle Anstrengungen unternehmen, um den Worstcase abzuwenden“. Man stehe erst am Anfang, und es gebe zunächst unendlich viele Fragen, die auf den Betriebsrat einprasselten. Die gelte es zu klären. Ein Fahrplan für Gespräche mit der Geschäftsführung sei noch nicht aufgestellt. Der Betriebsrat hält es aber durchaus für möglich, dass Mitarbeiter, wie von STI angedeutet, an einen anderen Standort wie Lauterbach wechseln können, „fraglich ist nur, in welcher Größenordnung“, so die Betriebsräte.

Blößer, Möller-Schlegel und Alex sind überzeugt, dass „einige Fehlentscheidungen und die damit verbundenen zahlreichen Wechsel in der Geschäftsführung innerhalb des letzten Jahrzehnts sicherlich erheblich zu der Situation geführt haben, dass das Werk laut Geschäftsführung erhebliche Verluste schreibt“. Selbst der Verzicht auf Sonderzahlungen wie das Weihnachtsgeld oder unentgeltliche Mehrarbeit hätten daran nichts ändern können. „Wir haben schon lange gewarnt, dass die Zahlen zu schlecht sind, aber seit acht Jahren bringt jeder Geschäftsführer seine neuen Ideen ein, und immer geht es in die Hose“, lautet ihr nüchternes Fazit. Diese Fehlentscheidungen könnten dem Werk jetzt den Garaus machen.

Landrat Manfred Görig (SPD) kommentiert die Nachricht mit den Worten: „Die Schließung ist ein harter Brocken. Sowohl für den Vogelsbergkreis als auch für die Gemeinde Grebenhain.“ Wichtig sei jetzt, ein Konzept zu entwickeln, um den Mitarbeitern eine Weiterbeschäftigung zu ermöglichen. Es müsse um jeden Arbeitsplatz gerungen werden“, sagt Görig.

„Die Nachricht ist ein schwerer Schlag für die Region“, erklärt Wirtschaftsdezernent Dr. Jens Mischak (CDU). STI sei seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Wirtschaft im Vogelsbergkreis. Man erwarte nun von der Unternehmensführung, dass für Mitarbeiter sowie ihre Familien tragfähige konzerninterne Angebote gemacht werden, stellt Mischak klar.

sec, ag

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