Streit um tote Waschbären: Anzeiger erstattet – Tierschützer bezieht noch keine Stellung

  • VonRedaktion Fuldaer Zeitung
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LAUTERBACH - Zu Ostern schockierte ein Fall von Tierquälerei die Region: In Lauterbach-Sickendorf sollen Unbekannte zwei Waschbären brutal misshandelt und getötet haben. Nun hat der Deutsche Jagdverband (DJV) eine Strafanzeige gegen den Besitzer der Tiere gestellt. Der Vorwurf: Vortäuschung einer Straftat. Der Verband verweist auf Unstimmigkeiten in der Darstellung der Tat.

Von unserem Redaktionsmitglied Ricarda Dieckmann

Anfang April berichteten wir über einen Tierschützer, dessen zwei Waschbären-Weibchen von Tierquälern mit Fallen eingefangen, verletzt und brutal getötet worden sein sollen. Roths Darstellung nach hatten sich in der Nacht auf den 7. April Unbekannte Zutritt zu seinem Grundstück verschafft und dort die Tiere mit Lebendfallen gefangen. Anschließend sollen sie den Waschbären die Köpfe eingeschlagen haben.

Fast sieben Monate nach dem Vorfall erhebt der DJV schwere Vorwürfe: Die grausame Tötung der beiden Tiere habe niemals stattgefunden, sondern sei von Tierschützer vorgetäuscht worden. Am Dienstag hat der DJV gemeinsam mit der Jägervereinigung Lauterbach eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Gießen gestellt. In einer 17 Seiten langen Erklärung, die unserer Redaktion vorliegt, verweist der Verband auf Ungereimtheiten und beruft sich auf Untersuchungsergebnisse des Hessischen Landeslabors sowie auf Aussagen von ermittelnden Polizeibeamten.

Langer Streit zwischen Jägern und Tierschützer

Nach der Darstellung des DJV waren weder die toten Waschbären noch die Tatwerkzeuge auffindbar, als die Polizei nach dem Vorfall die Spuren sichern wollte. Als Beweis hätten lediglich zwei Fotos gedient, auf denen tote Waschbären abgebildet waren. Die Glaubwürdigkeit dieses Bildmaterials stellt der DJV in Frage. Der zerfetzte Kadaver auf einem der Fotos sei keinesfalls das Ergebnis der Tat von Tierquälern, sondern ein Resultat natürlicher Verwesung. „Geradlinige Schneidespuren eines Messers fehlen völlig. Der Tierkörper hat schon lange vor dem angeblichen Tatzeitpunkt im Freien gelegen und wurde teilweise gefressen“, heißt es. Laut DJV handelt es sich auf dem Foto um einen Waschbären, der an Staupe, einer Viruserkrankung, starb. Dabei stützen sich die Jäger auf ein Gutachten des Landeslabors, das dem Dokument allerdings nicht anhängt.

Schon seit längerem streiten sich Jäger und Tierschützer über die sogenannte Fallenjagd. Der DJV sieht in der seiner Meinung nach vorgetäuschten Tötung einen „regelrechten Propagandafeldzug gegen die Fangjagd“. Ziel von der Tierschützer sei es möglicherweise, ein Verbot der Fallenjagd in der neuen hessischen Jagdverordnung zu erreichen.

Auf Anfrage unserer Zeitung sagte Harald Roth, dass ihm noch gar keine offizielle Strafanzeige vorliege. Daher wolle er zu den Vorwürfe noch keine Stellung beziehen. Von dem juristischen Schritt des DJV habe er durch die Medien erfahren. Roth betonte aber, dass er bei seiner Version der Geschichte bleibe: „Was ich gesagt habe, ist wahr. Mir ist nicht bewusst, was diese Leute von mir wollen.“

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