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Sturmtief „Friederike” verpasste Forst blaues Auge – Bilanz nach einem Jahr

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlitz - Vor einem Jahr tobte das Sturmtief „Friederike” über Deutschland. HessenForst zog jetzt Bilanz.

Von Bernd Götte

Vom Windwurf am stärksten betroffen waren laut HessenForst die Forstämter in Nord- und Nordost-Hessen. Der Windwurfanfall konzentrierte sich im Wesentlichen auf die Fichte und andere Nadelbaumarten – weniger betroffen war mit rund zehn Prozent das Laubholz.

„Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen”, resümiert, Jürgen Dickert, Bereichsleiter beim Forstamt, mit Blick auf das Schlitzerland. „Friederike” hat nur etwas nördlich des burgenstädtischen Gebietes, in der Revierförsterei Niederaula, fast 8000 Kubikmeter Holz umgeworfen.

In allen zehn Revierförstereien waren es insgesamt 33 000 Festmeter. Dickert zieht auch den Vergleich zum Orkan „Kyrill” im Jahr 2007. Damals seien allein auf 1700 Hektar Fläche 17 000 Kubikmeter Windbruch angefallen.

Trotzdem hatten die Forstleute diesmal ebenfalls viel Arbeit mit dem Windbruch, denn die Bäume sind nur vereinzelt umgestürzt. Glücklicherweise habe es im Forstamtsbezirk Burghaun aber keine Arbeitsunfälle gegeben. Die Lagerung auf Nasslagerplätzen sei im Forstamt aber nicht notwendig gewesen; das angefallene Holz habe man zeitnah vermarkten können, berichtet Dickert.

Neue Bäume pflanzen

Der stellvertretende Forstamtleiter schaut nach vorne: eine Baumverjüngung ist nun vorgesehen. Derzeit suchten die Forstämter oft händeringend nach Schößlingen. Beim Forstamt Burghaun will man im Februar bestellen. Überhaupt wolle man sich mit der Neuanpflanzung Zeit lassen. „Wir rechnen mit weiterem Borkenkäferbefall im Frühjahr”, erklärt Dickert. Deswegen wolle man erst im Herbst pflanzen.

Dabei soll darauf geachtet werden, „klimarobuste” Baumarten einzusetzen. „Man entscheidet jetzt, was in hundert Jahren in unseren Wäldern wächst”, erklärt Dickert. Deswegen werde man sich für solche Baumarten entscheiden, die mit Klimaschwankungen gut zurecht kämen. Dabei müsse man auch den Standort berücksichtigen. Es nütze zum Beispiel nichts, eine Buche auf feuchtem Grund zu pflanzen; diese würde dann eingehen.

Wild beobachten

Unter schärferer Beobachtung steht nun auch das Wild in den Schlitzerländer Forsten. Dazu gibt es eine Verbissaufnahme, bei der die Höhe der Schäden festgestellt werden wird. „Wenn mehr als 50 Prozent der Neuanpflanzungen verbissen sind, dann ist was faul”, erklärt Dickert. HessenForst empfiehlt dann eine schärfere Bejagung.

HessenForst insgesamt zieht eine deutlich düsterere Bilanz, als die Forstleute im Schlitzerland: Insgesamt seien durch den Orkan „Friederike” immens hohe Schäden am Wald entstanden.

Große personelle, organisatorische und finanzielle Anstrengungen seien weiter notwendig, um die Schäden für den Wald und den Forstbetrieb zu begrenzen. Es bedarf nun weiterer, intensiver Anstrengungen, um die Freiflächen wieder zu bewalden und die heranwachsende Generation an Bäumen fit zu machen für den prognostizierten Klimawandel mit extremen Witterungsereignissen.

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