1. Fuldaer Zeitung
  2. Vogelsberg

Sylvia Becker hilft, sexuellen Missbrauch vorzubeugen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Redaktion Fuldaer Zeitung

LAUTERBACH/SCHLITZ - Vor einigen Jahren erschütterte der Missbrauchsskandal die katholische Kirche, die sich von den Folgen noch immer nicht erholt hat. Seit etwa einem Jahr ist Sylvia Becker "Fachkraft für Prävention von sexuellem Missbrauch" in der Pfarrei Lauterbach-Schlitz und damit Ansprechpartnerin und Vertrauensperson für alle Gemeindemitglieder.

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte vor Kurzem das interdisziplinäre Forschungsverbundprojekt "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige" vorgestellt, um – so der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann, Beauftragter für Fragen sexuellen Missbrauchs – "Klarheit und Transparenz über diese dunkle Seite in unserer Kirche zu bekommen. Um der Opfer willen, aber auch, um selbst die Verfehlungen zu sehen und alles dafür tun zu können, dass sie sich nicht wiederholen." In der katholischen Pfarrei Lauterbach-Schlitz arbeitet seit einiger Zeit Sylvia Becker an genau diesem Ziel. Die Leiterin der katholischen Kindertagesstätte St. Christophorus in Schlitz ist in der Pfarrei die einzige "Fachkraft für Prävention von sexuellem Missbrauch".

Zum Hintergrund: In einer Verordnung, vorgestellt am 1. Februar 2011, hatte Dietmar Giebelmann, Generalvikar des Bistums Mainz, darauf verwiesen, "dass eine gute Präventionsarbeit im Kinder- und Jugendbereich, aber auch gegenüber erwachsenen Schutzbefohlenen, ganz wesentlich dazu beitragen kann, dass sich Fälle von sexualisierter Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen künftig nicht mehr wiederholen". Grundlage hierfür müssten klare Regelungen sein, die für jede Person verbindlich sind, die im kinder- und jugendnahen Bereich sowie gegenüber erwachsenen Schutzbefohlenen wirke. Mit der "Verordnung zur Prävention" setze das Bistum verbindliche Standards für die Präventionsarbeit, nachdem zum 1. November 2010 bereits eine Koordinationsstelle eingerichtet worden war, deren Aufgabe unter anderem die Beratung der Träger von Einrichtungen bei der Umsetzung der Präventionsverordnung darstellt.

Sylvia Becker ist seit 38 Jahren in St. Christophorus tätig, seit 2009 leitet sie die Kindertagesstätte. "Insgesamt sind wir zehn pädagogische Mitarbeiterinnen, die für vier Gruppen zuständig sind, davon eine altersübergreifende", schildert sie im Gespräch. Im April 2013 habe sie an einem entsprechenden Kurs teilgenommen, der sich über acht Unterrichtsstunden erstreckte und ist seitdem für die Pfarrei Lauterbach-Schlitz als Fachkraft in der Präventionsarbeit zuständig. Aber auch ihre Kolleginnen sind in einem dreistündigen Kurs geschult worden, um für die Problematik noch stärker sensibilisiert zu werden. Ihr Aufgabenfeld skizziert Becker so: "Ich bin Ansprechpartnerin und Vertrauensperson zugleich für alle hauptamtlich und ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter in unserer Pfarrgemeinde und zu absoluter Diskretion bei gemeldeten Verdachtsfällen verpflichtet" – von denen es bislang jedoch noch keinen einzigen gegeben habe.

Verdachtsfälle können sich Sylvia Becker zufolge ereignen im familiären oder sozialen Umfeld, im Kreis der haupt-/ehrenamtlich Tätigen, im Bereich der Kinder (Kommunion-, Firmunterricht) oder auch der Jugendlichen (Ministrantendienst, Pfadfinderengagement). Und schließlich dürfe man auch solche Fälle nicht vergessen, die als so genannte "Kindeswohlgefährdung" im Bereich der Kindertagesstätte geschehen könnten.

Ihr eindringlicher Appell: "Wenn Sie eine solche Grenzverletzung beobachten oder zugetragen bekommen, können Sie sich vertrauensvoll an mich wenden, da ich – wie erwähnt – zur Diskretion verpflichtet bin." Die E-Mail-Adresse lautet: kath-kita-schlitz@t-online.de; eine Kontaktaufnahme ist auch möglich unter Telefon (0 66 42) 52 93. / la

Auch interessant