Ob bunt oder schwarz-weiß: Motive gibt es unendlich viele. Fotos: Zakrzewski

Tattoo-Convention lockte zahlreiche Besucher

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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angersbach - Ob Familien mit Kindern oder szeneerfahrene Tätowierte, sie alle trafen auch dieses Jahr wieder auf der bereits dritten Tattoo-Convention Fulda im Wartenberg-Oval in Angersbach ein.

Manch ein junges Mädchen ließ sich ihr erstes Tattoo stechen, andere füllten wieder einmal ein paar "Lücken" auf ihren Körpern. So zum Beispiel der 40-jährige Steve Sinner aus Hauneck. Steve betreut und integriert Arbeitslose und ist mit zahlreichen Tätowierungen übersät. Überwiegend mit Totenschädeln, die für ihn alle eine Bedeutung haben. "Ich finde es total gut, dass heutzutage auch mal so etwas wie diese Convention in unserer Provinz stattfindet. Vor 25 Jahren mussten wir zum Tätowieren mindestens bis nach Frankfurt fahren. Damals waren Tattoos noch nicht von der Gesellschaft anerkannt, deshalb lagen die Studios immer in dunklen Hinterhöfen", sagt Steve zur Entwicklung. "Meine ersten Tattoos wurden damals noch von Kumpels selbstgestochen. Mit drei zusammengebundenen Nadeln und Tusche." Von der Tattoo-Modewelle hält Steve nichts, findet aber die Entwicklung in der Szene an sich gut. Er ließ sich ein weiteres Bild vom Tätowierer Daniel K. aus Bremen stechen. Daniel tätowiert seit acht Jahren und hat seit einem Jahr ein Studio namens "Rated-R-Inc". Er tätowiert vorzugsweise im Stil "black and grey", also schwarz und grau. Aber er tätowiert nicht alles. Politische Sachen und auch einzelne Motive aus der Rocker-Szene lehnt er ab. "In den Städten ist es in der Tattoo-Szene ein sehr harter Konkurrenzkampf. Auf Messen dagegen eher kooperativ", so Daniel über seine Erfahrungen als Tätowierer. 1996 wurden seine ersten Tattoos bei ihm ebenfalls selbstgestochen, bevor die professionelle Maschine zum Einsatz kam. Diese Tattoos trägt er heute noch unverändert. Zur Entwicklung des bildhaften Körperschmucks meint Daniel, dass Tattoos heutzutage zwar gesellschaftsfähig sind, aber trotzdem noch anecken würden. In Sachen Konkurrenzkampf hat der 27-jährige Adrian Neumann ähnliche Ansichten. Er hat vor zwölf Jahren sein erstes gestochenes Tattoo auf der Haut eines Kumpels verewigt und tätowiert seit fünf Jahren professionell. Vor einem Jahr eröffnete er sein Studio "Indecent Art" in Offenbach. "Die Entwicklung in der Tattoo-Szene war in den vergangenen Jahren positiv wie auch negativ. Positiv insofern, dass Tattoos immer anerkannter und populärer werden und die Leute sich immer mehr trauen, sich auch größere Sachen machen zu lassen. Das Negative daran ist aber, dass immer mehr Tattoo-Studios wie Pilze aus dem Boden schießen. Die Szene wird größer, aber das allgemeine Niveau sinkt. Durchschnittlich wird die Qualität schlechter." Zur Konkurrenz sagt er: "In Offenbach ist es noch überschaubar, aber es gibt doch einige Mitbewerber, die sich in der Szene versuchen." Adrians Spezialgebiet sind schwarz/weiß Tattoos im Bereich Realistik, wie zum Beispiel Tiere oder Totenschädel, sticht aber durchaus auch bunt. Bevorzugt tätowiert er "Chicano", welches latein-amerikanische Szene-Tattoos sind. Aber auch er lehnt Aufträge ab. Wenn es beispielsweise um "Maori-Tribals" geht, schickt er diese Kunden gerne zu anderen Studios, die sich auf solche Werke spezialisiert haben. "Das mache ich hauptsächlich, weil ich auf solche Sachen keinen Bock habe", sagt er dazu.

Die Tattoos, die am vergangenen Wochenende in der Haut verewigt wurden, waren natürlich Grund genug für die anschließende, auf Conventions übliche Preisverleihung. Pokale gab es für die schönsten schwarz/weiß Tattoos, die schönsten farbigen Tattoos sowie für die besten Motive des Tages.

Wer sich nicht tätowieren ließ, konnte dennoch etwas von dieser Veranstaltung mitnehmen. Sei es ein neues Piercing oder anderen Schmuck wie etwa eine Halskette oder einen Gürtel mit Aufschriften und Verzierungen oder ein Retro-Blechschild mit Bierwerbung, Motorrädern, Filmcovern und weiteres. Und wer keine Hemmungen hatte, konnte auch erotische Lack- und Leder-Bekleidung für seine Frau nach Hause mitnehmen.

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