Tennet-Veranstaltung zur Sued-Link Stromtrasse: "Allgemeinplätze" statt konkreter Antworten

  • VonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Unterschwarz - Gemäß einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung fand am vergangenen Dienstag im Dorfgemeinschaftshaus Unterschwarz ein Informationsveranstaltung zur geplanten Sued-Link Stromtrasse statt. Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer begrüßte dabei den Referenten Christian Horzetzky von der Firma Tennet.

Im voll besetzten DGH erwarteten vor allem die Bürger des unteren Fuldagrundes neue Informationen zu der geplanten Trasse - und wurden enttäuscht. Viele der Anwesenden waren besser informiert als der Referent. Während Christian Horzetzky sich in seinen Ausführungen sehr allgemein hielt, hatten die Anwesenden aber konkrete Fragen, die nur selten genauso konkret beantwortet wurden.

Tennez, so Horzetzky, sei von der Bundesregierung beauftragt, Trassenkorridore zu erstellen. Dies sei unter Bürgerbeteiligung geschehen, so dass jetzt ein "Hauptvorschlag" mit 98 Alternativen bei der Bundesnetzagentur vorgelegt wird. Diese entscheide dann bis Ende 2017, welcher Trassenkorridor genauer untersucht werde. Auch in diesem Stadium der Planung sind dann die Trassenkorridore immer noch 1000 Meter breit. Erst um 2019 rum werde festgelegt, wo genau in welchem Korridor die Trasse gebaut wird.

Unterschwarz und die Lebensgemeinschaft Richthof liegen allerdings zum jetzigen Zeitpunkt nur 200 bis 230 Meter vom Beginn des Korridors entfernt. Dies ist eine Entfernung, bei der - so verspricht Tennet - nach niedersächsischem Standard die Kabel unterirdisch verlegt werden sollen.

Das wäre zwar im Sinne der Lebensgemeinschaft Richthof und des Stadtteils Unterschwarz, zieht aber dennoch große Eingriffe in die Natur nach sich. Dabei müssen die Kabel, die auf rund 80 Meter hohen Masten mit einem Betonfundament von elf mal elf Meter verlaufen, über eine Art "Kabelhaus" in die Erde geführt werden. Dieses "Kabelhaus" ist mit seinen Maßen von 50 mal 60 Metern halb so groß wie ein Fußballfeld. Hier verläuft das Kabel in einer Tiefe von 1,5 bis 2 Metern. Dasselbe "Kabelhaus" muss dann natürlich wieder gebaut werden, wenn das Kabel aus der Erde herausgeführt wird.

Tennet verspricht diese unterirdische Verlegung, ob diese allerdings tatsächlich geschieht, entscheidet die Bundesnetzagentur.

Was die Teilnehmer der Veranstaltung besonders bewegte, waren die Fragen nach den kurz- und langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen durch das Magnetfeld der Stromtrasse und der Lärmpegel durch die Stromleitung, die einen Brummton in einer Lautstärke von 40 bis 50 Dezibel erzeugt. Fragen, die vom Referenten nicht beantwortet werden konnten, weil sie zum Teil noch nicht wissenschaftlich untersucht wurden.

Fragen nach dem Wertverfall der Immobilien oder dem Verweigern des Verkaufs eines Grundstücks für die geplante Trasse waren dagegen schnell geklärt. Entschädigung gibt es nur, wenn ein Grundstück direkt betroffen ist und eine Weigerung, ein Grundstück zu verkaufen, kann bis zur Enteignung führen.

Es kam auch die Frage nach der Gründung einer Bürgerinitiative auf. Es gibt davon bereits einige in unserer Region, die überörtlich agieren, die Stromtrasse grundsätzlich in Frage stellen und sich für eine moderne, nachhaltige Energiewende einsetzen.

Diese grundsätzliche Diskussion um die Trasse befürwortet auch Bürgermeister Schäfer. Wichtig sei dabei eine Überarbeitung des "Erneuerbare Energie-Gesetzes" (EEG). Man müsse keine Stromtrasse bauen, denn eine Vergasung des Stroms in Norddeutschland und den Transport durch das bestehende Gasnetz sei durchaus auch denkbar.

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