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Thomas Rodemer – vom Polizeipräsidium Osthessen zum Vogelsberger Krippenbaumeister

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Herbstein - Seine Werkstatt ist nicht groß, alles hat seinen Platz und dennoch finden sich unendlich viele Kleinigkeiten darin. Flechten, Ästchen, Kiesel, Borken, Rinde, gemahlene Steine in den verschiedensten Farben, Styrodur-Platten und unzählige kleine Leisten und Brettchen.

Von Dieter Graulich

Beim „Tag der offenen Werkstatt“ wurde dies den zahlreichen Besuchern recht deutlich. Aus den vorgenannten Materialien fertigt der 60-jährige Thomas Rodemer wahre Kunstwerke: Weihnachtskrippen. Seit August dieses Jahres ist der ehemalige Leiter des Präsidialbüros beim Polizeipräsidium Osthessen im Ruhestand und baut nun nicht mehr in seiner Freizeit Krippen, sondern er hat für dieses wunderbare Hobby jetzt noch erheblich mehr Zeit dafür.

Jedes seiner kleinen Kunstwerke ist ein Unikat. Er baut aufwendige, detailverliebte Krippen im verschiedensten Stil. Jeder seiner Handgriffe sitzt. Unbehandelte Brettchen, Leisten, Klötzchen, kleine Rundhölzer, Stäbe erhalten Strukturen, geben jeder Krippe ihr „eigenes Gesicht“.

Kurse finden großen Anklang

Seit über zehn Jahren geht Thomas Rodemer diesem schönen Hobby nach. Beim Verband bayrischer Krippenfreunde absolvierte er einen vier Jahre laufenden Kurs zum Krippenbaumeister, der in Klüsserath/Mosel stattfand. Seit einigen Jahren bietet er zusammen mit den Krippenfreunden Herbstein in den Herbstferien selbst Kurse an.

Die Kurse finden so großen Anklang und sind bereits lange vor Beginn ausgebucht. Jeder der Teilnehmer habe dabei seine eigene Vorstellung von der Krippe und den dazugehörenden Gebäuden und verwirkliche diese. Er selbst gebe nur Anregungen und Tipps dazu, so Rodemer. Eine interessante Begebenheit gab es vor zwei Jahren bei einem Kurs. Hier präsentierte ein Kursteilnehmer das Bild einer Krippe, das er im Internet gefunden hatte. Rodemer identifizierte dies sofort als eine seiner Krippen.

Hauptarbeitsmittel ist der „Krippenmörtel“

Bei dem Krippenbau kämen dann die verschiedensten Techniken zur Anwendung. So werde beim Fachwerk für die Gebäude viel mit der Klebetechnik gearbeitet. Dies bedeute dass die einzelnen Balken auf eine Unterlage, wie zum Beispiel Spanplatten oder auch Styrodur aufgeklebt würden. Aber auch der klassische Fachwerkbau mit dem Verzapfen der einzelnen Fachwerke, werde angewendet.

Hauptarbeitsmittel sei der „Krippenmörtel“. Dieser bestehe aus Holzleim, Kreide, Wasser und Sägemehl und finde vielseitige Verwendung. Pro Krippe müssen rund 40 Stunden Arbeitszeit und bei einigen sogar 50 Stunden aufgewendet werden.

Der Krippenbaumeister bietet inzwischen auch kleine Kurse in seiner Werkstatt an. Zudem erhält Rodemer auch ältere Krippen zur Restauration. Gerne hilft und berät er auch andere Hobbykrippenbauer, die mit Fragen zur Bauweise oder den Materialien für eine Krippe zu ihm kommen.

Krippenausstellung im Bruder-Konrad-Haus

Zur Entstehung des Krippenbaus insgesamt sagte Thomas Rodemer bei einem Gespräch, dass die Umstände der Geburt Christi in einem Stall mitten im tiefsten Winter schon immer die Fantasie beflügelt hätten. So sei Christi Geburt vielfach landestypischen Vorstellungen angepasst und vom vorderen Orient bis in unsere Breiten verlagert worden. Im alpenländischen Raum habe der Krippenbau eine lange Tradition.

Seit vielen Jahrhunderten werden in der Adventszeit selbstgefertigte Weihnachtskrippen in Wohnungen und Kirchen aufgestellt. Die erste Nennung einer Weihnachtskrippe sei die im Jahr 1562 von Jesuiten in Prag aufgestellte Weihnachtsdarstellung. Kurze Zeit später wurde das Aufstellen von Krippen zur Weihnachtszeit bereits eine Prestigesache.

Bei dem Vogelsberger Krippenbaumeister hat die Liebe zu den Krippen mit der großelterlichen Krippe angefangen, die dann plötzlich jedoch verschwunden war. Den Wunsch nach einer eigenen Familienkrippe kam dann, als er selbst Kinder hatte. In Herbstein hat sich im Dezember 2008 ein Krippenverein gegründet, der abwechselnd von Jahr zu Jahr eine Krippenausstellung im Bruder-Konrad-Haus oder einen Krippenweg organisiert.

In diesem Jahr ist eine Krippenausstellung im Bruder-Konrad-Haus. Auch hier ist Thomas Rodemer stark engagiert.

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