Letzte Handgriffe: Mitarbeiter einer Gerüstbaufirma bauen an der Giebelseite des Rathauses das Gerüst ab.
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Letzte Handgriffe: Mitarbeiter einer Gerüstbaufirma bauen an der Giebelseite des Rathauses das Gerüst ab.

Kosten bis zu 300.000 Euro

Ausbesserung wurde zur kompletten Sanierung: Arbeiten an Rathausfassade in Angersbach abgeschlossen

  • Norman Zellmer
    vonNorman Zellmer
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Nach mehr als eineinhalb Jahren Sanierungsarbeiten an der Fassade erstrahlt das Wartenberger Fachwerk-Rathaus in altem Glanz. Ursprünglich waren lediglich Maler- und Ausbesserungsarbeiten geplant. Die Mehrkosten trägt weitgehend das Land.

Angersbach - Noch dient der Sitzungssaal als Großraumbüro für Mitarbeiter. Auf den Fluren riecht es nach Farbe. Vor dem Südgiebel stand bis vor Kurzem ein Baugerüst. Nach beinahe zwei Jahren sind Fassade und Dach des Rathauses in der Ortsmitte saniert und modernisiert. „In der kommenden Woche müssen wir fertig sein, dann soll im Sitzungssaal eine Trauung stattfinden“, erklärt Bürgermeister Dr. Olaf Dahlmann (SPD) augenzwinkernd bei einem Rundgang über die Baustelle im Vogelsberg.

Ursprünglich sollten die Fassadenarbeiten an dem Gebäude aus dem frühen 19. Jahrhundert zunächst ab Ende September 2019 stattfinden – und nach ein paar Wochen beendet sein. Daraus wurde nun Ende Mai 2021. „Es ist eine ganz andere Dimension geworden“, erklärt Rathauschef Dahlmann.

Er meint damit die von außen kaum erkennbaren umfangreichen und komplexen Bauarbeiten, weil bei der Ausbesserung der Fassade aus weißem Putz und rotbraunen Balken an mehreren Stellen enorme Schäden festgestellt worden waren. Der obere waagerechte Abschluss der Holzrahmenkonstruktion – der sogenannte Rähm – etwa „war stellenweise nur noch halb so dick, weil er zerfressen war“, erinnert sich Dahlmann. Die Malerarbeiten wurden daher gestoppt, das Projekt musste komplett neu geplant und ausgeschrieben werden.

Vogelsberg: Arbeiten an Rathausfassade in Angersbach abgeschlossen

Der Rähm auf der Ostseite des denkmalgeschützten Hauses wurde schließlich auf der gesamten Gebäudelänge von 27 Metern etappenweise ausgetauscht. Dazu mussten einige der zwölf Mitarbeiter zeitweise aus ihren Büros ausziehen; sie kamen monatelang im Sitzungssaal unter. Der Dachstuhl wurde aufwendig abgestützt. Weil die Fassade stellenweise offen war, wurden im Obergeschoss provisorische Wände gesetzt. Weil am Südgiebel Holz von einem Schwamm befallen war, liefen auch dort aufwändige Zimmereiarbeiten: Eichenholzbalken wurden ausgetauscht, die Zwischenräume – die sogenannten Gefache – ausgeräumt und neu ausgemauert. (Lesen Sie hier: Dreimal mehr Bewerber als Bauplätze in Angersbach)

Zudem wurde der Dachstuhl des einst als Wohn- und Wirtschaftsgebäude sowie von der örtlichen Sparkasse genutzten Gebäudes modernisiert, um einmal eine große Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung tragen zu können. Die Wartenberger Kommunalpolitik will die Energiewende vor Ort gestalten; im Gespräch ist unter anderem ein Beitritt zum hessischen Netzwerk „Die Klima-Kommunen“, das auch Projekte rund um erneuerbare Energien sowie Energieeffizienz und -einsparung fördert. Weil während der Bauararbeiten monatelang das Rathausdach ohne rote Ziegeln blieb – man wollte beim Rähm-Austausch die Lasten und Gewichte reduzieren – ging zeitweise im Ort das Gerücht um, der Gemeinde sei das Geld für die Sanierung ausgegangen, erinnert sich das Gemeindeoberhaupt.

So weit ist es freilich nicht gekommen, auch wenn die Kosten deutlich gestiegen sind: 70.000 bis 80.000 Euro waren im Jahr 2019 geplant; nun wird mit 260.000 bis 300.000 gerechnet. Eine Schlussrechnung gibt es noch nicht. Ein Großteil der Mehrkosten soll über das Landesförderprogramm Hessenkasse abgefedert werden. Laut Dahlmann hatte die Gemeinde bisher nicht alle Finanzmittel abgerufen. Ein geringer Anteil – ein Neuntel der förderfähigen Kosten – muss die Gemeinde tragen.

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