.Regina Georg vom DLRG Lauterbach ist seit Jahrzehnten am Nieder-Mooser Teich im Einsatz. 	Foto: Walter Kreuzer
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Regina Georg vom DLRG Lauterbach ist seit Jahrzehnten am Nieder-Mooser Teich im Einsatz.

Gefahren im Wasser

Badeunfälle von Kindern - Retterin vom DLRG berichtet: „Freigewässer werden von Eltern unterschätzt“

  • Walter Kreuzer
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Schnittwunden, Sehnenabrisse, ausgerenkte Gelenke: Regina Georg sind in den vergangenen Jahrzehnten am Nieder-Mooser Teich schon viele Verletzungen untergekommen. Doch auch Badeunfälle von Kindern hat die Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Lauterbach schon erlebt.

Nieder-Moos - Georg ist eine jener Ehrenamtlichen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), die am Nieder-Mooser Teich (Vogelsberg) für die Sicherheit der Badegäste sorgen. Hin und wieder gebe es auch schlimme Notfälle: So sei vor zwei Jahren ein 18-Jähriger kopfüber ins flache Wasser gesprungen. Er ist seither querschnittsgelähmt.

Überhaupt: Die Gefahren in einem Freigewässer seien nicht mit denen in einem Schwimmbecken vergleichbar. Sie würden „von den Eltern oft unterschätzt“. Auf Kinder mit Auftriebsschwimmhilfen wie Puffärmel oder Schwimmtieren werde ein besonderes Augenmerk gelegt: „Vor einigen Wochen haben wir zwei Kinder rausgeholt, die abgetrieben waren.“ Eine zusätzliche Gefahr sei durch die „geringe Sichttiefe des Wassers gegeben. Man sieht den Boden nicht. Kinder rutschen aus dem Ring und sind weg. Erwachsene versuchen dagegen, auf sich aufmerksam zu machen, wenn sie Hilfe brauchen.“ (Lesen Sie hier: Wegen Corona - Zehntausende Kinder haben nicht Schwimmen gelernt)

Vogelsberg: Badeunfälle von Kindern - „Eltern unterschätzen Freigewässer“

Die Lauterbacherin gehört seit fast 50 Jahren dem DLRG an und schiebt seit 30 Jahren in den Sommermonaten Dienst an dem Gewässer am Campingplatz. Sauer ist sie auf „uneinsichtige Menschen, die mit Glasflaschen auf der Liegewiese oder am Strand liegen“. An den hinterlassenen Scherben ziehen sich andere Besucher Schnittwunden zu – und die Sanitätsdienstler der DLRG sind wieder einmal gefragt.

Diese sind in erster Linie dafür da, den Badebetrieb zu überwachen. Dafür haben sie einen Hochsitz, von wo aus der abgegrenzte Badebereich gut zu überblicken ist. Im Hochsommer bei 30 Grad Celsius und mehr als tausend Personen auf Wiese und Strand ist das eine anstrengende Angelegenheit. Daher „versuchen wir, dass immer drei Leute im Dienst sind“, sagt Georg. (Lesen Sie hier: Viel zu wenige Schwimmkurse - Eltern müssen sich gedulden)

Ehrenamtliche stets benötigt - Arbeit des DLRG auch an den Wochenenden unverzichtbar

Das gilt an den Wochenenden von Ende Mai bis zum Ende der Sommerferien und während der Ferien auch an den übrigen Tagen jeweils von 10 bis 18 Uhr. „Das ist unser Ziel und so war es in der Vergangenheit. In diesem Jahr hat das erstmals nicht geklappt. Wir waren eine Woche nicht hier, was viel mit Corona zu tun hat“, sagt Georg. Zwangsurlaub oder Kurzarbeit hätten dazu beigetragen, dass die Ehrenamtlichen nicht noch ihren restlichen Urlaub opfern wollen. Mehr als eine Aufwandsentschädigung von 40 Euro pro Tag gibt es für den Dienst an dem Badesee im Vogelsberg nicht. Auch von den Ortsgruppen Neuhof, Gersfeld oder Hünfeld, die andernfalls im Einsatz gewesen seien, gebe es in diesem Sommer keine Hilfe. Solche komme lediglich wieder aus Fulda.

Vor diesem Hintergrund wirbt Georg um ehrenamtliche Mitglieder, die sich in der Jugendarbeit oder anderen Bereichen engagieren wollen. Mit 500 bis 600 Mitgliedern „vom Neugeborenen bis über 80 Jahre alten Senioren“ ist die Ortsgruppe Lauterbach – sie deckt in etwa den Altkreis ab – die personenstärkste im Bezirk. Versucht werde, „möglichst vielen Leuten eine Ausbildung“ zu ermöglichen. Im Winterhalbjahr wird im Lauterbacher Hallenbad „Die Welle“ trainiert. Ebenso werden Kurse für Anfänger und bis hin zum Rettungsschwimmer angeboten.

Video: Wegen Corona: Zahl der tödlichen Badeunfälle bei Kindern steigt

Vor Ort in Nieder-Moos müssen sich die DLRG-Mitglieder derzeit mit einem Provisorium begnügen: Die noch aus den 1960er Jahren stammende Hütte soll durch einen Neubau ersetzt werden. Ausgeräumt worden sei sie schon im vergangenen September, erzählt die stellvertretende Vorsitzende. Doch wegen der Corona-Pandemie verzögerten sich sowohl der Abriss als auch der Neubau. „Im neuen Haus haben wir eine Küche und acht Schlafplätze sowie einen separaten Sanitätsraum“, freut sich Georg. (Lesen Sie auch: „Generation von Nichtschwimmern“ - Debatte um Hallenbad in Neuhof)

Auch für das motorisierte Rettungsboot gibt es eine neue Garage. Schließlich kommt es bei der Rettung von Schwimmern auf jede Minute an. Vor allem für den Badebereich ist die DLRG zuständig, die benachbarte Surfschule achte selbst auf ihre Leute. Dennoch heißt es achtsam sein, was die Windrichtung angeht. „Die Windräder bei Freiensteinau geben da einen Anhaltspunkt“, sagt Georg, und ergänzt: „Bei einem Wetterwechsel achten manche Surfer nicht auf die Windrichtung und treiben am Damm in eine Ecke, aus der sie aus eigener Kraft nicht herauskommen.“

Abends, wenn der Dienst vorbei ist, genießt Regina Georg die Atmosphäre: „Wenn die Sonne untergegangen ist, ist es traumhaft schön hier.“

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