Martin Adams erläuterte beim Zweckverband Abfallwirtschaft mögliche Biotonnensysteme. Foto: Walter Kreuzer

Vogelsberg bekommt Biotonne – Klare Ansage des Umweltministeriums an den Zweckverband

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Lauterbach - Ernüchterung, Frust und Wut waren den Mitgliedern der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Vogelsbergkreis (ZAV) anzumerken. Während ihrer Sitzung gestern wurde klar, dass sich die Einführung der Biotonne nicht vermeiden lassen wird.

Noch ehe Martin Adams und Cornelius Schürer vom Büro teamwerk ihren "Argumentationsleitfaden Biotonne" vorstellten, verkündete Verbandsvorsteher Friedel Kopp die Nachricht des Tages: "Wir sprechen nicht mehr über das ob einer Einführung der Biotonne, sondern nur über das wie. Bei einem Gespräch vergangene Woche im Umweltministerium wurde uns verkündet, dass dort eine Entscheidung des ZAV gegen die im neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz vorgesehene Getrenntsammlung von Bioabfällen nicht akzeptiert werden wird." Immerhin: "Das Ministerium steht neuen innovativen und intelligenten Modellen sehr offen gegenüber." Wie ein solches Konzept konkret aussehen könnte, soll bis zur Jahresmitte eine Arbeitsgruppe herausfinden. Dabei hat Kopp, der die Mehrkosten auf 1 bis 1,5 Millionen Euro schätzt, eine Kernforderung aufgestellt: "Durch ein Biotonnensystem dürfen wir unser jetziges Gebührensystem nicht kaputt machen lassen. Das muss das oberste Gebot sein."

Eine Einführung der Biotonne kommt nach Ansicht von Martin Adams vom Mannheimer Büro teamwerk "frühestens Mitte 2015" in Frage. Adams strich klar heraus, dass "es uns nicht gelungen ist, mit den Ministeriumsvertretern sachlich in die Diskussion einzusteigen". Mit anderen Worten: Die Wiesbadener pochen auf den Wortlaut des Gesetzes, ohne Rücksicht auf das Ergebnis. So sei seitens der Behördenvertreter angedeutet worden, dass selbst ein ineffektives System bei dem die Bürger zum Beispiel ihren Bioabfall zu zentral aufgestellten Containern bringen müssen, genehmigungsfähig sei. Hauptsache, der Bioabfall wird getrennt von anderen Müllarten eingesammelt und verwertet. In welchem Umfang die anfallenden Mengen dabei erfasst werden, spielt offenbar eine untergeordnete Rolle. Adams: "Das Ministerium fordert kein flächendeckendes System. Es ist für innovative Lösungen offen, ob diese sinnvoll sind oder nicht."

Adams und Schürer stellten in ihrem fast einstündigen Vortrag mehrere Varianten für die Sammlung des Bioabfalls in dem dünn besiedelten Flächenkreis Vogelsberg vor. Eines haben die Rechnungen gemeinsam: Die Müllabfuhr im Kreis wird deutlich teurer. Die Steigerungen liegen dabei zwischen 40 und 57 Prozent je nach Anzahl der Abfuhren der Biotonnen und der Flächenabdeckung. Schürer: "Pro Kopf und Jahr bedeutet das eine Steigerung um 9 bis 13 Euro. Die Einsparung beim Restabfall wiegt die Mehrkosten bei der Logistik nicht auf, da diese im Kreis relativ günstig ist."

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