Bergmähwiesenjury auf den teilnehmenden Wiesen im Vogelsberg.
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Die dritte Bergmähwiesen-Meisterschaft im Vogelsberg ist in vollem Gange. Gestern bereiste die Jury die teilnehmenden Wiesen.

14.000 Euro Spendengelder

Jury im „heimischen Naturwunder“ unterwegs - Bergmähwiesen-Meisterschaft im Vogelsberg

Vom „heimischen Naturwunder“ und einem der „wertvollsten Naturräume in Mitteleuropa“ ist die Rede: Es geht um die Bergmähwiesen, die am Montag im Mittelpunkt der „Jurybereisung der dritten Bergmähwiesen-Meisterschaft im Vogelsberg“ standen.

Vogelsberg - „50 Prozent aller Bergmähwiesen in Hessen liegen im Vogelsberg. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Joachim Schönfeld, der zuständige Sachbearbeiter des Amtes für Wirtschaft und den ländlichen Raum, zufrieden. Ihm pflichtet Amtsleiterin Anja Püchner bei: „Wir sind sehr stolz darauf, dass wir so viele Vorkommen haben.“

Die beiden Fachleute stehen gemeinsam mit einer fachlich versierten Runde auf einer Bergmähwiese zwischen Ilbeshausen und Grebenhain und folgen den Ausführungen von Melanie Hahn von Planwerk in Nidda. Das Fachbüro hat für den Wettbewerb eine „Vorsortierung“ vorgenommen: 19 Wiesen wurden von den Landwirten angemeldet.

Vogelsberg: Bergmähwiesen-Meisterschaft führt Jury ins „heimischen Naturwunder“

Die Vorgaben sind klar: Jeder Landwirt darf nur eine Wiese anmelden, diese durfte in den vergangenen zwei Jahren nicht zu den prämierten gehört haben. Bedauernd stellt Schönfeld fest, dass aus Freiensteinau keine Wiese gemeldet worden sei, obwohl in diesem Jahr erstmals die Möglichkeit bestanden habe. „Das Potential ist da, etwa im Bereich Ober-Moos oder auch in Richtung Reinhards“, stellt er fest.

Von den gemeldeten 19 Wiesen wurden gestern 15 angeschaut, morgens um halb neun ging es los mit der Runde: Wiesen gemeldet wurden in den Kommunen Schotten, Herbstein, Ulrichstein und Lautertal. Veranstaltet wird der Wettbewerb vom Amt für Wirtschaft und den ländlichen Raum gemeinsam mit dem Regierungspräsidium Gießen, Bereich Biodiversität, der Nachhaltigkeitsinitiative „Nähe ist gut“ und dem Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg.

Bergmähwiesen-Meisterschaft ist Wettbewerb vom Amt für Wirtschaft und den ländlichen Raum

Herangezogen wird nicht ausschließlich der Aspekt Artenvielfalt, sondern auch der Futterwert, der Anteil der unerwünschten Arten, der Narbenschluss und diverse ökologische Kriterien, zudem der „Imkerwert“. Die Wiesen sollen blüten- und artenreich sein, der Aufwuchs soll im landwirtschaftlichen Betrieb genutzt werden.

14 000 Euro Spendengelder stehen zur Verfügung. Sie werden ausgeschüttet an die Betriebe mit den besten drei Flächen der verschiedenen Kommunen, zudem wird der Betrieb mit der insgesamt artenreichsten Wiese ausgezeichnet. Da insgesamt die Punktezahl jedoch hoch sei und die Bewertungen oft dicht beieinander liegen, entscheidet sich das Gremium dafür, dass alle Bewerber einen Obolus erhalten sollen. (Lesen Sie hier: Rohstoffe aus dem Vogelsberg helfen - Jens Rausch aus Pfordt lebt als Maler in Hamburg)

14.000 Euro Spendengelder für die Bergmähwiesen-Meisterschaft

Die Preisgelder stammen unter anderem von der Mitmach-Aktion am Bergmähwiesenpfad an der Herchenhainer Höhe, wo Wanderbegeisterte auf ihrer Wanderung eine Stanzkarte ausfüllen können und damit zu Botschaftern des Naturraums werden. Die 2019 und 2020 eingereichten Stanzkarten werden von der Nachhaltigkeitsinitiative „Nähe ist gut“ mit jeweils 5 Euro honoriert.

Melanie Hahn verweist auf die Qualität der „mageren, blüten- und kräuterreichen Wiese“, auf der die Fachleute stehen. „Betonica officinalis“ zeigt sie, dann den großen Wiesenknopf, Labkraut, Frauenmantel und die Kuckuckslichtnelke. Sie lobt die „relativ homogene Struktur“, verweist auf eine feuchte Senke, die der Wiese eine erhöhte Strukturvielfalt verleihe. Ein „gewisser faunistischer Wert“ sei ebenfalls festzustellen – „ein sehr guter Kompromiss“, wie die Fachfrau findet.

Die Kommunen Schotten, Herbstein, Ulrichstein und Lautertal haben Wiesen gemeldet

Es wird gefachsimpelt über geschützte Lebensraumtypen, das Verhältnis zwischen Naturschutz und Landwirtschaft, über Gräser- und Kräuterverhältnis und die Futterqualität. Und Astrid Rauner von der Unteren Naturschutzbehörde teilt ihre Gedanken über die Abwägung, ob die Förderung einer Schmetterlingsart Vorrang haben sollte, oder doch eher der Erhalt dieses sehr geschützten Lebensraumtyps.

87 Arten wurden als „höchste Anzahl“ auf den Wiesen gefunden, auf die „Türkenbundlilie“ als die Wappenblume des Vogelsbergkreises verweist Schönfeld, während andere die seltenen Orchideenarten besonders hervorheben, die sie auf ihrer Besichtigungstour vorfinden. Wer zu den Preisträgern gehört, darüber wollte die Fachrunde gestern noch keine Auskunft geben. (duw)

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