Ann-Katrin Müller, Gunther Weisert, Peter Seufert und Klaus Pfarrer (von links) begutachteten die Situation am Damm des Rothenbachteichs bei Ober-Moos, der von einem Biber untergraben wurde.
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Ann-Katrin Müller, Gunther Weisert, Peter Seufert und Klaus Pfarrer (von links) begutachteten die Situation am Damm des Rothenbachteichs bei Ober-Moos, der von einem Biber untergraben wurde.

Neues Geländer abgesackt

Vogelsberg: Biber durchbohrt Damm - Passage am Drei-Seen-Weg für Fahrzeuge gesperrt

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Seit etwa zwei Jahren ist ein Biber am Rothenbachteich bei Freiensteinau heimisch. Und fast genau so lang hält der Nager die Fachleute von Forstamt und Naturschutzbehörde im Vogelsberg auf Trab. Nun hat er sich durch den Damm gegraben, was für Sicherheitsbedenken sorgt.

Freiensteinau - Klaus Pfarrer vom Forstamt Schotten, Revierförster Peter Seufert sowie Gunther Weisert von der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium (RP) Gießen und Ann-Katrin Müller von der Unteren Naturschutzbehörde beim Vogelsbergkreis kamen am Montagvormittag zu einem Ortstermin, um sich ein Bild von der Biber-Situation zu machen.

Vogelsberg: Biber durchbohrt Damm - Passage am Drei-Seen-Weg gesperrt

„Der Damm ist quer durchbohrt. Von dem kleinen Teich aus, wo der Biber seine Burg hat, hat er den Durchstich gemacht. Es gibt zudem Grabversuche an drei oder vier anderen Stellen. Dadurch ist das erst vor einem Jahr errichtete neue Geländer eingesackt“, fasst Pfarrer die Damm-Situation an dem zwischen Ober-Moos und Bermuthshain gelegenen See zusammen.

Der von dem Nager geschaffene Durchstich dürfte nach Einschätzung des Fachmanns einen Durchmesser von etwa einem halben Meter haben – also deutlich mehr als der Körperumfang des Bibers. Die Behördenvertreter beschlossen nun, den Damm im Bereich des Durchbruchs aufzubaggern, mit Wasserbausteinen zu verfüllen und zu verdichten. Das soll im Frühjahr geschehen.

Die Behörden im Vogelsberg haben aber schon früher gehandelt: Der Damm ist seit einigen Wochen – der Tunnel war nach den starken Regenfällen im Januar festgestellt worden – für den Fahrzeugverkehr gesperrt.  Benutzt wurde er bislang von Hessen Forst sowie zur Bewirtschaftung von angrenzendem Privat- und Kommunalwald – der Zugang zu diesen Waldstücken ist über andere Wege gesichert.

Vogelsberg: Zahllosen Radler und Wanderern nutzen den Damm

Pfarrer: „Die Forstverwaltung verzichtet auf den Weg. Sonst müssten wir Stahlmatten auf der ganzen Länge entlang des Dammes einbauen.“ Genutzt wird der Damm aber auch von zahllosen Radlern, Wanderern – er ist Teil der Vogelsberger Extratour Drei-Seen-Weg – und Ausflüglern, die hier Natur und Tierwelt genießen wollen. Der unterhöhlte Bereich ist zwar abgesperrt. 

Unklar ist jedoch, ob und wann der Biber seine Grabungen fortsetzen wird. Vorsicht ist daher aktuell bei der Benutzung des Weges durch Fußgänger und Radfahrer geboten. Und an die Absperrung sollte sich jeder halten. Gunther Weisert, der beim RP Gießen für die Lebensräume der Biber zuständig ist, weiß, wo diese ihre Dämme und Burgen errichtet haben. Beispiele sind die kleinen Fisch- und Hälterteiche am Ober-Mooser und am Nieder-Mooser Teich oder das Tal der Salz zwischen den Freiensteinauer Ortsteilen Salz und Radmühl.

Aber auch bei Grebenhain und in der Lüderaue bei Crainfeld leben Biber. Weisert und seine Kollegin Müller vom Vogelsbergkreis schätzen die Biber: „Wir sehen sie durchweg positiv. Sie gestalten die Natur und die Landschaft. Zudem nimmt die Artenvielfalt zu, wo sie bauen.“ Auch am Rothenbachteich sind einige Waldbereiche aufgestaut. Dort haben Schwarz- und Weißstorch sowie der Eisvogel optimale Jagdreviere. 

Forstamt im Vogelsberg will den Biber-Weibchen „keinen Stress machen“

„Manchmal staut er durch seinen Damm nur eine Fläche von wenigen Metern. In einer flachen Aue geht das Wasser dagegen gleich in die Breite und es können ein paar Hektar landwirtschaftlicher Fläche betroffen sein“, erläutert Weisert. „Ansonsten liegt der Schaden praktisch bei null.“

An einem der Mönche, die am Rothenbachteich den Wasserstand auf beiden Seiten des Dammes regulieren, sind Staubretter marode. Dadurch senkte sich der Wasserstand ab und zeitweise lag der Eingang zur Biberburg oberhalb der Wasserlinie. Die Reparatur ist für den Herbst vorgesehen. Der Grund: Die Fachleute gehen davon aus, dass es sich bei dem Biber am Rothenbach um ein Weibchen handeln dürfte – und die werfen Ende März oder Anfang April.

Pfarrer: „Wir wollen dem Tier keinen Stress machen.“  Diese Arbeiten werden etwa drei bis vier Wochen in Anspruch nehmen, schätzt Pfarrer. Das Wasser müsse soweit abgelassen werden, „damit wir die Bretter austauschen können“.

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