Im Vogelsberg - hier bei Herchenhain - herrschte ein Bilderbuch-Winter.
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Im Vogelsberg - hier bei Herchenhain - herrschte ein Bilderbuch-Winter.

Einschränkungen durch Pandemie

„Uns blutet das Herz“: Skiliftbetreiber im Vogelsberg über viel Schnee und die Saison in Corona-Zeiten

  • Marcus Lotz
    vonMarcus Lotz
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Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen haben auch die Skilift-Betreiber im Vogelsberg getroffen. Das ist doppelt bitter, denn es lag laut den Betreibern so viel Schnee wie schon lange nicht mehr.

Vogelsbergkreis - „Dieses Jahr ist gelaufen“, stellt Johann Kreismann von der Firma Wiegand fest, welche die Skilifte am Hoherodskopf betreibt. Damit meint Kreismann nicht nur die Wassermassen, zu denen der Schnee mittlerweile geschmolzen ist, sondern überhaupt die gesamte Skilift-Saison: „Wir hatten uns auf die Saison vorbereitet, wegen Corona aber keine Betriebserlaubnis bekommen. Es lief gar nichts.“ Und das, obwohl die Schneeverhältnisse ideal gewesen wären: „Wir hatten den besten Schnee. Uns blutet das Herz.“

Schlimm ist die bisher ausgefallene Saison nicht nur für das Gemüt, sondern auch für die Finanzen: „Wir sind im Minus“, sagt Kreismann. „Dieses Jahr hätten wir die schlechten letzten Jahre rausholen können, in denen gar nichts lag. In diesem Winter war die weiße Pracht rechtzeitig vorhanden, aber wir durften wegen Corona nichts machen. Corona hat uns dieses Jahr kaputtgemacht.“ Auch in der Rhön leiden die Liftbetreiber unter der Situation.

Vogelsberg: „Uns blutet das Herz“ - Skiliftbetreiber über viel Schnee und die Saison in Coronazeiten

Auch Florian Appel, Vorstandsmitglied des Skiclubs Herchenhain, berichtet: „Aufgrund der behördlichen Aufgaben hatten wir keine Betriebserlaubnis, sodass wegen Corona nichts stattgefunden hat.“ Appel trifft eine ähnlich bittere Feststellung wie sein Kollege am Hoherodskopf: „Schnee hatten wir wie seit zehn Jahren nicht.“

Rein wettertechnisch hätte der Februar vielleicht noch Potenzial, schätzt Appel: „Der Februar ist bei uns der kälteste Monat, in dem durchaus Schnee fallen kann.“ Was den Skiliftbetreibern vermutlich einen Strich durch die Rechnung machen wird, seien aber die Beschränkungen aufgrund der Pandemie: „Aktuell laufen die Corona-Maßnahmen bis zum 15. Februar und wir gehen nicht davon aus, dass in dieser Saison noch etwas in dieser Richtung gestattet wird. Das müsste dann schon in den nächsten Wochen passieren, ansonsten ist die Saison rum – danach sieht es derzeit aber leider nicht aus.“

Johann Kreismann: Wir hatten uns vorbereitet, wegen Corona aber keine Betriebserlaubnis bekommen

Finanziell habe die bisher ausgefallene Saison für den Skiclub glücklicherweise keine negativen Auswirkungen: „Wir haben laufende Kosten, die aber durch die Mitgliederbeiträge gedeckt werden. Finanziell sind wir daher in einer komfortablen Lage.“

Dass dieser Winter so laufen würde, damit hatte Appel nicht gerechnet: „Im Herbst waren wir eigentlich noch alle guter Hoffnung. Im November wurde der Saisonstart dann immer weiter nach hinten verschoben. Dass die Situation sich dann aber so krass entwickelt, und dass dann auch noch so viel Schnee fällt, damit hatte keiner gerechnet.“

Florian Appel: Schnee hatten wir wie seit zehn Jahren nicht

Immerhin kann Appel den vergangenen Wochen auch etwas Positives abgewinnen: „Einige Mitglieder des Clubs - und auch ich - sind auf Langlauf umgeschwenkt“, berichtet er. „Das ist als Individualsport gestattet, da haben wir uns ordentlich ausgetobt. Wäre wie sonst der Liftbetrieb gewesen, hätte ich das im Leben nicht gemacht.“

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