Zwei Chefärzte verlassen das Eichhof-Krankenhaus. Nun sorgt sich der Hausärzteverband Vogelsberg um die Versorgung.
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Zwei Chefärzte verlassen das Eichhof-Krankenhaus. Nun sorgt sich der Hausärzteverband Vogelsberg um die Versorgung.

Vorstand in der Kritik

Verunsicherung nach Chefarzt-Abgängen am Eichhof-Krankenhaus - So soll es jetzt weitergehen

  • Andreas Ungermann
    VonAndreas Ungermann
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Unruhe und Verunsicherung herrschen am Eichhof-Krankenhaus in Lauterbach: Mit Tobias Plücker (Innere Medizin/ Kardiologie) und Dr. Friedrich Jungblut (Psychiatrie und Psychotherapie) haben zwei Chefärzte gekündigt.

Lauterbach - Die Corona-Pandemie stellt die Krankenhäuser samt Personal vor massive Herausforderungen. Dass mit Tobias Plücker zum Ende April und Dr. Friedrich Jungblut zum zurückliegenden Jahreswechsel zwei Chefärzte das Eichhof-Krankenhaus verlassen, kommt zu einer ungünstigen Zeit.

Im ganz besonderen Maße gilt das für Plückers Kündigung: Der Chefarzt verantwortete maßgeblich die Covid-Strategie und das Hygienekonzept des von einer privaten Stiftung geführten Hauses. (Lesen Sie hier: Zu hohe Corona-Zahlen - Eichhof schließt für Besucher)

Besorgt über die personelle Entwicklung am Krankenhaus sowie über die Entwicklung der stationären gesundheitlichen Versorgung – insbesondere im Bereich der nicht operativen Medizin — zeigt sich nun der Hausärzteverband Vogelsbergkreis: „Wir befürchten, dass die Kündigung zweier leitender Chefärzte viel Unruhe und Instabilität mit sich bringen wird – und das während einer laufenden Pandemie“, schreibt der Verband in einer Stellungnahme.

Vogelsberg: Zwei Chefärzte kündigen am Eichhof - So soll es weitergehen

Er sorgt sich zudem darum, dass der folgende personelle und strukturelle Umbau erhebliche Kraftanstrengungen von den verbliebenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fordere, zumal häufig der Weggang eines Chefarztes die Kündigung weiterer Ärzte nach sich zieht. Qualifizierter Ersatz – sowohl im ärztlichen als auch pflegerischen Bereich – sei auf dem Arbeitsmarkt aktuell schwer zu finden.

Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Ein Großteil der niedergelassenen Medizinerinnen und Mediziner hat früher in den Krankenhäusern der Region gearbeitet. Natürlich erreichen uns über diese persönlichen Kontakte Stimmungen. Was uns in den Gesprächen besonders betroffen gemacht hat, ist die Verzweiflung und Perspektivlosigkeit, vermischt mit Wut und Trauer.“

Derlei Kritik des Hausärzteverbandes, der aber auch die zunehmende Stabilisierung und breite medizinische Basis während der vergangenen Jahre lobt, weist Dr. Gerhard Schlitt, Vorsitzender des Stiftungsrates zurück. Er nimmt Vorstand Mathias Rauwolf in Schutz. Die Kündigung zweier Chefärzte werde offenbar aus persönlichen Motiven einzelner unzufriedener Mitarbeiter heraus aufgebauscht. „Und so etwas an der Person des Vorstands Herrn Rauwolf festzumachen, ist nicht fair“, sagt der Petersberger Anwalt unserer Zeitung.

Video: Impfpflicht für Pflegekräfte: Bald noch weniger Personal?

Gegen derlei Anwürfen an die Geschäftsführung verwahre sich laut Aussage des Stiftungsratsvorsitzenden ein großer Teil der Belegschaft. Freilich laufe in einem Haus mit der Größe des Eichhof-Krankenhauses nicht immer alles rund. „Aber daran arbeiten wir – auch an der Kommunikation. Dort suchen wir schon Wege, aber dazu will ich noch nicht zu viel verraten“, sagt Schlitt. Gerade die Kommunikation war in der Öffentlichkeit und in Medienberichten zuletzt kritisiert worden.

Darüber hinaus sei die Personalsituation längst nicht so dramatisch und brisant wie dargestellt. „Die Stelle von Herrn Jungblut in der Psychiatrie ist bereits wiederbesetzt. Einen Namen möchte ich allerdings noch nicht nennen. Für Herrn Plücker suchen wir bereits nach einem Ersatz. Am Ende geht also ein leitender Chefarzt – eine übliche Fluktuation“, erklärt Schlitt, bedauert aber das Ausscheiden der „sehr qualifizierten Mediziner“. Auswirkungen auf den Betrieb des Krankenhauses habe das aber nicht. Die Sorgen des Hausärzteverbandes um die weitere regionale Patientenversorgung im Vogelsbergkreis sei unberechtigt. (Lesen Sie hier: Neuer Oberarzt für das Eichhof-Krankenhaus - Eduard Popescu übernimmt Unfallchirurgie)

Rauwolf selbst betont in einer Stellungnahme, er sei im November 2019 angetreten, die Eichhof-Stiftung in eine solide und tragfähige Zukunft zu führen. Im notwendigen Transformationsprozesse hätten nun Einzelinteressen herauskristallisiert, und einzelne Personen verfolgten eine Agenda. Rauwolf äußert, er sehe bei den Kündigungen keine Gründe in persönlichen Differenzen mit ihm.

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