Familie Schaefer hat von Pfarrer Bouvain einen Scheck über 4000 Euro Spendengeld erhalten.
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Familie Schaefer hat von Pfarrer Bouvain einen Scheck über 4000 Euro Spendengeld erhalten.

„Wir haben doch uns!“

Familie aus dem Ahrtal verliert bei Flut alles - und findet Hilfe in Queck

Auf Sassen sind Sarah und Michael Schaefer mit ihren drei Kindern bei den Eltern vorläufig untergekommen. Die Familie hat durch die Überflutung im Ahrtal alles verloren.

Schlitz-Queck - Am vergangenen Donnerstag konnte Pfarrer Bouvain im Namen der Kirchengemeinden in der Pfarrei Queck im Vogelsberg an Sarah und Michael Schaefer einen Scheck in Höhe von 4000 Euro übergeben. Bei einem Taufgottesdienst in Rimbach und dem Open-Air-Gottesdienst in Sandlofs wurden die Kollekten für Opfer der Hochwasserkatastrophe im Juli gesammelt. Hinzu kamen in den Tagen nach den Gottesdiensten viele weitere Spenden aus der Gemeinde und auch die August Gluck-Stiftung beteiligte sich an der Hilfsaktion mit einem namhaften Beitrag.

Die Hilfe ging nicht an ein Spendenkonto, sondern fand in der Familie Schaefer konkrete Menschen, die durch die Überflutung im Ahrtal alles verloren haben. Sarah und Michael Schaefer haben mit ihren drei Kindern und dem Hund bei den Eltern der Ehefrau, die auf Sassen Hauseltern sind, eine vorläufige Unterkunft gefunden. Ihr Zuhause in Reimerzhoven im Ahrtal hat die Flut unbewohnbar gemacht.

Vogelsberg: Flutopfer aus dem Ahrtal finden Hilfe in Schlitz

Reimerzhoven in Rheinland-Pfalz ist ein Ortsteil von Altenahr und liegt zwischen Mayschoß und Altenahr, die jeweils zwei Kilometer entfernt sind. Das Dorf zählt 40 Häuser und etwa 60 Bewohner. Am Nachmittag des 14. Juli wurde in Reimerzhoven die höchste Warnstufe ausgerufen. Die Ahr trat über die Ufer. Am späten Nachmittag gegen 17 Uhr betrug der Pegelstand des kleinen Flüsschens 2,78 Meter. Vor fünf Jahren hatte es bereits einmal ein Hochwasser gegeben. Damals war der Pegelstand von 90 Zentimeter auf 3,79 Meter gestiegen. (Lesen Sie hier: Nach Flutkatastrophe: Fahrschul-Lkw fährt 120 Heuballen ins Krisengebiet - Hilfe für Landwirte)

Familie Schaefer bereitete sich auf das Hochwasser vor. Die Eingangstür zum Haus wurde abgedichtet und mit Sandsäcken verbarrikadiert. Vor fünf Jahren hatte das Hochwasser die unterste Treppenstufe ihres Hauses erreicht. Wenn es nicht schlimmer kommen würde, dann müssten Haus und Bewohner die Überschwemmung unbeschadet überstehen. Zur Sicherheit wurden aber Matratzen und einige wichtige Utensilien in das erste Stockwerk verfrachtet. Michael Schaefer verließ dann die Familie. Er gehört zur freiwilligen Feuerwehr in Altenahr und dort bereitete man sich darauf vor, in der Nacht vollgelaufene Keller auszupumpen.

Familie Schaefer berichtet von Flutkatastrophe im Ahrtal

Das Wasser der Ahr stieg unaufhörlich. Um 19 Uhr überschritt die Flutwelle die historische Marke von 3,21 Meter am Pegel in Altenahr. Schon eine Stunde später stand der Pegel bei 5,75 Meter. Dann überspülten die Fluten das Messgerät. Schätzungen vermuten, dass die Ahr in dieser Nacht auf mehr als sieben Meter angeschwollen war.

Sarah Schaefer ist mit ihren Kindern immer weiter nach oben im Haus geflüchtet. Schließlich kletterten sie aus dem Fenster im Obergeschoss und verließen in einer nahezu halsbrecherischen Flucht über eine Leiter das Haus. Sogar der Hund wurde über die Leiter auf das Dach einer etwas höher gelegenen Garage gerettet.

Michael Schaefer konnte nicht mit dem Auto nach Reimerzhoven zu seiner Familie kommen, denn die beiden Zufahrtsstraßen waren völlig überflutet. Zu Fuß erreichte er über schmale Wege durch die Weinberge den Ort und fand zu seiner Familie. Das Haus der Familie wurde zum großen Teil unterspült und die Wasser- und Schlammmassen gingen bis über das erste Stockwerk hinaus. Das Haus ist nun unbewohnbar.

Familie aus dem Ahrtal hat auf Sassen Unterkunft gefunden

Bei den Eltern von Sarah Schaefer auf Sassen hat die Familie nun eine notdürftige Unterkunft gefunden. Michael Schaefer pendelt zwischen Altenahr und Sassen und beteiligt sich mit der freiwilligen Feuerwehr an weiteren Aufräumungsarbeiten. Die Familie hat ihr Hab und Gut verloren. „Wir haben alles verloren“, sagte die Mutter zu ihren Kindern.

Eines der Kinder korrigierte sie: „Wir haben nicht alles verloren – wir haben doch noch uns!“ Ein Satz, der Mut macht. Wie es weitergehen wird, ist noch nicht klar. In Ihr Haus können die Schaefers nicht zurückkehren. Sie haben in einem Nachbarort eine Mietwohnung gefunden, in die sie in Kürze ziehen werden. Die Spenden aus der Kirchengemeinde können eine erste Hilfe sein. Allen Spendern dankt Familie Schaefer sehr herzlich.

Deutschlandweit ist die Hilfsbereitschaft groß. In Melsungen zum Beispiel sind 45.000 Euro Spenden gesammelt worden*, wie die HNA berichtet Bei der Übergabe flossen Freudentränen. *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA (pb)

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