Sechs alte, 15 Tonnen schwere Betonbinder wurden von der Dachunterkonstruktion des Hallenbaddaches demontiert
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Schwerstarbeit in luftiger Höhe, die hohe Sicherheitsvorkehrungen erforderten: Sechs alte, 15 Tonnen schwere Betonbinder wurden von der Dachunterkonstruktion des Hallenbaddaches demontiert.

Decke ist demontiert

Tragende Elemente schweben über Alsfeld: Hauptakt der Hallenbad-Sanierung erfolgt

Es ist vollbracht: Die Decke des Alsfelder Hallenbades ist demontiert. Sechs alte, 15 Tonnen schwere Betonbinder schwebten dabei über der Stadt im Vogelsberg.

Alsfeld - Drei Tage arbeiteten drei Firmen Hand in Hand an der Großbaustelle in den Erlen, um nach der Abtragung der Deckenplatten nun endlich die Deckenunterkonstruktion aus Betonbindern zurückzubauen. Dies bedeutete: Sechs 15 Tonnen schwere Betonbinder und knapp zwei Dutzend bis zu sieben Tonnen schweren Fassadenplatten unter großen Sicherheitsvorkehrungen freibohren, mit einem speziellen Schwerlastkran sichern und anheben, über das Freibad, die Sauna und Foyer durch den Himmel schwenken, um sie dann auf einen Tieflader abzusetzen, der die Bauelemente nach Herbstein in einen Bauschuttrecyclinghof fährt.

Wochenlang hatte man im Vogelsberg darauf gewartet, dass der 300 Tonnen Schwerlastkran kommen und die Demontage bewerkstelligen kann. Durch Materialengpässe an anderen Baustellen war der gebuchte Spezialkran gebunden und konnte vorher nicht für den Rückbau des Alsfelder Hallenbaddaches zum Einsatz kommen.

Vogelsberg: Hallenbad-Sanierung in Alsfeld - Decke ist demontiert

Doch Ende vergangener Woche war es dann endlich so weit. Die Unterkonstruktion, die notwendig war, um den mobilen Sechsachser stabil aufstellen zu können, war fertig und der Kran bezog Stellung auf dem Mitarbeiterparkplatz des Erlenbades – gesichert mit zig Tonnen Gegengewicht, um ein Umstürzen des Spezialgerätes zu verhindern.

Unter Leitung der Firma Michel-Bau (Alsfeld) und der Firma Schrimpf Basaltwerke (Neuhof) wurde mit Hilfe von Mitarbeiter der Bohrfirma DIA TOP zunächst die ersten Fassadenplatten gelöst und dann die Betonbinder freigebohrt. Diese sind auf Stahlstützen befestigt, die mit Dollen verbunden und mit Beton ausgegossen sind. Um die Verbindung zu lösen, wurden Kernbohrungen durchgeführt. Vor der Bohrung wurden die Betonbinder und Fassadenplatten jeweils durch Ketten gesichert, die mit Spannung an dem Schwerlastkran hingen, um ein Kippen der Bauelemente zu verhindern.

Jedes Mal war es wieder von neuem spannend, als die Bohrungen abgeschlossen waren und der Kranfahrer mit 15 Tonnen Kraft die Binder langsam von den Stützen anhob – weit ausgelagert, was eine zusätzliche Herausforderung bedeutete. Zentimeter um Zentimeter, immer höher, möglichst wenig schwankend, um nicht an das Baugerüst, den Rutschen-Turm oder den Schornstein zu stoßen. Zunächst im Alsfelder Himmel schwebend, steuerte der Kranfahrer souverän den Tieflader an, der auf der Straße „An der Bleiche“ direkt vor dem Erlenbad-Eingang geparkt war, um die schwere Ladung in Empfang zu nehmen.

Tragende Elemente schweben über Alsfeld

Auch dort wieder ein Balanceakt, die Binder und Fassendplatten so zu lenken und abzuladen, dass weder Mensch noch Gerät Schaden nahmen. Dank umsichtiger und erfahrener Handwerker und einem guten Zusammenspiel aller Beteiligten gelang dies ohne Zwischenfälle, so dass der Abtransport der Bauelemente, die 1968 die wesentlichen Bestandteile des ersten Hallenbadbaues in Alsfeld waren, auch reibungslos vonstattengehen konnte.

„Die Herausforderung bei dieser Baustelle ist, dass die Konstruktion nicht komplett bekannt ist und man immer wieder auf Überraschungen gefasst sein und vorausschauend handeln muss“, zieht Daniel Eick, leitender Mitarbeiter der Neuhofer Basaltwerke ein Fazit. „Außerdem muss die Logistik passen und alle Gewerke Hand in Hand arbeiten, auch wenn man sich vorher noch nicht gekannt hat, es muss alles reibungslos und in einem Rutsch durchgehen.“

Damit meint der gebürtige Alsfelder nicht nur die Bohrung, Lösung und Anhebung der schweren Elemente, sondern auch den Abtransport mit dem Tieflader und dessen Abladung in Herbstein mit einem weiteren Schwerlastkran, denn jede Stunde dieser besonderen Baustellenfahrzeuge ist teuer, so dass sich kein Leerlauf erlaubt werden darf. (Lesen Sie hier: Trautes Heim statt Stallung: Julius Zeidler baut Wirtschaftsgebäude in Wohnhaus um)

Daniel Eick: „Es muss alles reibungslos und in einem Rutsch durchgehen“

Dass dieser Austausch der kompletten Dachunterkonstruktion notwendig wurde – was man erst während der begonnen Dachsanierung festgestellt hat – läge an der zu geringen Betonüberdeckung des Bewehrungsstahls bei dem damaligen Bau des Hallenbades. Dadurch sei es zu Abplatzungen und damit verbundenen Korrosionsschäden an den Stahl- und Bewehrungseisen der Stahlbetonteile gekommen, erläutert Lars Ruhl vor Ort, Bauleiter des Büros Schmidt & Strack Architekten Alsfeld, der die Baustelle federführend mit betreut.

Gemeinsam mit Ralf Kaufmann, dem Geschäftsführer der Alsfelder Bäder GmbH, gibt er einen Ausblick auf die nächsten Schritte: Die Detail- und Auflagerpunkte der Stahlbeton-Binder werden in den nächsten Tagen detailliert untersucht, da dies jetzt erst nach der Demontage der Binder möglich ist. Je nach Zustand müssen diese gegebenenfalls ausgetauscht oder saniert werden. Wenn dieser Schritt getan ist, wird alles neu vermessen und anschließend im Betonfertigteilwerk neu gefertigt, damit die neuen Binder auch auf die bestehende Konstruktion passen.

Anschließend werden Ringanker betoniert, die Zwischenräume zwischen den Bindern geschlossen, um dann wieder Deckenplatten auf die Binder zu legen und zu vergießen. Sei dies bis zum Jahresende erfolgt, beginne die Ausgestaltung der Konstruktion mit dem Verlegen der Lüftungs- und Elektroleitungen, Beleuchtungen, Installation der abgehängten Akustikdecke, Innenputzarbeiten, Schutzanstriche und vieles mehr, was nachhaltig installiert und verarbeitet werden muss, um das Hallenbad für die Vogelsberger – vor allem für den Schul-, Vereins- und Gesundheitssport – langfristig erhalten zu können. (kiri)

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