Das DRK und Notfallseelsorger wurden in Mücke begrüßt.
+
Die Helfer des DRK und die Notfallseelsorger wurden nach ihrer Rückkehr in den Vogelsberg vom Leiter des Amtes für Gefahrenabwehr, Dr. Sven Holland, begrüßt.

Keine Straßen, keine Häuser

„Diese Bilder bleiben im Kopf“ - DRK und Notfallseelsorger über den Einsatz im Hochwassergebiet

Die Notfallseelsorger Sven Kießling und Hasso Hofmann waren im Überschwemmungsgebiet in Ahrtal in Rheinland-Pfalz im Einsatz. Im Gespräch mit dem Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Jens Mischak und dem Leiter des Amtes für Gefahrenabwehr, Dr. Sven Holland, berichten sie über ihre Eindrücke.

Vogelsbergkreis - Am Dienstag der vergangenen Woche kam der Einsatzbefehl. Aus dem Vogelsbergkreis wurden ein Betreuungszug des DRK und zwei Notfallseelsorger angefordert. Ihr Ziel war das Ahrtal in Rheinland-Pfalz. Noch nicht einmal drei Stunden blieben den Freiwilligen, um den Arbeitsplatz zu verlassen und zu packen.

„Alles musste mit ins Krisengebiet“, beschreibt DRK-Mann Frank Schäffer den Aufbruch in Mücke. Zunächst trafen sich die rund 30 Einsatzkräfte an der Hessenhalle in Alsfeld, von dort ging es im Konvoi Richtung Nürburgring. „Wir sind im Dunklen angekommen und mussten erst einmal unsere Zelte aufbauen. An dem ersten Abend mussten wir uns außerdem um das Abendessen für die hessischen Einsatzkräfte kümmern“, erzählt Schäffer. Nachts um 2 Uhr war der Einsatz beendet. Doch bereits morgens um 4 Uhr war die kurze Nachtruhe vorbei. Die Frühstücksvorbereitung für mehr als 200 Einsatzkräfte stand auf dem Plan.

Vogelsberg: Nach Unwetterkatastrophe in Rheinland-Pfalz - Notfallseelsorger berichten

„Wie im Krieg“ - beschreibt es der Fuldaer Feuerwehrmann Alessandro Kutscher, der auch im Hochwassergebiet im Einsatz war. Von unfassbaren Ausnahmesituationen wissen auch die beiden Notfallseelsorger Sven Kießling und Hasso Hofmann zu berichten. Sie betreuten die Menschen in einem Dorf, das besonders schlimm verwüstet wurde. „Bis zu zehn Meter hoch war die Flutwelle, die durch das Tal ging“, sagt Hasso Hofmann und fügt an: „150 Meter entlang der Ahr ist alles weg.“ Unten im Tal stünden nun keine Häuser mehr. Höchstens das Fundament sei noch zu sehen. „Die Menschen vor Ort haben uns gebraucht“, resümieren Hofmann und Kießling.

Mal sei es ein kurzes Gespräch gewesen, das half, mal ein sehr intensives. Die gesamte Infrastruktur sei zerstört. Kein Wasser. Kein Strom. Straßen seien unpassierbar. „Und trotzdem strahlen die Menschen Mut und Zuversicht aus“, bringen die beiden Notfallseelsorger als Botschaft mit in den Vogelsberg. Sie berichten von der unglaublichen Welle der Hilfsbereitschaft: Helfer, die zwölf Stunden am Stück aufräumen – darunter sehr viele Jugendliche. (Lesen Sie hier: Hochwasser-Katastrophe: Hünfelder Bundespolizei sucht mit Spürhunden nach vermissten Personen)

Hochwasser in Rheinland-Pfalz: Notfallseelsorger aus dem Vogelsberg packen mit an

Sven Kießling berichtet von einem Ehepaar, das nicht ahnen konnte, mit welcher Wucht die Wassermassen durch das enge Tal schießen würden. „Nur eine Viertelstunde vorher hatte ein befreundetes Paar angeboten, sie mitzunehmen – ins Haus oben auf dem Berg“, erinnert sich Kießling. „Nein, nicht nötig, wir kennen das doch, wir legen einen Sandsack vor die Tür“, war die Einschätzung des Ehepaares. Eine fatale Entscheidung. Denn nur 15 Minuten später sei von ihrem Haus nichts mehr übrig gewesen - außer die Bodenplatte. Der Mann konnte aus den Fluten gerettet werden. Elf Stunden hatte er sich an einer Wurzel festgehalten. Seine Frau wird vermisst.

Allein 17 Tote hat es in dem Ort gegeben, in dem die beiden Notfallseelsorger unterwegs waren. Dazu mehr als 20 Vermisste. Es gab also viel zu tun für die Notfallseelsorge, die sich auch am nächsten Morgen wieder auf den Weg zu dem Dorf machten. (hes)

Das könnte Sie auch interessieren