Flüsse samt ihrer Nebenbäche führen über die Sommermonate zunehmend immer weniger Wasser.
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Flüsse samt ihrer Nebenbäche führen über die Sommermonate zunehmend immer weniger Wasser.

Zwischenfazit nach Beobachtung

Vogelsberger Gewässer leiden enorm unter Klimawandel

Die Schutzgemeinschaft Vogelsberg hat erste Zwischenergebnisse der Vogelsberger Gewässerbeobachtungen veröffentlicht. Das Fazit: Gewässer im Vogelsberg sowie das Grundwasser leiden enorm unter dem Klimawandel.

Vogelsberg - „Alle Eingriffe, die den Wasserhaushalt schädigen, müssen dringend vermieden werden“, teilt der Verein in einer Pressenotiz mit. Weiter heißt es dort: „Zwar sind Starkregen mit Hochwasser oder trockene, sehr warme Sommer im Vogelsberg nicht neu. Doch sie traten in der Vergangenheit eher in größeren Abständen auf, die in den Folgejahren kompensiert wurden.

Im Vogelsberg war meist darauf Verlass, dass das Grundwasser im Winterhalbjahr immer wieder aufgefüllt wurde, und dass durch die Wasserhaltekapazität des Untergrundes auch extreme Hochwasserwellen abgemildert wurden. Auch die Gewässer sowie die Nass- und Feuchtgebiete, die für den Vogelsberg die Lebensadern eines reichhaltigen Naturraums sind, wurden bei Trockenheit von den reichhaltigen Grundwasservorkommen am Leben erhalten.“ (Lesen Sie auch: Klimawandel führt zu Wasserknappheit in der Rhön)

Vogelsberg: Klimawandel hat enorme Folgen für Gewässer

Doch die Grundwasserneubildung werde durch den Klimawandel durch immer stärkere, kurzzeitigere Oberflächenabflüsse samt Bodenerosion, durch die fehlende Schneeschmelze, verkürzte Winter und Heißzeiten zusehends schwächer. „Fatalerweise lässt sich das im Kluftgestein des Vogelsberges durch Pegelmessungen kaum darstellen. Denn hier gibt es kein flächendeckendes Pegelsystem.“

Verlässlichere, weil ortsnahe Indikatoren für die jeweilige Grundwasserneubildung seien Quellen und Bäche. „Es liegen bislang nur wenige, wissenschaftlich belastbaren Erhebungen zur Anzahl der Quellen und Quellhorizonte sowie zur Wasserführung von Bächen, Stillgewässern und Feuchtgebieten vor. Und die bescheinigen dem Vogelsberg schon seit Jahrzehnten ein enormes Quellensterben.“ Dies nehme weiter zu: „Da seit circa 20 Jahren die Nassjahre ausbleiben, führt die immer schnellere Abfolge von Trockenjahren noch öfter und länger als früher zu Quell- und Bachausausfällen.“

Zusammenfassend ergibt sich aus den bisherigen Auswertungen, dass in den letzten drei Jahren aufgrund von Grundwassermangel besonders viele und außerordentlich lange Quell- und Brunnenausfälle sowie Trockenfallstrecken in Gewässern zu beobachten waren, und dass die Grundwasserneubildung in vielen Bereichen fast komplett ausgefallen ist.

Klimawandel hat im Vogelsberg Teufelskreis in Gang gesetzt

Ob Nidder samt Hillersbach und Seemenbach, ob Nidda und Eichelbach oder obere Horloff samt ihren Nebenbächen: 2018 waren sie allesamt über einen längeren Zeitraum streckenweise bis in den November hinein trocken, und da sich dieses Austrocknen 2019 und 2020 wiederholte, wurde das Bachleben stark geschädigt. Gleiches gilt für Teiche: so haben etwa die Berichte aus Usenborn gezeigt, dass selbst 2020 in Amphibienteichen nur noch kümmerliche Pfützen zu finden waren.

Als besonders kritisch stellen sich Meldungen aus der Land- und Forstwirtschaft dar, die eine totale Austrocknung der Böden bis in größere Tiefen meldeten, heißt es in der Pressenotiz weiter. Denn damit verlor der Untergrund sein Bodenleben und seine wassergängigen Strukturen.

In der Folge sind in diesem Jahr trotz Schnee im Winter und ergiebigem Regen viele Böden immer noch bis maximal 80 Zentimeter unter der Oberfläche durchfeuchtet. Eine Grundwasserneubildung ist dort kaum zu erwarten. Dagegen stauen die tieferen, immer noch trockenen Schichten den Regen mit der Folge schneller Abflüsse und von Hochwasser zurück. Hier hat der Klimawandel laut Pressenotiz einen regelrechten Teufelskreis in Gang gesetzt.

Die Gewässerbeobachtungen belegen, dass sich der Rückgang der Grundwasserneubildung in allen Bereichen des Vogelsberges und in allen Höhenlagen bemerkbar macht.

Im langen, heißen und windreichen Sommer 2018 trockneten erstmalig, seit es Aufzeichnungen gibt, sogar artesische Quellaustritte an den Rändern des Basaltmassivs aus. Es ist zu erwarten, dass die Verbreitung von solchem Wassermangel künftig eher Regel als Ausnahme sein wird.

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