Ein Blick in die Kreistagssitzung im Wartenberg-Oval.
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Ein Blick in die Kreistagssitzung im Wartenberg-Oval.

SPD ist die Verliererin

Vogelsberg: Nach der Kommunalwahl hat die CDU im Kreistag nun mehrere Machtoptionen

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Im Vogelsbergkreis ist die SPD die klare Verliererin der Kommunalwahl 21 in Hessen. Ihr Partner CDU büßte Stimmen ein, hat aber mehrere Machtoptionen – unter anderem unter Beteiligung der Freien Wähler.

Vogelsbergkreis - Der Verlust von 2,3 Prozentpunkten auf 33,3 Prozent kostet die Union bei der Kommunalwahl in Hessen zwei Sitze im Kreistag. Als Wahlverlierer müssen sich die Christdemokraten dennoch nicht unbedingt fühlen.

Der Grund: Da Koalitionspartner SPD mit einem Minus von 7 Punkten eine Wahlschlappe erlebte, hat die CDU nun die Qual der Wahl. Sie kann weiter mit der SPD regieren, die mit Manfred Görig noch bis mindestens Mitte 2024 den Landrat stellt, oder ein Dreier-Bündnis schmieden.

Vogelsberg: Nach der Kommunalwahl hat die CDU im Kreistag nun mehrere Machtoptionen

Rechnerisch sind Kombinationen mit Freien Wählern, Grünen und/oder FDP möglich – also auch das „bürgerliche Bündnis“, das am Sonntagabend im Trendergebnis nur von weitem zu erahnen war. „Wir können einigermaßen zufrieden sein. Wir sind mit Abstand wieder stärkste Fraktion geworden“, zieht Jens Mischak (CDU) ein Fazit. 

Für ihn persönlich ist das Ergebnis auch ein Fingerzeig: Obwohl er als Erster Kreisbeigeordneter kaum sein Amt aufgeben dürfte, um ehrenamtlich im Kreistag mitzuarbeiten, hat er mit Abstand die meisten Stimmen aller Kandidaten geholt – 26.290, um genau zu sein. Mit Blick auf die in knapp drei Jahren anstehende Landratswahl ist dies natürlich ein positives Zeichen für ihn.

So sieht das Endergebnis der Kreistagswahl im Vogelsberg aus.

Von einem solchen ist die SPD weit entfernt. Spitzenkandidat Patrick Krug sieht bei den Sozialdemokraten das Trendergebnis bestätigt: „Mit diesen knapp 25 Prozent können wir nicht zufrieden sein. Das ist vor allem dem geschuldet, dass die SPD im Bund dort steht, wo sie steht. Bei den letzten Kommunalwahlen im März 2016 stand die SPD bei 24 Prozent, jetzt bei 16 Prozent. Das sieht man hessenweit an den Ergebnissen, die in den Nachbarkreisen Gießen oder Wetterau noch schlechter waren.“

Kommunalwahl im Vogelsberg: Grüne und Freie Wähler legen deutlich zu

Krug ist aber nicht so blauäugig, nicht auch im eigenen Kreis nach Ursachen zu suchen: „Es gibt auch in einzelnen Städten und Gemeinden vor Ort individuelle Gründe für unser Abschneiden – unter anderem der Trend zu Freien Wählern, wie deren starkes Ergebnis zeigt.“ Dort wo die SPD „beliebte Bürgermeister stellt und stärker wahrgenommen wird, sind unsere Ergebnisse ein gutes Stück weit besser“.

Als Beispiele nennt er Dr. Olaf Dahlmann in Wartenberg, Sebastian Stang in Grebenhain, Susanne Schaab in Schotten und vor allem Claudia Blum in Homberg. Die gebürtige Lauterbacherin erzielte die meisten Stimmen von allen zur Wahl stehenden Kandidaten – abgesehen von CDU-Chef Jens Mischak. Dessen Vorsprung auf Blum fällt mit fast 11.000 Stimmen sehr deutlich aus.

Krug: „Mit ein Teil des Problems ist, dass wir dort, wo wir den Bürgermeisterposten verloren haben, oft auch die Mehrheiten verloren gingen.“  Der Kreisvorsitzende der Sozialdemokraten gab sich Mittwochabend auf dem Weg zu einer Sitzung des Unterbezirksvorstandes am Telefon kämpferisch: Die SPD wolle weiter Verantwortung übernehmen und „bereit, mit der CDU zu reden“.

Sein Gesprächsangebot gilt auch allen anderen Fraktionen – mit der ausdrücklichen Ausnahme der rechtsradikalen AfD. Solche würden sich lohnen, unabhängig vom Ausgang. Im Sinn hat der Spitzenkandidat aber zumindest die Möglichkeit, zusammen mit den Freien Wählern, den Grünen und der FDP eine aus vier Fraktionen bestehende Koalition zu schmieden. Krug: „Vierer-Kombinationen gibt es in anderen Kreisen. Diese Vorstellung ist daher nicht völlig abstrus.“ Erste Gespräche sollen zeitnah aufgenommen werden.

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