Hartmut Eifert (links) und Mario Hanisch stehen neben Heuballen.
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Claudia und Hartmut Eifert (links) haben ihren Bioland-Betrieb auf Heumilch-Produktion umgestellt. Mario Hanisch, Projektkoordinator Ökomodell-Region Vogelsberg, arbeitet eng mit dem Betrieb zusammen.

Stressfaktor Heuernte

Weniger Milch, aber gesündere Kühe: Landwirt im Vogelsbergkreis setzt auf Heumilch

Landwirte Hartmut und Claudia Eifert aus Lautertal-Hörgenau im Vogelsberg haben ihren Betrieb auf Heumlich umgestellt - und sind überzeugt davon.

Vogelsbergkreis - Es riecht nach frischem Heu. Und ein bisschen nach Kuhstall auf dem Hof von Hartmut und Claudia Eifert aus Lautertal-Hörgenau. Gerade kommt der Biolandwirt mit dem Traktor ums Eck, der Wender ist seit Wochen im Dauer-Ernteeinsatz. Dass Hartmut Eifert Zeit für einen Pressetermin hat ist besonders, denn die Heuernte steht aktuell ganz oben auf der Prioritätenliste des Landwirts.

Die Familie ist Teil der Initiative „Bio-Heumilch Rhön Vogelsberg“, einem Zusammenschluss der Ökomodellregionen Vogelsbergkreis, Rhön-Grabfeld und Fulda, sieben Bio-Höfen und weiteren Partnern. „Seit etwa drei Wochen sind wir mittendrin“, sagt er.

Vogelsberg: Landwirt setzt auf Heumilch - Weniger Milch, gesündere Kühe

Die Heuernte ist für den zertifizierten Bio- und Heumilch-Betrieb essentiell - und ist zeitintensiver. „Bei vielen Betrieben ist zum Beispiel der erste Silageschnitt in zwei Tagen erledigt“, sagt Eifert laut Mitteilung des Vogelsbergkreises. Dann liegt das Gras gemäht, manchmal gehäckselt und verdichtet in Rundballen oder im Fahrsilo. So schnell gehe das beim Heu nicht, führt der gelernte Landwirt aus. Sie seien über Wochen hinweg mit der Heuernte beschäftigt, könnten dadurch aber qualitativ sehr hochwertiges Futter von den Wiesen holen.

Auf Heumilch haben die beiden vergangenes Jahr gesetzt. „Unsere Kühe sind nicht so anfällig, geben zwar weniger Milch, sind aber viel gesünder“, sagt der Biolandwirt. Die geringere Milchleistung werde durch den Ertrag ausgeglichen, die Milch eigne sich besser zur Herstellung von Käse, da beispielsweise Clostridien-Bakterien, die die Käseherstellung beeinträchtigen können, und unter anderem über Silagefutter aufgenommen werden, bei Heumilchproduktion eine Nebensache seien. „Und außerdem ist es Teil unserer Philosophie. Wir wollen nachhaltiger wirtschaften, unseren eigenen Rhythmus finden und hochwertige Nahrungsmittel produzieren“, sagt Eifert.

Die Kühe gehen in der Weidesaison von etwa April bis Oktober raus auf die Weide. Im Laufstall bekommen sie zusätzlich zum Heu noch Schrot aus eigenem Getreide und Erbsen sowie etwas Mineralfutter. Um dafür genügend hochwertiges Heu parat zu haben, haben sie sich eine Heutrocknung gebaut. „So kann ich den Zeitpunkt zum Mähen etwas flexibler bestimmen und die Ernte dann beginnen, wenn die Grasqualität am besten ist“, sagt Eifert. (Lesen Sie hier: Biodiversitätsprojekt im Landkreis kann starten - Verein Natur- und Lebensraum Rhön zieht Bilanz)

Mario Hanisch sieht Heumilch-Produktion als Chance für Betriebe

Hin und wieder werde die Umstellung auf die Heumilch-Produktion belächelt. Doch das macht den beiden nichts aus. „Natürlich gab es auch Zweifel, ob das auch alles so funktioniert. Heumilch-Produktion ist anders - dazu gehört viel Überzeugung“, sagt Eifert. Ob sie sich wieder dazu entscheiden würden? „Es fallen keine gebratenen Tauben vom Himmel - aber es ist schön.“ Sie haben gelernt, mehr mit der Natur zu arbeiten. Das vergleichsweise späte Mähen für die Heuernte helfe der Natur: „Rehe, Kitze, Insekten, Gräser – all‘ das hat im Frühjahr mehr Zeit“, sagt Eifert, der etwa 95 Hektar bewirtschaftet.

Die Heumilch-Produktion und -Vermarktung könne für viele Betriebe eine Chance sein, um unabhängiger zu werden, sagt Mario Hanisch, Projektkoordinator Ökomodell-Region Vogelsberg. Zwar sei die Nachfrage da, aber regionale Produktions- und Vermarktungsstrukturen seien noch ausbaufähig. „Es geht darum, Vermarktungswege zu suchen, und zu finden, um so die Heumilch mehr in den Fokus zu rücken“, führt Hanisch aus. Die Initiative solle das ändern – weitere Betriebe könnten gerne Kontakt aufnehmen, um Informationen zu erhalten.

Die Sonne scheint aufs Hallendach. Die Trocknung läuft und Hartmut Eifert muss weiter. Der zweite Schnitt - das Grummet - muss nach der Mittagspause gewendet werden. (ah)

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